Matthias Köchl: Der Mann mit dem Elektroauto

Der Klagenfurter Grüne Matthias Köchl setzt auf Ökoenergie.

Matthias Koechl, der Mann mit dem Elektroauto
Matthias Koechl, der Mann mit dem Elektroauto
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KLAGENFURT. In seiner Garage stehen zwei Elektroautos, auf dem Balkon seiner Mietwohnung steht eine Solaranlage, die jährlich Strom für 4000 Kilometer mit den Autos produziert. Matthias Köchl ist praktizierender Grüner.

Bei der Nationalratswahl 2006 haben ihm 585 Stimmen auf ein Kärntner Direktmandat gefehlt. Das soll am 28. September anders werden. Denn der 30-Jährige, der schon zehn Jahre lang Stadtparteiobmann der Klagenfurter Grünen war, konzentriert sich voll auf den Wahlkampf.

 

Pionier in Sachen Umweltschutz

Die Einmannfirma, in der Köchl „normalerweise“ Internet-Werbeaktionen konzipiert, steht in dieser Zeit so gut wie still. Köchl sitzt im Klagenfurter Gemeinderat. Doch „ein bissl Kommunalpolitik“ ist ihm zu wenig. Mit drei Mandataren im Gemeinderat bringe man einfach „zu wenig weiter“.

Sollte ihm der Einzug in den Nationalrat glücken, könnte er viel mehr „umsetzen“. Etwa seine vielfältigen Ideen in Sachen Umweltschutz. Da hatte er in jüngster Vergangenheit doch tatsächlich einen Hersteller für Elektroautomobile an der Hand, der in Kärnten einen Produktionsbetrieb ansiedeln wollte. Doch die Politik versagte die Unterstützung. Jetzt entsteht die Fabrik in Polen. Kein Wunder, dass Köchl überzeugt davon ist, dass die heimische Energiepolitik „auf dem falschen Dampfer fährt“.

Vieles ist ihm ein Dorn im Auge, wie etwa die gewährten Heizkostenzuschüsse. „Mit diesem Geld sollte man die Wärmedämmung der Gebäude intensiver fördern, dann wäre man auf dem richtigen Weg.“ Auch dass die Autofahrer an den Tankstellen „abgezockt“ werden, stört ihn. Er zeigt vor, wie es gehen könnte. Um zwei Euro tankt er eines seiner beiden Elektroautos voll und ist damit 100 Kilometer unterwegs. Allerdings fehlt die Infrastruktur. Köchl will im Parlament erreichen, dass die öffentliche Hand Solar- und Fotovoltaikanlagen besser fördert. Dann könnte sich jeder seine eigene „Tankstelle“ für Elektroautos auf das Dach bauen. Die vielfach geäußerte Behauptung, Österreich gehöre zu den Spitzenländern in Sachen Ökoenergie verweist Köchl ins Reich der Fantasie: „Sogar Bulgarien hat bessere Fördergesetze als Österreich.

 

25.000 Stimmen erforderlich

Köchl ist schon als Schülervertreter in Kontakt mit der Politik gekommen. Von 1997 bis 2007 war er Stadtparteiobmann der Klagenfurter Grünen und hat in dieser Zeit den heutigen Landessprecher Rolf Holub in die Partei geholt. Zwischen 2001 und 2003 fungierte er obendrein als ÖH-Vorsitzender an der Klagenfurter Uni, hatte zuvor die grüne Studentenpartei „Gras“ zur größten Fraktion gemacht.

Köchl weiß sehr wohl, dass die Grünen hauptsächlich in Ballungsräumen punkten können. Trotzdem ist er guten Mutes, am 28.September jene rund 25.000 Stimmen auf sich und seine Partei versammeln zu können, die notwendig sind, um erstmals in der Geschichte auf einem grünen Kärntner Mandat ins Parlament einzuziehen.

Dann wird es höchste Zeit für ein paar Ökostrom-Tankstellen an der Strecke Klagenfurt–Wien. Damit Köchl die 300 Kilometer in die Bundeshauptstadt mit dem Elektroauto bewältigen kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2008)

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