Die Macht im Hintergrund

Hinter jedem erfolgreichen Politiker steht ein einflussreicher Ratgeber: Von der „Kronen Zeitung“ bis Raiffeisen – die Netzwerke von Werner Faymann und Josef Pröll.

Von Liesing aus haben sie zwar nicht die Welt, aber das Machtzentrum der Republik Österreich, Sektion Sozialdemokratie, erobert. Anfang der 80er-Jahre hatten sich die Jusos Werner Faymann, Doris Bures und Christian Deutsch von Wiens Peripherie aus auf den Weg gemacht. Nun sind sie angekommen. Deutsch ist Wiener Landesparteisekretär. Bures ist SPÖ-Bundesgeschäftsführerin mit Aussicht auf das Verkehrsministerium. Faymann ist SPÖ-Vorsitzender – und bald Kanzler.

Werner Faymann ist ein begnadeter Netzwerker seit Jugendtagen. Sein größtes Asset: die „Kronen Zeitung“. Sein verstorbener Mentor Helmut Zilk hatte einst den Kontakt zu Hans Dichand hergestellt – es sollte eine langjährige Beziehung zu beiderseitigem Vorteil werden. Wolfgang Fellner kennt Faymann aus jenen Tagen, als der „Österreich“-Herausgeber noch den „Rennbahn Express“ redigierte. Und „Heute“-Geschäftsführer Wolfgang Jansky war viele Jahre sein Pressesprecher, auch er ein Mitglied der alten SJ-Partie.

Nicht ganz so innig ist das Verhältnis zwischen Faymann und Alexander Wrabetz, dem ORF- Generaldirektor. Wichtiger für das Alltagsgeschäft sind am Küniglberg aber ohnehin der Chefredakteur und der ORF2-Infochef, Karl Amon und Stefan Ströbitzer. Beide kennt Faymann aus ihrer Landesstudio-Wien-Zeit. Ihnen könnte ein weiterer Aufstieg bevorstehen.

Denn Faymann schaut auf seine Leute: Kabinettchef Josef Ostermayer – wie sein Dienstherr Mitglied beim „Rotary Club Wien-Stephansplatz“ – wird voraussichtlich Staatssekretär. Zuvor war er unter anderem Geschäftsführer von Wiener Wohnen. In dessen HausbetreungsGmbH ist wiederum Herbert Jansky Geschäftsführer – der Bruder von Wolfgang Jansky. Die frühere Faymann-Sprecherin Claudia Niedermühlbichler wurde in der Asfinag untergebracht, ihr Kollege Thomas Landgraf beim SPÖ-nahen Echo Verlag.

 

Mentor Konrad

Die zentrale Position in Josef Prölls Netzwerk nimmt Raiffeisen ein. „Und es geht auch nicht darüber hinaus“, lautet ein gängiges Bonmot in der ÖVP. Das so aber nicht (mehr) stimmt. In der Tat ist Raiffeisen-Boss Christian Konrad Prölls wichtigster Mentor. Zum Raiffeisen-Reich zählt auch der „Kurier“, der über die Mediaprint mit der „Kronen Zeitung“ verbunden ist. In der „Krone“ wird Pröll zumindest nicht so abschätzig behandelt wie andere ÖVP-Politiker.

Pröll hat sich mittlerweile auch eine gute Basis zu anderen namhaften Managern aufgebaut: zu Casinos-Austria-Chef Karl Stoss, zu Leo Windtner, dem Generaldirektor der oberösterreichischen Energie AG, zu Ottakringer-Boss Sigi Menz und Franz Rauch vom gleichnamigen Fruchtsafterzeuger, zu Börse-Vorstand Heinrich Schaller, zu Magna-CEO Sigi Wolf.

Der Bauernbund ist politische Heimat, Stütze und Personalreservoir für den neuen ÖVP-Obmann. Und Onkel Erwin hält die schützende Hand über den Neffen, auch wenn er ihm vor der Landtagswahl im März 2008 Zurückhaltung auferlegt hat. Der Name Pröll sollte zu jener Zeit nur mit Erwin verbunden werden und schon gar nicht mit Bundespolitik.

