Jörg Haider: Mit 142 km/h in den Tod gerast

Der Kärntner Landeshauptmann hat sich am Samstagmorgen mit seinem Dienstwagen überschlagen und erlag wenig später seinen Verletzungen.

(c) Reuters

Jörg Haider ist tot. Der Kärntner Landeshauptmann kam in der Nacht mit seinem Wagen von der Loiblpass-Bundesstraße in der Ortschaft Lambichl ab und erlitt bei dem Unfall tödliche Kopf- und Brustverletzungen. Nach Angaben der Ärzte hatte er keine Überlebenschance. Bei der Obduktion am Samstag konnte kein Hinweis auf einen Herzinfarkt, der zum Unfall geführt haben könnte, gefunden werden. Aufgrund der Schwere der Verletzungen hatte der Landeshauptmann keine Überlebenschance. Haider wurde 58 Jahre alt, er hinterlässt eine Frau und zwei Töchter.

Kärnten im Schock

In Kärnten zeigten sich viele Menschen schwer schockiert vom plötzlichen Tod ihres Landeshauptmannes. Schon am Vormittag fanden sich zahlreiche Kärntner vor dem Landtag ein, um dort Kerzen anzuzünden oder Blumen abzulegen. Bis nach Mitternacht standen Hunderte Menschen aus ganz Kärnten Schlange, um sich in das aufgelegte Kondolenzbuch einzutragen.

Auch am darauffolgenden Sonntag riss die Anteilnahme am Tod Haiders nicht ab. Hunderte Menschen pilgerten zum Unfallort und zur Kärntner Landesregierung, um Kerzen aufzustellen und sich in Kondolenzbuch einzutragen. Obwohl der offizielle Trauergottesdienst erst um 19.00 Uhr stattfinden wird, hatten die Sonntagsmessen im Dom zu Klagenfurt bereits Trauercharakter. Bereits eine halbe Stunde vor Messbeginn um 10.00 Uhr versammelten sich zahlreiche Menschen im Dom, um Rosenkranz zu beten.

Haiders Stellvertreter Gerhard Dörfler erklärte zu Mittag, es sei nicht nötig, die Landestrauer auszurufen, weil diese ohnedies bereits herrsche. Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich ebenso "tief betroffen" wie Haiders Bündnisfreunde vom BZÖ, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und die Spitzen der Parlamentsparteien.

Viel zu schnell unterwegs

Der Unfall ereignete sich auf der Heimfahrt Haiders von einer Abendveranstaltung in Velden am Wörthersee. Haider war mit 142 Kilometern pro Stunde mehr als doppelt so schnell unterwegs wie die an dieser Stelle erlaubten 70 km/h. Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs wurde am Sonntag von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt bestätigt. Kurz vor dem Crash hatte der Landeshauptmann auf der Loiblpass-Bundesstraße in der Ortschaft Lambichl ein anderes Fahrzeug überholt, dessen Lenkerin um 1.18 Uhr die Polizei alarmierte. Nach dem Überholmanöver geriet Haider in seiner Dienstlimousine, einem VW Phaeton, auf der rechten Fahrbahn ins Schleudern. Das Auto rammte mehrere Verkehrsschilder, geriet mit dem linken Vorderrad auf eine Böschung, mähte eine Thujenhecke nieder, krachte gegen den Betonpfeiler eines Gartenzaunes und prallte gegen einen Hydranten.

Danach überschlug sich das Auto mehrmals und kam auf der Fahrbahn wieder zum Stehen. Die Unfallspur zieht sich über rund 150 Meter. Das Auto wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die technische Untersuchung des Wracks ergab, dass das Fahrzeug völlig in Ordnung gewesen war. Der VW-Phaeton V6 mit Allradantrieb hatte zwei herausgerissene Türen und ein großes Loch in der Windschutzscheibe. Haider war angeschnallt gewesen.

(c) AP (Gert Eggenberger)


Haider befand sich am Heimweg ins Bärental, wo er am Wochenende den 90. Geburtstag seiner Mutter feiern wollte, die extra aus Oberösterreich angereist war. Nach Angaben der Ärzte erlitt der Landeshauptmann schwerste Verletzungen an Kopf, Brust und Wirbelsäule. Außerdem war sein linker Arm beinahe völlig abgetrennt. Der Politiker, der einen Autounfall 1993 beinahe unverletzt überlebt hatte, verstarb noch am Weg ins Landeskrankenhaus Klagenfurt.

