"Ästhetische Gründe": SPÖ-Politiker wegretuschiert

Halleins zweiter Vizebürgermeister wurde von einem Foto entfernt und kritisiert die "gezieltes Verhalten der Stadt-ÖVP". Der Bürgermeister spricht von einer "depperten Sache".

(c) Screenshot: www.hallein.gv.at

In Hallein im Salzburger Tennengau sorgt derzeit ein manipuliertes Foto für Aufregung. Auf dem Bild vom Spatenstich einer Wohnanlage, das auf der Homepage der Stadt veröffentlicht wurde, fehlte der zweite SP-Vizebürgermeister Walter Reschreiter. Er wurde von einer Mitarbeiterin des Rathauses vom Foto wegretuschiert.

Am Original war Reschreiter noch gemeinsam mit Wohnbaulandesrat Hans Mayr (Team Stronach) und dem ersten Vizebürgermeister von Hallein, Josef Rußegger (ÖVP), zu sehen - ein wenig im Hintergrund, mit einem roten Regenschirm in der Hand, aber immerhin (siehe Foto unten). Der Sozialdemokrat ist in Hallein für das Bauressort zuständig und war in seiner offiziellen Funktion bei dem Termin. "Es hätte auch ein offizielles Foto mit allen Ehrengästen gegeben - einschließlich mir. Das hätte die Stadt leicht veröffentlichen können."

Mit der Retuschieraktion alleine war es aber nicht getan: Auch im Text der Stadtgemeinde zum veröffentlichten Foto kam sein Name nicht vor. "Das war kein Missgeschick, sondern gezieltes geplantes Verhalten der Stadt-ÖVP. Das ist nicht nur peinlich, da wird eine Grenze überschritten", so Reschreiter.

Bmstr. Manfred Pagler, Wohnbaureferent Landesrat Hans Mayr und Vizebürgermeister Josef Rußegger; rechts im Hintergrund: Walter Reschreiter – (c) Screenshot: www.hallein.gv.at

Verärgert ist Reschreiter auch darüber, dass jene Mitarbeiterin, die das Foto gemacht und retuschiert hat,  in ihrer Dienstzeit auch die Facebook-Seite der ÖVP betreut: "Es ist für mich eine Form der Korruption, wenn Angestellte der Stadtgemeinde für politische Zwecke benutzt werden."

Bürgermeister ortet "depperte Sache"

VP-Bürgermeister Gerhard Anzengruber - er hat laut Auskunft der Mitarbeiterin nichts von der Retusche gewusst - sprach am Freitag von einer "depperten Sache" und stellte sich hinter die Frau. "Ihr tut das leid. Sie hat das aus ästhetischen Gründen gemacht, weil Herr Reschreiter im Hintergrund stand und nicht in die Kamera geblickt hat." Selbstverständlich werde er sich bei seinem Vizebürgermeister für den Vorfall entschuldigen. Das retuschierte Foto wurde mittlerweile übrigens von der Homepage entfernt und durch das Original ersetzt.

Reschreiter gibt sich mit dieser Erklärung allerdings nicht zufrieden. "Es handelt sich hier nicht um einen Einzelfall, sondern um ein System." Bereits im Frühjahr 2012 habe der heutige Landeshauptmann-Vize und damalige Halleiner VP-Bürgermeister Christian Stöckl rote Politiker von einem Pressefoto entfernen lassen. "Und ich bin mir sicher, dass der Stadtamtsdirektor im aktuellen Fall gewusst hat, was es mit dem Foto auf sich hat." Und noch ein Beispiel hat Reschreiter parat. "Wenn in der Stadt ein Seniorenheim eröffnet wird, werden alle Gäste begrüßt - ich nicht. Es ist eine bewusste Strategie, zu vermeiden, dass ich präsent bin."

>> Beitrag auf der Homepage der Stadt Hallein

(APA/Red.)

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