Kabinettschefs: Parallel-Slalom im Schatten der Mächtigen

Nicole Bayer und Martin Hauer leiten die Büros von Kanzler und Vizekanzler. Ein Doppelporträt.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

WIEN. Es ist ein harter Job, den Nicole Bayer seit zwei Wochen macht. Ihr Büro am Ballhausplatz betritt sie um 6.30 Uhr, meistens bleibt sie bis 22 Uhr, manchmal noch länger. Nur an Samstagen und Sonntagen kommt sie später und geht früher. Ihre Freizeit beschränkt sich auf Stunden, der Chef arbeite ja auch täglich, sagt sie.

Bayer, 37, ist seit zwei Wochen Kabinettschefin von Bundeskanzler Werner Faymann. Sie löste Gerhard Hesse ab, der provisorisch jenes Vakuum füllen sollte, das Josef Ostermayer nach seinem Aufstieg zum Medienstaatssekretär hinterlassen hatte. Den Kanzler habe die Arbeitsgeschwindigkeit der studierten Sprachwissenschaftlerin beeindruckt, erzählen Kollegen. Dass sie seit 15 Jahren SPÖ-Mitglied ist, wird auch kein Nachteil gewesen sein.

Die Wienerin ist, mit Unterbrechungen, seit 1996 im Kanzleramt, zuletzt war sie europapolitische Beraterin von Alfred Gusenbauer. Den direkten Vergleich verweigert Bayer, es handle sich um „zwei völlig unterschiedliche Typen“. Nur so viel sagt sie dann doch: „Faymann hat ein offenes Ohr für die Mitarbeiter.“

Bayer koordiniert die Regierungsarbeit mit den Ministerien, bereitet dem Kanzler Informationen auf, kümmert sich um Personal und Budget. Sie wird als Energiebündel beschrieben, das nichts ohne System mache. „Die Aufgaben erweitern sich stündlich, aber ich packe gern an.“ Das Privatleben hat zwangsläufig Nachrang. Bayer ist Single, kocht und reist gerne. Allein, sie kommt nicht mehr dazu.

Martin Hauer spricht lieber nicht über Privates, eigentlich spricht er gar nicht mit Medien, das sei nämlich nicht seine Aufgabe, lässt er der „Presse“ ausrichten. In der ÖVP kennt man ihn als „extrem ruhigen, akribischen Arbeiter“, der über das verfüge, was gemeinhin als politisches Gespür umschrieben wird.

Seit Donnerstag ist der promovierte Jurist Bayers Konterpart im Büro von Vizekanzler Josef Pröll. Nach Stephan Pernkopfs Wechsel in die niederösterreichische Landesregierung stieg der Vizekabinettschef zum mächtigsten Mann im Pröll'schen Hinterzimmer auf.

Hauer wird beschrieben als einer, der stets um sachliche Argumentation bemüht sei. Doch im Gegensatz zum eher extrovertierten Pernkopf kommt er nicht aus dem Machtgefüge des Bauernbundes. Genau genommen ist er nicht einmal Mitglied in der Volkspartei. Das könnte ein Nachteil sein.

Ideologisch gilt der gebürtige Klosterneuburger als Liberaler mit einer konservativen Wertebasis. Er ist verheiratet und Vater eines acht Monate alten Sohnes, was nicht eben einfach ist in diesem Job. Pröll hat den 32-Jährigen vor einigen Jahren in Brüssel entdeckt und ins Lebensministerium geholt. Denn Hauer war vor, während und nach der österreichischen EU-Präsidentschaft (erstes Halbjahr 2006) bei der Ständigen Vertretung engagiert.

Eine Weggefährtin von damals lobt Hauer über den grünen Klee: „Offen und ehrlich“ sei er, „fachlich ausgezeichnet und konsequent“. Sie habe ihn in gemeinsamen Brüsseler Zeiten kennen und schätzen gelernt. Ihr Name: Nicole Bayer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2009)

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