Junge wählen immer stärker Grün und Blau

Die 16- bis 29-jährigen Wähler orientieren sich heutzutage mehr an Personen denn an Positionen.

Junge Wähler
Junge Wähler
Junge Wähler – (c) Clemens Fabry

Es gebe alternativ angehauchte Grün-Wähler, die mit rechten ausländerpolitischen Positionen sympathisieren würden. Und es gebe Wähler konservativer Parteien, die eine große Sensibilität für Fragen der Gleichstellung Homosexueller hätten. Das schreiben die Jugendforscher Philipp Ikrath und Bernhard Heinzlmaier in ihrem Buch „Generation Ego“.

Auf den ersten Blick, so die beiden Autoren, erscheint die heutige Jugend als tendenziell links: Sechs von zehn jungen Menschen (14 bis 29 Jahre) würden sich links der Mitte einordnen, ein Viertel rechts. Hauptunterscheidungsthema: die Zuwandererfrage. Wobei sich der Großteil als „Mitte-links“ und „Mitte-rechts“ definiert. Und für diesen Großteil ist auch bezeichnend, dass er sich nicht mehr von den großen ideologischen Erzählungen der Vergangenheit leiten lässt, ja selbst die politischen Positionen der Gegenwart sind nicht so sehr ausschlaggebend. Vielmehr sind es die Personen. Wahlentscheidend ist für den Mainstream, wie sympathisch der jeweilige Spitzenkandidat ist.

Und da scheinen Heinz-Christian Strache und Eva Glawischnig bei den Jungen gut anzukommen. Bei der Nationalratswahl 2013 lag die FPÖ bei den 16- bis 29-Jährigen mit 22 Prozent auf dem ersten Platz, gefolgt von den Grünen und der Volkspartei mit 21 Prozent, die SPÖ kam auf 20 Prozent. In der Detailanalyse des Meinungsforschungsinstituts Sora trat dann noch ein signifikanter Geschlechterunterschied auf: Bei den jungen Frauen lagen die Grünen mit 27 Prozent klar voran, bei den jungen Männern die FPÖ mit 30 Prozent.

„Das ist ein schon länger anhaltender Trend – und er wird sich noch verstärken“, sagt Christoph Hofinger vom Sora-Institut. Bei der Vorarlberger Landtagswahl sei das schon der Fall gewesen. Bei der EU-Wahl im Frühjahr waren die Grünen mit 26 Prozent bei den Jungen auf Platz eins gelegen, die FPÖ mit 23 Prozent auf Platz zwei, SPÖ (19Prozent), ÖVP und Neos (je 15 Prozent) folgten.


Erstwähler. Auf Erstwähler zu setzen, meint Hofinger, zahle sich für die Parteien auch à la longue aus. Denn diese würden meist bei ihrem Wahlverhalten bleiben, also jene Partei, die sie bei ihrer ersten Wahl mit 16 Jahren gewählt haben, wieder wählen.

Der Befund, dass die Jugend politikverdrossener sei als früher, ist empirisch übrigens nicht haltbar. Laut einer Jugend-Wertestudie gaben 1990 noch 47 Prozent der Jungen an, sich sehr oder eher für Politik zu interessieren, 2011 waren es schon 55 Prozent. Das deckt sich ziemlich mit den allgemeinen Werten. Der Schluss, den die Jugendforscher Ikrath und Heinzlmaier daraus ziehen: Es gebe keine prinzipielle Demokratieskepsis; was es gebe, sei eine kritische Distanz zum politischen Betrieb, den Parteien, den handelnden Personen.

Wiewohl die Personen dann ja wieder wahlentscheidend sind. Soll sich einer auskennen, bei dieser Jugend.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.10.2014)

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