„Klasse Burschen“: Freiheitliche und ihr „Lebensbund“

Was hinter der Burschenschaft „Olympia“ steckt.

WIEN. Sie bekennt sich zur deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft und zum „bewährten Selektionsritual deutscher Studenten“, der Mensur. Mitte der Neunziger sprach sie sich dafür aus, Österreich und Teile Polens mit Deutschland wieder zu vereinigen. 2005 soll sie David Irving eine Plattform gegeben haben – jenem britischen Holocaust-Leugner, der wenig später wegen Wiederbetätigung verurteilt wurde. Den Gründer der verbotenen, weil rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NDP), Norbert Burger, nennt sie ein „hervorragendes“ Mitglied.

Der Kurzsteckbrief der Wiener Burschenschaft „Olympia“ lässt einigermaßen erahnen, was das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) über die Verbindung zu sagen hat, nämlich: „Rechtsextrem.“ Jetzt ist die „Olympia“ in aller Munde, weil der Freiheitliche Martin Graf ins Nationalratspräsidium einziehen soll. Ein Blick auf die Abgeordneten-Liste der FPÖ offenbart, dass Graf keineswegs der einzige Angehörige deutschvölkischer Korporationen mit rechtsextremen Kontakten ist. Laut DÖW-Recherchen sind mindestens 14 von 34 blauen Mandataren einschlägig zuordenbar.

 

Schreiben für „Aula“ und „Völkerfreund“

So ist der Wiener Harald Stefan wie Graf „Olympe“, auch er führt den Titel „Alter Herr“. Parteichef Heinz-Christian Strache gehört nicht der „Olympia“ an, dafür aber der Mittelschulverbindung „Vandalia“. Der Oberösterreicher Lutz Weinzinger schrieb (wie Strache) für die rechtsextreme Zeitschrift „Die Aula“ und ist bei der Wiener Burschenschaft „Bruna Sudetia“ aktiv, wo bisweilen vom „großen Reiche aller Deutschen“ fantasiert wird. Alois Gradauer ist Angehöriger der „Bajuvaria“ Linz, Manfred Haimbuchner beim Corps „Alemannia Wien zu Linz“, Werner Neubauer bei der Linzer „Teutonia“ und, nebenbei, „Aula“-Autor. Der Tiroler Werner Königshofer nennt nicht nur die „Brixia“ seine geistige Heimat. Er schloss sich seinerzeit auch Burgers NDP an, leitete von 1973 bis 1976 die Tiroler Lokalredaktion der, wie das DÖW meint, „neonazistischen“ Zeitschrift „aktuell“ und war im Jahre 1975 Mitorganisator des „Ersten Mitteleuropäischen Jugendkongresses“, der wegen seiner „neonazistischen Ausrichtung“ verboten wurde.

Der Niederösterreicher Walter Rosenkranz wird mit der akademischen Burschenschaft „Libertas“ in Verbindung gebracht. Der Grazer Corps „Vandalia“ zählt den Steirer Wolfgang Zanger zu seinen Mitgliedern. Generalsekretär Harald Vilimsky verfasste, wie das DÖW recherchierte, 1988 einen Artikel in der rechtsextremen Zeitschrift „Der Völkerfreund“. Die Grazerin Susanne Winter hält wenig vom Propheten Mohammed („Kinderschänder“) und publizierte in der „Aula“.

Der Anwalt Peter Fichtenbauer ist Mitglied der „Ferialverbindung deutscher Hochschüler Waldmark“ und stellvertretender Obmann des „Vereins zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny“ – einer Gruppe, die im Andenken an den 1944 verstorbenen „NS-Helden“ alljährlich Trauermärsche zu dessen Grab am Wiener Zentralfriedhof organisiert. Und dann gibt es da noch den Steirer Gerhard Kurzmann, der laut DÖW in der „rechtsextremen“ Organisation „Kameradschaft IV“ aktiv ist. Dahinter verbirgt sich eine Veteranenorganisation ehemaliger Waffen-SSler. Die FPÖ sagt dazu nur: Kurzmann sei dort „sicher nicht mehr dabei“.

Dem Männerbund ade sagen? Niemals. Er werde seinem „Lebensbund“ jedenfalls treu bleiben, hat Graf versichert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2008)

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