Klagenfurt: Wo ist die Lichtgestalt?

Bei den Gemeinderatswahlen im März 2015 wählt auch die Landeshauptstadt ein neues Stadtoberhaupt. Die derzeitige Bürgermeisterpartei, die FPÖ, ist zersplittert.

(c) APA (Gert Eggenberger)

Klagenfurt. Wer immer nach der Gemeinderatswahl im März 2015 den Bürgermeistersessel in Klagenfurt erklimmt: Er tritt ein schweres Erbe an. Geplante Großprojekte wie der Bau einer neuen Eishalle oder eines Hallenbades sind seit Jahren in der Warteschleife, die Budgetsituation angespannt und das Wörthersee-Stadion ohne schlüssiges Nutzungskonzept. Offene Baustellen, die dem derzeit amtierenden Bürgermeister Christian Scheider (FPÖ) schwer zu schaffen machen.

Konnte er 2009 vom sogenannten „Jörg-Haider-Gedächtniswahlkampf“ profitieren – die Gemeinderatswahl fand kurz nach dem Unfalltod Haiders statt –, trauen ihm diesmal nur wenige den Wahlsieg zu. Denn mit seinem Vizebürgermeister, Albert Gunzer, bekommt Scheider Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Gunzer, dem seit Langem Ambitionen auf den Bürgermeistersessel nachgesagt werden, zog die Konsequenz, nachdem er sich parteiintern gegen Scheider nicht durchsetzen konnte, und gründete eine Partei, die „Bürgerallianz“.

„Es war ein schwerer strategischer Fehler, auszusteigen und so früh auf das Amt zu verzichten“, meint Gunzers ehemaliger Mitstreiter und nunmehriger Vizebürgermeister, Wolfgang Germ. Er glaubt nicht, dass Gunzer dem Bürgermeister schaden kann: „Er hat zehn Jahre alle Entscheidungen mit gefällt.“ Die FPÖ-interne Unzufriedenheit ist dennoch groß: Sechs Gemeinderäte haben den blauen Klub verlassen.

Mit einem parteifreien Kandidaten will die ÖVP an alte Erfolge anschließen. Immerhin hat sie vor der vergangenen Wahl 36 Jahre durchgehend den Bürgermeister gestellt. Otto Umlauft, 64-jähriger Unternehmer und als Mitglied der „Stadtrichter zu Clagenfurth“ regionaler Faschingsstar, soll bürgerliche Wähler zurückholen. „Die Politikverdrossenheit ist so groß, dass wir mit einem parteifreien Kandidaten ein Signal der Öffnung geben wollten“, erklärt ÖVP-Stadtchef Peter Steinkellner der „Presse“.

 

Grüner Überraschungskandidat

Mit dem „Bonus eines Neuen“ wollen auch die Grünen punkten. Für viele überraschend wurde nicht die erfahrene Stadträtin Andrea Wulz, sondern Landessprecher Frank Frey als Spitzenkandidat nominiert. Die Hoffnungen, dass Frey der erste grüne Bürgermeister in Kärnten werden könnte, werden durch jüngste Ergebnisse genährt. Bei der EU-Wahl überholten die Grünen die FPÖ und kamen hinter der SPÖ auf 19,1 Prozent. „Wir sind guter Dinge, in die Stichwahl zu kommen“, meint Grünen-Sprecherin Barbara Maier.

In allen Umfragen vorn liegt Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ). Bei der Stichwahl 2009 klar Bürgermeister Scheider unterlegen, könnte ihr der Wahlsieg dieses Mal nur durch grobe Eigenfehler zu nehmen sein. Bei der letzten Wahl war die Klagenfurter SPÖ noch von schweren internen Turbulenzen gezeichnet, jetzt herrscht Einigkeit, und man kann auf eine gut organisierte Funktionärsstruktur zurückgreifen.

Während das in Team Kärnten umbenannte Team Stronach mit der Ex-FPÖ-Stadträtin Renate Kanovsky-Wintermann antritt, schicken die Neos Klaus-Jürgen Jandl, Sohn des langjährigen ÖVP-Stadtrates Dieter Jandl, ins Rennen. Stadtchef von Klagenfurt will auch der ehemalige ORF-Direktor Willy Haslitzer für die Partei Die Unabhängigen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2014)

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