Rupprechter: Österreichs launigster Minister

Porträt. Ein Bonmot hier, ein Seitenhieb dort: Andrä Rupprechter kann sich das anscheinend leisten. Weil im Scherzbold eben auch ein Fachmann steckt. Und vielleicht sogar ein Parteichef.

Rupprechter; Felipe
Rupprechter; Felipe
Rupprechter; Felipe – (c) Land Tirol

Also sprach Ändra Rupprechter auf der Naturschutzkonferenz in Innsbruck: „Ich bin ein konservativer Politiker, deswegen überreiche ich jetzt auch etwas Konservatives." Und übergab der grünen Landeshauptmannstellvertreterin von Tirol, Ingrid Felipe, einen kleinen Heuballen. Nachsatz des Landwirtschaftsministers: „Aber bitte nicht rauchen!"
„Minister mit Hang zum Kabarett", folgerte der „Standard".

Weniger lustig - im Gegensatz zu Felipe - fanden ihn einige Tage zuvor die ÖH-Vertreter an der Uni für Bodenkultur. „Fremdenfeindliche Äußerungen" unterstellten sie ihm gar. Rupprechter hatte beim Boku-Ball zum dortigen Vize-ÖH-Chef, der die Zusammenlegung von Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium kritisiert hatte, gemeint: „Mein Freund, von einem aus Mecklenburg-Vorpommern brauchen wir uns nicht sagen zu lassen, wie wir Wissenschaftspolitik gestalten. Als ich studiert habe, herrschte dort noch Realsozialismus."

Ein wenig ruppig, direkt, im Zweifel lieber eine Pointe zu viel als zu wenig: So wirbelt Andrä Rupprechter (52) durch die Innenpolitik. Leutselig, ohne Berührungsängste, mitunter mit dem Sturschädel voran. Und das Erstaunliche daran: Er kann sich das auch leisten. Allein wegen des Gelöbnisses „So wahr mir Gott helfe und vor dem heiligen Herzen Jesu Christi" wären andere wegen Bigotterie durch Sonne, Mond und Sterne geschossen worden. Doch bei Rupprechter ging das als Authentizität durch.
Vor allem aber ist es seine allseits anerkannte Expertise in seinem Fachbereich, die Rupprechter vor Häme bewahrt. Aus dieser Selbstsicherheit heraus wagt er auch mehr als andere. Und im Gegensatz zu anderen früheren Quereinsteigern wie Andrea Kdolsky oder Claudia Bandion-Ortner wird ihm die „Hoppla, jetzt komm ich!"-Attitüde gelassen nachgesehen.

Wobei der Begriff Quereinsteiger relativ ist. Rupprechter hat die meiste Zeit seines Berufslebens im politischen Umfeld verbracht: erst als Ministersekretär, dann als Sektionschef im Landwirtschaftsministerium, später als Direktor im Generalsekretariat des Rates der EU. Und eigentlich hätte er ja auch nicht Minister, sondern Generalsekretär des Ausschusses der Regionen werden sollen. Das Auswahlverfahren unter 30 internationalen Kandidaten hatte er bereits gewonnen, Hearing in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch) inklusive.

Forsch ging dann das jüngste von elf Kindern einer Tiroler Bergbauernfamilie auch sein Ministeramt an - auch hier mehr oder weniger ohne Rücksicht auf Verluste. Den umstrittenen Agrotreibstoff E10 will er wiederbeleben. Mit Ungarn ging er auf Konfrontationskurs und bat die EU um Hilfe, da die dortige Regierung die Österreicher in Ungarn - in den Worten Rupprechters - „enteignen" will. Und im Almflächenstreit nahm er die Landwirtschaftskammern in die Pflicht. Abseits der medialen Öffentlichkeit ist der Landwirtschaftsminister derzeit vor allem mit den Verhandlungen über die Förderprogramme für die ländliche Region beschäftigt.

Sein Arbeitsstil wird im Ministerium als fordernd beschrieben, er hat Dinge lieber heute als morgen erledigt. Und er hat einen Hang zum Unkonventionellen: Sein Ressort würde er gern zum „Lebens-, Europa- und Friedensministerium" weiterentwickeln. Und das Feldmarschall-Radetzky-Denkmal vor dem früheren k. u. k. Kriegsministerium, in dem er nun sitzt, würde Rupprechter am liebsten schleifen, zumindest aber mit einem „Friedenssymbol" behängen.

Sich selbst nennt Rupprechter einen „schwarz-rot-grünen Minister". Grün wegen der Umwelt, rot wegen der Solidarität. Und während andere ÖVP-Politiker ein eher defensives Verhältnis zur Großen Koalition haben, steht Rupprechter mit Überzeugung dahinter.

In ÖVP-Planspielen wird auch Andrä Rupprechter als möglicher künftiger Parteichef genannt. Die politische Breite - wie sein Vorgänger Josef Pröll - hätte er dafür. Sofern ihn sein Temperament nicht doch noch zuvor straucheln lässt.

 

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