Johannes Peterlik: Von Bangkok zum Stubenring

Der 47-jährige Diplomat war bereits Pressesprecher von Benita Ferrero-Waldner. Später startete er eine Karriere als Botschafter. Nun wurde das CV-Mitglied Kabinettschef unter Sophie Karmasin.

AM Ferrero-Waldner verabschiedet Johannes Peterlik
AM Ferrero-Waldner verabschiedet Johannes Peterlik
(c) APA

Wien. Als ÖVP-Bundesobmann Michael Spindelegger nach den Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ Ende 2013 der Meinungsforscherin Sophie Karmasin überraschend einen Job als Familienministerin anbot, bewies er Mut. Sie ist ein neues, frisches Gesicht in der Regierung. Jemand, der ein moderneres Bild von Familie vertritt, als man es von der Volkspartei gewohnt ist. Und noch nicht einmal – vielleicht auch gerade deswegen – Parteimitglied ist.

Doch ihr höchster Mitarbeiter am Wiener Stubenring passt sehr gut in die Welt der Volkspartei: Familien-Kabinettschef Johannes Peterlik wird von Bekannten als „extrem wertkonservativ“ beschrieben. Und: Er ist auch Mitglied im Cartellverband (CV), so wie Spindelegger und der Großteil seiner männlichen Regierungsmitglieder. Peterlik gehört zur (nicht schlagenden katholischen) Verbindung Bajuvaria Wien.

 

Als junger Diplomat nach Hanoi

Daher wunderten sich einige, als der 47-Jährige ins neu geschaffene Kabinett geholt wurde. Eigentlich soll Peterlik eine Karriere im Außenministerium angestrebt haben. Dann wurde es aber – aus welchen Gründen auch immer – doch das Familienressort.

Peterlik dürfte es allerdings gewohnt sein, sich schnell an neue Situationen und Umgebungen anzupassen. Als Diplomat war er in den Jahren 2004 bis 2009 in Vietnam tätig. Damals, mit 37 Jahren, ging er als jüngster österreichischer Botschafter im Auswärtigen Dienst nach Hanoi. Anschließend, zwischen den Jahren 2009 und 2013, zog er aus beruflichen Gründen nach Thailand.

Nach zwei Diensten im Ausland ging er, wie üblich, zurück nach Wien. Dass er keine direkten Qualifikationen für das Familienressort vorzuweisen hat, stört dabei sein Umfeld nicht.

 

„Praxis ist besser als Theorie“

Er hat zwei Kinder („Praxis ist immer besser als Theorie“, wie sich ein Bekannter von ihm dazu äußert), außerdem könne man sich in Sachthemen auch einarbeiten. Vor allem er, denn: „Er ist sehr fleißig, sehr eloquent“, heißt es.

Andere nennen es so: „Er ist sehr ehrgeizig. Es ist ihm wichtig, dass er etwas wird.“ Jedenfalls verfüge der neue Kabinettschef von Ministerin Karmasin über Organisationstalent. Leute, die ihn kennen, trauen ihm daher den Job durchaus zu.

Das politische Geschäft ist Peterlik jedenfalls vertraut: Von 1994 bis 2005, also noch vor seiner Karriere als Diplomat, war er unter Wolfgang Schüssel immerhin der Pressesprecher von Benita Ferrero-Waldner (ÖVP). Zunächst in deren Zeit als Staatssekretärin im Außenministerium, dann als Ministerin.

 

Eine Diplomatenfamilie

Peterlik ist aber nicht nur in ÖVP-Kreisen gut vernetzt. Auch das diplomatische Geschäft war ihm von Anfang an vertraut: Peterliks Vater war ebenfalls Botschafter in Thailand und Indien. Sein Sohn wuchs zwischen den Städten Prag, Hongkong, Bangkok und Wien auf. Wo er nun auch wieder gelandet ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2014)

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