Das Fest zu Josef Prölls 40. Geburtstag knapp vor der Nationalratswahl zeigte eindrucksvoll, wie sehr der junge Pröll sein Kontaktverzeichnis erweitert hat. Dort sah man Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer, Böhler-Uddeholm-Boss Claus Raidl, etliche der zuvor genannten Manager, sogar Josef Kalina, der Ex-SPÖ-Geschäftsführer, war gekommen. Dies ist allerdings keine besonders geheimnisvolle Allianz: Kalina ist Prölls Nachbar in Wien-Gersthof.

Als ehemaliger Landwirtschaftskämmerer pflegt Pröll noch immer seine sozialpartnerschaftlichen Bande – selbst zu Arbeiterkammerdirektor Werner Muhm, der aus Sicht der Volkspartei zum Reich des Bösen zählt. Außenpolitisch kann Pröll auf den Rat des tschechischen Außenministers Kari Schwarzenberg zählen. Im ORF ist Informationsdirektor Elmar Oberhauser sein Verbindungsmann, was dieser nun in eigener Sache nützen könnte.

 

Prölls Freundeskreis

An seinem Netz zu knüpfen begann Pröll, als er im Ministerbüro von Wilhelm Molterer tätig war. Zur selben Zeit war auch Markus Beyrer Kabinettsmitarbeiter bei Wolfgang Schüssel. Heute ist er Generalsekretär der Industriellenvereinigung und einer von Prölls wichtigsten Verbindungsleuten in die Welt der Wirtschaft – auch wenn dieser die ÖVP-Politik gelegentlich mit Skepsis kommentiert. Damals, in den schwarzen Kabinetten, hat sich ein Freundschaftskreis gebildet, der sich heute noch regelmäßig trifft: Christoph Stadlhuber, Chef der Bundesimmobiliengesellschaft, Martin Falb, Sektionsleiter im Außenamt, und Werner Wutscher, österreichischer Rewe-Vorstand, sind ebenso mit dabei wie Pröll und Beyrer. Derselbe Beyrer übrigens, der im Jänner 2008 im „trend“ über Werner Faymann gesagt hat: „Er ist ein Profi mit Handschlagqualität.“

 

Von Androsch bis Pöchhacker

Während seines Aufstiegs an die SPÖ-Spitze suchte Werner Faymann den Kontakt zu Wirtschaftsfachleuten. Es gelang ihm, den anfangs skeptischen Hannes Androsch von seinen Qualitäten zu überzeugen. Zu Faymanns bevorzugten Gesprächspartnern zählen auch der frühere Porr-Chef Horst Pöchhacker, den er zum ÖBB- Aufsichtsratsvorsitzenden machte, Wiener-Städtische-Generaldirektor Günter Geyer, Flughafen-Wien-Vorstandssprecher Herbert Kaufmann und Casinos-Austria-Vorstand Dietmar Hoscher.

Faymann, der allzeit sonnige Charmebolzen, hat sich im Laufe der Jahre aber nicht nur Freunde gemacht. Im Wiener Rathaus soll es etliche Genossen geben, die froh sind, ihm nicht mehr täglich über den Weg zu laufen. Gleich zu Beginn seiner Karriere soll Faymann mitgeholfen haben, eine andere zu beenden. SPÖ-Zentralsekretär Heinrich Keller musste zurücktreten, da er Funktionärsentschädigungen von der Mietervereinigung angeblich nicht versteuert hatte. Was sich im Nachhinein als falsch herausstellte, Keller bekam sogar Geld vom Finanzamt zurück. Es war Faymann gewesen, der damals die Gebarung der Mietervereinigung offengelegt hatte.

Als Faymann dann im Frühsommer 2008 zum SPÖ-Vorsitzenden designiert wurde, war Keller unter jenen Dissidenten, die seine Kür auf dem Parteitag zu verhindern versuchten. „Aalglatter als ein Aal“ sei Faymann, befand der Sprecher der Gruppe, der ehemalige Salzburger SPÖ-Chef Wolfgang Radlegger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2008)

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