Haider: Als Lambichl zu „Graceland“ wurde

Kärnten verabschiedet sich am Samstag nicht von einem Landeshauptmann, sondern von einer bewunderten Ikone.

(c) AP (Darko Bandic)

Klagenfurt. In einem der ersten Briefe, die nach Jörg Haiders Tod vor dem Klagenfurter Regierungsgebäude niedergelegt wurden, stand zu lesen: „Du warst unsere Lady Di.“ Dieser Satz drückt in fünf Worten aus, was in diesen Tagen in Kärnten geschieht: Das Land trauert nicht so sehr um einen Landeshauptmann, sondern vielmehr um ein Idol, eine Identifikationsfigur. „Wie soll es nach Haider weitergehen?“, steht nicht nur einmal in den Kondolenzbüchern, die in den Amtsgebäuden aufliegen. Haider hat den Kärntnern offensichtlich Halt gegeben, der jetzt weggebrochen ist.

 

Kerzen am Unfallort

Klagenfurt ist in diesen Tagen zu Memphis/Tennessee geworden, Haiders Unfallort Lambichl zu Graceland. Hier wie dort werden Bilder aufgestellt und Kerzen angezündet. Hier wie dort wird eines Idols gedacht, hier wie dort kann und will man das Ableben eines Angehimmelten nicht zur Kenntnis nehmen. Jörg Haider ist, nicht nur beim letzten Wahlkampf, wie ein Popstar aufgetreten, hat Autogramme geschrieben und auf Schultern geklopft. Da braucht es nicht zu verwundern, dass ihm auch nach seinem Tod wie einem Popstar gehuldigt wird. Jörg war und ist eine Ikone wie Elvis, der Kult um Haider erinnert in diesen Tagen an Presley, von dem viele immer noch hoffen, dass er unsterblich ist. Unsterblich war aber auch Jörg Haider nicht, obwohl ihn viele seiner Bewunderer für unbesiegbar und unverletzlich gehalten haben.

Der Unfallort an der südlichen Klagenfurter Stadtgrenze wird zur Pilgerstätte werden. Schon haben die Anrainer beschlossen, dort, wo Haider seinen letzten Weg beendet hat, eine Gedenkstätte zu errichten. Klagenfurts Bürgermeister hat angekündigt, eine Grünfläche in der Landeshauptstadt in Jörg-Haider-Park umbenennen zu wollen.

Unfassbare 50.000 Trauergäste werden zur Abschiedsfeier am kommenden Samstag erwartet. Gestern hat man den Verlauf des Trauerzuges bei einem Lokalaugenschein festgelegt. Er wird auf Umwegen vom Klagenfurter Landhaus zum Herzen der Landeshauptstadt, dem Neuen Platz, führen. So soll den Kärntnern entlang der Straßen Gelegenheit gegeben werden, von Haider Abschied zu nehmen. Denn der Neue Platz fasst „nur“ rund 10.000 Besucher. Kostenlose Shuttlebusse werden Trauergäste aus allen Landesteilen nach Klagenfurt bringen, die Innenstadt wird für den Individualverkehr gesperrt.

 

Staatsbegräbnis im Zentrum

Die Abschiedsfeier wird den Rahmen eines offiziellen Staatsbegräbnisses haben: Die Militärmusik spielt auf, zahlreiche Abordnungen werden den Sarkophag begleiten. Neben zahlreichen Ehrengästen aus dem In- und Ausland werden Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in Klagenfurt erwartet. Die für Freitag angesetzte Landeshauptleutekonferenz wurde abgesagt. Die Landeschefs, mit dem derzeitigen Vorsitzenden Herbert Sausgruber an der Spitze, wollen ihrem verstorbenen Kollegen die letzte Ehre erweisen.

Haiders Team hatte für die große Abschiedsfeier das Klagenfurter EM-Stadion vorgeschlagen, das heute als bauliches Vermächtnis gilt. Dort hätte man auch mögliche Kundgebungen von Rechtsextremen besser im Griff gehabt. Immerhin werden zu Haiders Abschiedsfeier namhafte Repräsentanten der französischen Front National, des belgischen Vlaams Blok und der italienischen Lega Nord erwartet.

 

Erinnerung an das Jahr 1991

Doch die Familie hat sich aus historischen Gründen für den Neuen Platz entschieden. Denn dort hat auch die Kundgebung der Haider-Fans nach dessen Abwahl als Landeshauptmann im Jahr 1991 stattgefunden.

Die Verabschiedung des Verstorbenen wird an drei Orten stattfinden: im Landhaushof, am Neuen Platz und im Dom. Der Leichnam Haiders soll in Villach eingeäschert werden. Die Beisetzung der Urne wird im engsten Kreis der Familie in einer Kapelle im Bärental stattfinden, das zu Haiders Latifundien gehört.

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ABSCHIED VON HAIDER

An drei Plätzen finden am Samstag die Feierlichkeiten statt: im Landhaushof, am Neuen Platz und im Dom zu Klagenfurt, wo der Grazer Bischof Egon Kapellari das Requiem zelebriert.

50.000 Trauergäste werden erwartet, darunter Kanzler und Bundespräsident sowie zahlreiche Delegationen aus dem Ausland.

Beigesetzt wird Haiders Urne in einer Kapelle (siehe Bild) im Bärental im engsten Familienkreis. [APA/Gindl]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2008)

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