Der vorläufige Obduktionsbericht ergab, dass Haider mehrere jeweils tödliche Verletzungen erlitten hat. "Er hat keinerlei Überlebenschance gehabt", sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz. Jede der festgestellten Verletzungen hätte allein schon zum Tod geführt.

APA

Dörfler folgt Haider nach

Neuer Landeshauptmann wird nun zumindest vorübergehend Haiders Stellvertreter Gerhard Dörfler. Wer das BZÖ leitet, war vorerst noch unbekannt. Haiders Stellvertreter im Bündnis waren Generalsekretär Stefan Petzner und der frühere Verteidigungsminister Herbert Scheibner.

Haiders Parteifreunde reagierten tief schockiert. In Kärnten sei "die Sonne vom Himmel gefallen", sagte Gerhard Dörfler, der als Landeshauptmann-Stellvertreter vorerst die Geschäfte an der Landesspitze führen wird. "Für uns ist das wie ein Weltuntergang", sagte der geschäftsführende Kärntner BZÖ-Obmann Stefan Petzner, der bei einer am Vormittag eilends einberufenen Pressekonferenz mit tränenerstickter Stimme an Partei und Bevölkerung appellierte, jetzt zusammenzustehen. Wer das BZÖ auf Bundesebene künftig führen wird, ist noch unklar.

 

Petzner: "Sein Erbe weitertragen"

"Wir haben vor wenigen Tagen noch darüber gesprochen, dass wir, wenn die Entwicklung anhält, bei der nächsten Wahl einen Kanzler-Wahlkampf führen könnten. Das bleibt jetzt leider ein Traum", erklärte Petzner am Samstagabend in einer Sonderausgabe der "Zeit im Bild". "Wir werden versuchen, sein Erbe im BZÖ in seinem Sinne weiterzutragen."

Das BZÖ werde "Geschlossenheit zeigen und ohne Zank und Hader in die Zukunft gehen". Für Sonntag wird in Wien eine Sitzung des Parteivorstands einberufen, berichtete der ORF am Samstagabend. Zeit und Ort standen auch am Sonntagvormittag noch nicht fest. Die Medien würden von etwaigen Ergebnissen in Kenntnis gesetzt werden, hieß es.

Doch auch von anderer politischer Seite kamen entsprechende Würdigungen. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, der sich zuletzt mit Haider wieder halbwegs zusammengerauft hatte, zeigte sich geschockt: "Mit seinem Ableben verliert die Republik einen großartigen Politiker." SPÖ-Chef Werner Faymann nannte Haider einen "Ausnahmepolitiker". ÖVP-Obmann Josef Pröll betonte, dass kaum ein anderer die österreichische Innenpolitik in den vergangenen Jahrzehnten derart geprägt habe. Die designierte Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig bezeichnete Haider als eine der prägendsten politischen Figuren in Österreichs Innenpolitik in den letzten Jahrzehnten, die aber auch entschieden polarisiert habe.

Auf diesen Aspekt wies auch Bundespräsident Fischer hin. Gleichzeitig betonte das Staatsoberhaupt, dass Haider ein "Politiker mit großen Begabungen" gewesen, der mit seinem politischen Wirken Begeisterung auslösen habe können. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer unterstrich, dass Haider als langjähriger Landeshauptmann nicht nur die Kärntner Politik entscheidend beeinflusst, sondern auch die gesamte österreichische innenpolitische Landschaft über Jahrzehnte hinweg geprägt habe.

Der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, lange Jahre ein Weggefährte Haiders, stellte entgegen ursprünglicher Ankündigungen eine Wiedervereinigung von FPÖ und BZÖ in Aussicht. Man müsse sich gemeinsam Haiders Vermächtnis überlegen, erklärte Mölzer am Samstag.

Trauergottesdienst am Sonntag

Bei der Trauersitzung der Kärntner Landesregierung würdigten am Samstagnachmittag Diözesanbischof Alois Schwarz und Superintendent Manfred Sauer den verstorbenen Landeshauptmann. Anschließend wurde ein gemeinsames Gebet gesprochen. Danach trugen sich die Regierungsmitglieder in das Kondolenzbuch ein. Das Kärntner BZÖ traf sich am Samstagabend zu einer Trauersitzung. Für Sonntagabend (19.00) wurde ein Trauergottesdienst im Klagenfurter Dom unter Beisein von Schwarz und Sauer angekündigt.

 

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(APA)

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