Michael Spindeleggers junge Sekretäre

Sebastian Kurz wurde mit 24 Staatssekretär. Gernot Blümel wird mit 32 Generalsekretär. Wen Michael Spindelegger fördert. Und warum.

WAHLKAMPFAUFTAKT DER OeVP: SPINDELEGGER/KURZ
WAHLKAMPFAUFTAKT DER OeVP: SPINDELEGGER/KURZ
WAHLKAMPFAUFTAKT DER OeVP: SPINDELEGGER/KURZ – APA/ROBERT JAEGER

Wien. Es waren junge und karrierebewusste Männer, politisch im Cartellverband sozialisiert, die Michael Spindelegger in das Außenministerium mitgenommen hatte. In der ÖVP sagt man ihnen nach, dass sie fleißig sind und gebildet, aber auch unauffällig. Dass sie jemals für Unmut gesorgt hätten, ist nicht überliefert. Widerstand leisten sie nicht, revolutionäre Ansichten sind ihnen fremd. So macht man Karriere.

Einer von ihnen ist Gernot Blümel, ein gebürtiger Niederösterreicher (er stammt aus Moosbrunn), der in Wien und Dijon Philosophie studiert hat. Spindelegger, damals noch Zweiter Nationalratspräsident, lernte den Nachwuchspolitiker vor einigen Jahren in seinem Wahlkreis (Wien-Umgebung) kennen und engagierte ihn als parlamentarischen Mitarbeiter. Dass man derselben Weltanschauung zuneigte, hatte dem heutigen ÖVP-Chef die Entscheidung erleichtert: Wie Spindelegger ist Blümel Mitglied in der katholischen Studentenverbindung Norica. Seine Diplomarbeit widmete er dem „Personenbegriff in der Christlichen Soziallehre“.

2009 folgte Blümel seinem Chef in das Außenamt nach, wo er zunächst als Referent tätig war. Als Spindelegger im April 2011 zum Vizekanzler aufstieg, bekam auch Blümel neue Agenden: Ministerratskoordination und Regierungsarbeit.

Gestern, Freitag, wurde der 32-Jährige vom ÖVP-Vorstand zum neuen Generalsekretär bestellt. Er folgt Hannes Rauch nach, der im Jänner in die Privatwirtschaft wechselt. Blümel könne organisieren, kenne die Partei gut, habe die Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen, und sei darüber hinaus „sehr tough“. Daher sei die Wahl des Parteiobmanns auf ihn gefallen, hieß es aus Spindeleggers Umfeld.

 

Absolute Loyalität

Die Personalentscheidungen des ÖVP-Chefs werden langsam zur Methode, zum „System Spindelegger“. Junge, talentierte Mitarbeiter, die brav ihren Dienst versehen, werden darin mit höchsten Aufgaben in der ÖVP betraut. Sie danken es dem Parteichef mit absoluter Loyalität. Manche meinen sogar, Spindelegger fördere Parteifreunde, die ihm charakterlich ähnlich sind.

Seinen Kabinettschef Jochen Danninger machte der Vizekanzler zu einer Schlüsselfigur in den Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ. Neben dem Vizekanzler und Staatssekretär Reinhold Lopatka ist der 38-jährige Oberösterreicher Teil jener Dreiergruppe, in der die Fäden der ÖVP zusammenlaufen.

Danninger lernte das politische Geschäft bei Andreas Khol. In den Wendejahren, als Khol Nationalratspräsident war, machte er den Juristen zu seinem Büroleiter. Danninger, ebenfalls Mitglied im CV, blieb im Amt, als Spindelegger nach Wolfgang Schüssels Wahlniederlage im Jahr 2006 Zweiter Nationalratspräsident wurde. Das Arbeitsverhältnis war intakt, entwickelte sich mehr und mehr zu einem Vertrauensverhältnis. Spindelegger band Danninger immer öfter in Entscheidungen ein. Dann stieß auch Gernot Blümel zum Team.

