Haider ehrt umstrittene Dichterin Agnes Millonig

Millonig war bereits 1933 NSDAP-Mitglied und verfasste das Gedicht "Das Heilige Ja" zum "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland. Der Kärntner BZÖ-Chef enthüllte ihr zu Ehren eine Gedenktafel.

(c) APA (Guenter R. Artinger)

Bei der Enthüllung einer umstrittenen Gedenktafel im obersteirischen Neumarkt im Bezirk Murau ist am Donnerstagnachmittag alles ruhig geblieben. Die SJ Steiermark hatte mit etwa 20 Aktivisten gegen die Feier für die Lehrerin Agnes Millonig protestiert, der sie unter anderem vorwerfen, 1938 "Das Heilige Ja" zum "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland gedichtet zu haben. Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) hatte mit einer Abordnung aus Kärnten an der Feier teilgenommen, laut Polizei-Bezirkskommandant Oberstleutnant Martin Kargl gab es keine Zwischenfälle.

Die SJ-Leute hielten bei der Veranstaltung - beobachtet von rund 25 Polizisten in Uniform und Zivil - vier Transparente mit den Aufschriften "Falsches Land! - Falsche Tafel!" und "Keine Ehrung für Nazis" auf Deutsch und Slowenisch in den Händen und verteilten Informations-Flugblätter. Für Wolfgang Moitzi, Landesvorsitzender der SJ Steiermark, ist die Gedenktafel nicht akzeptabel: "Die Gedenktafel bezieht sich auf das, was Millonig im Laufe ihres Lebens geschrieben hat und dabei muss man auch auf die politischen Inhalte ihrer Texte Rücksicht nehmen. Aber anscheinend stört es die Verantwortlichen nicht, dass Millonig zum Anschluss an Nazi-Deutschland aufrief und jede Neinstimme als Hochverrat und Verbrechen brandmarkte." Er vermute aber auch, dass unter den Feier-Teilnehmern wenige Neumarkter gewesen wären.

SJ: Unverständnis für Haiders Engagement 

Das Engagement von Haider für die Gedenktafel stieß bei der SJ auf Unverständnis: "Bisher war uns nur bekannt, dass Jörg Haider das Taferlrücken Freude bereitet. Dass ihm auch das Aufstellen und Enthüllen Spaß macht, ist uns neu". Man werde ihn gerne unterstützen, wenn er auf Ehrungen für ehemalige Nazis verzichte und stattdessen die "längst fälligen zweisprachigen Ortstafeln in seinem Bundesland aufstellt", hieß es seitens der SJ. Mit der Enthüllung der Tafel könne man nun nichts mehr machen, aber es wäre erfreulich, wenn der Gemeinderat für eine Diskussion offen wäre.

Kurz vor der geplanten Enthüllung im Vorjahr wurde der Festakt abgeblasen. Es ging um die Mitgliedschaft Millonigs bei der illegalen NSDAP. Eine von der Kärntner Landesregierung bestellte Historikerkommission habe die Dichterin aber mittlerweile als "minder belastet" eingestuft, so der Neumarkter FPÖ-Bürgermeister Reinhardt Racz. Millonig war bereits 1933 in die NS-Frauschaft eigetreten, offiziell ohne Wissen, dass damit eine NSDAP-Mitgliedschaft verbunden war. (APA/Red.)

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