Rechte Allianz: Geheimes großrussisches Treffen in Wien

Am Samstag fand in Wien eine Konferenz statt, auf der FPÖ-Chef Strache und andere Politiker der extremen Rechten mit russischen Verfechtern der eurasischen Idee und Oligarchen über die Zukunft Europas berieten.

PK FP� ZU ´KRIM-REFERENDUM´: STRACHE
PK FP� ZU ´KRIM-REFERENDUM´: STRACHE
PK FP� ZU ´KRIM-REFERENDUM´: STRACHE – (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wien. Die Gesellschaft hatte sich einen passenden Tag für ihr Treffen ausgesucht: Während am vergangenen Samstag am Life Ball Tausende für Toleranz tanzten, versammelten sich im Wiener Palais Liechtenstein westeuropäische Rechtspopulisten und Proponenten der großrussischen Idee. Wie der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtete, war das offizielle Thema der geschlossenen Tagung der historische Wiener Kongress, der vor 200 Jahren mit der Gründung der „Heiligen Allianz“ dem Kontinent „ein Jahrhundert der relativen Ruhe und des geopolitischen Gleichgewichts“ beschert habe.

Um ein neues geopolitisches Gleichgewicht ging es auch den Teilnehmern, darunter FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Wiens FP-Klubchef Johann Gudenus und seinen internationalen Gästen, darunter Le Pen-Enkelin Marion Maréchal-Le Pen, Bulgariens Rechtsaußenpolitiker Wolen Siderow sowie äußerst prominente russische Teilnehmer. In FPÖ-Kreisen wollte man die Veranstaltung nicht kommentieren; es habe sich um ein privates Treffen gehandelt.

Putin-Ideologe Dugin zu Gast

Unter den Anwesenden war etwa Alexander Dugin, Vorsitzender der Internationalen Eurasischen Bewegung und ideologischer Stichwortgeber von Präsident Wladimir Putin. Dugin hat in den letzten Jahren eine rasante Karriere hingelegt: Er ist vom verschrobenen bärtigen Rechtsaußen-Philosophen zum anerkannten Talkshow-Teilnehmer mutiert. Dugins frühe Traktate haben eine offenkundige Nähe zum Faschismus. In den letzten Jahren präsentiert er sich vor allem als Proponent der eurasischen Idee. Kurz gesagt geht es dabei um den Kampf der Kontinente: Unter der Führung Russlands soll sich Eurasien gegen die USA verbünden.

In gesellschaftlicher Hinsicht vertritt er antiliberale und antiwestliche Standpunkte. Stimmungsmache gegen Individualismus und die vermeintlich „westliche“ Homosexualität gehört ebenso zu seinem Repertoire wie das Hochhalten der großrussischen Idee.

Auf dem samstäglichen Kongress fand nicht das erste Treffen zwischen Dugin und FPÖ-Chef Strache statt. Die FPÖ pflegt seit Jahren gute Kontakte zu großrussischen Kreisen. Schon in einem YouTube-Video von 2009 preist Dugin seine europäischen Mitstreiter. Er besuchte den mittlerweile in Akademikerball umbenannten WKR-Ball deutschnationaler Burschenschafter. Auch habe er schon früher schon an Konferenzen in Wien teilgenommen. Der Ideologe äußerte sich anerkennend über die „absolut prorussische Position“ der FPÖ, „die uns (in den Konflikten, Anm.) in Abchasien, Ossetien und Georgien unterstützt“. 30 Prozent des österreichischen Parlaments sei von „Freunden Russlands“ kontrolliert, erklärte Dugin weiter. Und: „Wir haben in Europa ein gigantisches Segment an Menschen, die wie wir denken, die gegen die Hegemonie der Vereinigten Staaten auftreten.“ Die Demonstranten gegen den Ball nannte Dugin übrigens „orangen Menschenmüll“ – ein klarer Verweis auf seine Ablehnung der „Farbenrevolutionen“ in Osteuropa, hinter denen er die Ausdehnung des US-Einflusses in Russlands „nahem Ausland“ vermutet.

Oligarch Malofeew als Sponsor

Gastgeber der neuen „Wiener Allianz“ war der russische Oligarch Konstantin Malofeew, Inhaber des Investmentfonds „Marshall Capital“ und Finanzier der Stiftung „Sankt Blasius der Große“. Er trat auf dem Treffen auch als Moderator auf – und soll Strache gemaßregelt haben, als dieser ein Foto mit seiner Handykamera schoss. Einem Bericht des russischen Journalisten Oleg Kaschin zufolge dürfte der „orthodoxe Oligarch“ bei der Krim-Annexion mittels finanzieller Unterstützung mitgemischt haben.

Ein früherer PR-Mitarbeiter Malofeews ist übrigens Alexander Borodaj, der nunmehrige prorussische Premier der selbsterklärten „Volksrepublik Neurussland“ (so nennen sich mittlerweile die von Separatisten kontrollierten ostukrainischen Gebiete Lugansk und Donezk), wie der Geschäftsmann in Interviews selbst bestätigte.

Das Engagement des Oligarchen Malofeew verweist auf ein mögliches Muster in der Finanzierung des Ukraine-Konflikts: Ein reicher Privatmann und Anhänger der großrussischen Ideologie agiert im „Public-Private-Partnership“ mit dem russischen Staat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2014)

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