Markus Figl, Enkel des Nachkriegskanzlers Leopold Figl, war zu diesem Zeitpunkt schon da. Der 40-Jährige ist heute Bezirksparteiobmann im ersten Bezirk in Wien. Dereinst wird er Ursula Stenzel wohl als Bezirksvorsteher ablösen. Hauptberuflich ist Figl nach wie vor Kabinettsmitarbeiter bei Spindelegger: Er ist einer der Redenschreiber des Vizekanzlers, organisiert Veranstaltungen und habe „unterschiedliche hausinterne Zuständigkeiten“, wie es im gemeinsamen Büro heißt.

 

Gemischte Gefühle

Figl und Blümel wiederum kennen einander nicht nur aus der Norica, jener Studentenverbindung, in der auch Spindelegger Mitglied ist, sondern auch aus der JVP. Figl war von 2003 bis 2005 deren Internationaler Sekretär, Blümel ist es seit 2006.

Über die Junge ÖVP sind beide auch mit Sebastian Kurz befreundet, der JVP-Obmann blieb, als ihn Spindelegger 2011 gegen größte Widerstände in die Regierung holte. Kurz war damals erst 24 Jahre. Ihren Ausgang hatte die Karriere des Staatssekretärs Anfang der Nullerjahre genommen, bei den jungen Schwarzen im ersten Bezirk. Deren Chef war damals Markus Figl.

Im Jahr 2008 stieg Kurz, der im Gegensatz zu den anderen nicht im Cartellverband ist, zum Bundesparteiobmann der Jungen ÖVP auf. Blümel wurde im selben Jahr Vizepräsident der Jungen Europäischen Volkspartei – und blieb es bis 2010.

Parteiintern erzeugt der Aufstieg der Jungen gemischte Gefühle. Ihre Fürsprecher heben hervor, dass allesamt „eine bestimmte Zukunftskonzeption für die ÖVP“ im Sinn hätten – nämlich eine „moderne christdemokratische Partei“. Andere wiederum warten nur darauf, dass Spindeleggers Hoffnungsträger an den Mühen der parteipolitischen Ebene scheitern. Inwieweit etwa der 32-jährige Gernot Blümel in der Lage sein wird, Landeshauptleuten wie Erwin Pröll oder Josef Pühringer die Stirn zu bieten, wird sich erst weisen. Spindelegger traue ihm das zu, heißt es.

Vielleicht hilft dem neuen Generalsekretär sein Hobby, in dem er seine Durchsetzungskräfte üben kann: In seiner Freizeit gibt Blümel nämlich den Boxer – wenn auch eher am Sandsack als im Ring.

ÖVP-AUFSTEIGER


Jochen Danninger. Der Kabinettschef Michael Spindeleggers gilt als die rechte Hand des Vizekanzlers. Kein Wunder, dass der CVer im Koordinationsteam der Koalitionsverhandler sitzt.

Markus Figl. Der Mitarbeiter im Kabinett Spindeleggers – er schreibt unter anderem Reden – kommt aus der JVP und war Internationaler Sekretär. Der CVer ist ÖVP-Chef des ersten Wiener Bezirks.

Sebastian Kurz. Der Bundeschef der Jungen ÖVP hat als Integrationsstaatssekretär reüssiert. Er gilt als die Nachwuchshoffnung der ÖVP und ist auch als Außenminister im Gespräch.

AUF EINEN BLICK

Der ÖVP-Vorstand traf am Freitag zwei wichtige Personalentscheidungen: Der 32-jährige Gernot Blümel, bisher Mitarbeiter im Kabinett von Vizekanzler und Parteichef Michael Spindelegger, wird neuer Generalsekretär der Partei. Er folgt Hannes Rauch nach, der in die Immobilienbranche wechselt. Othmar Karas, Leiter der ÖVP-Delegation in Brüssel und Vizepräsident des EU-Parlaments, wurde zum Spitzenkandidaten für die EU-Wahl gewählt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2013)

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