Postenschacher unter Strasser

Am Freitag wurden Emails des Ex-Innenministers öffentlich, die darauf hin deuten, dass Strasser nicht nur Leitungsfunktionen mit ÖVP-nahen Personen besetzt hat.

(c) Die Presse (Michalea Bruckberger)

Für Ex-Innenminister Strasser hat offenbar bei Postenbesetzungen das Parteibuch eine wichtige Rolle gespielt. Die "ZiB2" veröffentlichte am Freitagabend dutzende Mails, wonach die Nähe zur ÖVP nicht nur für Leitungsfunktionen, sondern auch für Postenkommandanten oder deren Stellvertreter ausschlaggebend gewesen sein soll. Strasser gab am Samstag "keine Auskunft zu gestohlenen Mails".

Der von der ZiB offengelegte Schriftverkehr spielte sich u.a. zwischen Strasser und dem seinerzeitigen Personalchef des Innenministeriums, Michael Kloibmüller, ab, der derzeit Kabinettschef von Gesundheitsministerin Kdolsky ist. So soll etwa in Tirol eine Gemeinde den Zuschlag für einen Gendarmerie-Posten bekommen haben, nur weil sie einen ÖVP-Bürgermeister hat, eine besser geeignete mit SPÖ-Bürgermeister nicht.

In einer anderen Mail ersucht ein Freund des damaligen Pressesprechers und jetzigen ÖVP-Landesgeschäftsführeres Gerhard Karner um Beförderung. Um Hilfe soll auch Musical-Star Uwe Kröger für einen Bekannten ersucht haben, allerdings erfolglos. Im Antwort-Mail heißt es: "Er gilt als Schwarzer, ist aber ein Idiot.

Strasser reagierte am Samstag zurückhaltend. "Zu gestohlenen Mails gebe ich keine Auskunft. Das macht ausschließlich mein Anwalt", sagte er zur APA. Die Frage, ob er damit eine Klage ankündige, beantwortete er nur mit der Feststellung: "Das ist ihre Interpretation". Er bekräftigte seine frühere Aussage, er habe aus einem roten Ministerium ein rot-weiß-rotes gemacht.

Der Grüne Sicherheitssprecher Pilz forderte, dass dieses "schwarze Netzwerk in der Polizei" auch den parlamentarischen U-Ausschuss zur Causa Innenministerium, der am Montag in einer Sondersitzung des Nationalrates eingesetzt wird, beschäftigen müsse. "Ernst Strasser hat das System 'ÖVP-Niederösterreich' ins Innenministerium gebracht. Seitdem zählt bis zum kleinsten Polizisten nur noch das Parteibuch", kritisierte Pilz.

(APA)

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