Ex-Minister Josef Staribacher ist tot

Der SPÖ-Politiker war von 1970 bis 1983 Handelsminister. Er starb im Alter von 92 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Ex-Handelsminister Josef Staribacher ist tot
Ex-Handelsminister Josef Staribacher ist tot
Josef Staribacher – (c) APA

Der frühere SPÖ-Handelsminister Josef Staribacher ist am Samstag an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Das teilte seine Familie am Sonntag mit. Der 92-Jährige sei "ruhig eingeschlafen".

Staribacher bekleidete von 1970 bis 1983 in allen vier Kabinetten von Bundeskanzler Bruno Kreisky den Posten des Handelsministers. Zudem hatte er über lange Jahre verschiedene Spitzenpositionen innerhalb des ÖGB inne.

Im KZ Buchenwald interniert

Am 28. März 1921 wurde Staribacher in eine Wiener Arbeiterfamilie geboren. Der Vater war Kanalaufseher und Straßenbahnschaffner, die Mutter Hausfrau. Wegen seiner Tätigkeit für die damals verbotene Sozialdemokratische Arbeiterpartei musste Staribacher 1936 seine Schulausbildung beenden. Er lernte daraufhin den Beruf des Stein- und Offsetdruckers. Unter den Nazis war er neun Monate lang im Konzentrationslager Buchenwald interniert, bevor er als Hilfskrankenträger an die Front geschickt wurde.

Nach dem Krieg arbeitete Staribacher in der Arbeiterkammer, wo er im Jahr 1968 zum Kammeramtsdirektor aufstieg. Zwei Jahre später holte ihn Kreisky in die Regierung.

Fischer und Faymann würdigen Staribacher

SP-Bundeskanzler Werner Faymann zeigte sich am Sonntag "tief betroffen" von der Todesnachricht. Staribacher habe "zusammen mit Bruno Kreisky eine Ära geprägt". Als Handelsminister habe er "die Konsumentenpolitik neu strukturiert und sich für mehr soziale Gerechtigkeit eingesetzt". Mit der Förderung der Klein- und Mittelbetriebe habe Staribacher "einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlich gesunden Basis unseres Landes gelegt".

Auch vonseiten der ÖVP wurde der frühere Handelsminister gewürdigt. Denn "seine konziliante und sachliche Art hat ihm über die Parteigrenzen hinweg Respekt eingebracht", betonte Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner in einer Aussendung. Staribacher habe als langjähriger Handelsminister zur Weiterentwicklung des Standorts Österreich beigetragen - und dabei besonderes Augenmerk unter anderem auf die Förderung von Klein- und Mittelbetrieben sowie auf die Positionierung Österreichs als vielfältiges Tourismusland gelegt, indem er zum Beispiel den Slogan 'Wanderbares Österreich' prägte. "Für seinen Einsatz für die Republik gebühren Josef Staribacher Respekt und Anerkennung", betont Mitterlehner.

Bundespräsident Heinz Fischer würdigte die "geradezu sprichwörtliche" Kameradschaftlichkeit und Bescheidenheit Staribachers. Mit seinem Tod sei "ein ebenso erfolgreicher wie volkstümlicher und über Jahrzehnte bewährter Politiker von uns gegangen", dem Österreich viel zu verdanken habe.

Ein Zeitpunkt für das Begräbnis steht noch nicht fest. Ab Mittwoch sollen im Regierungsgebäude am Stubenring, der ÖGB-Zentrale und am Sitz der SPÖ-Bezirksorganisation Landstraße Kondolenzbücher aufgelegt werden.

(Red.)

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