Neos: Interne Differenzen bei Rauchverbot

Wirtschaftskammer-Wahl: Die Unos lehnen einen Schutz für Nichtraucher gänzlich ab.

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wien. „Wirklich?“ Gert Kunze reagiert überrascht, als man ihn darauf anspricht, dass seine Mutterpartei, Neos, eine andere Position beim Nichtraucherschutz hat. Der Wiener Spitzenkandidat der Wirtschaftskammerfraktion Unos in der Gastronomie will die Wirte komplett frei darüber walten lassen, ob bei ihnen geraucht werden darf oder nicht. Neos-Chef Matthias Strolz hat sich hingegen für ein generelles Rauchverbot in Lokalen ausgesprochen.

Kunze lehnt auch die momentane Regel, wonach zumindest ein Teil des Lokals bei größeren Gaststätten für Nichtraucher reserviert sein muss, ab. Das sei die schlechteste aller Lösungen, sagt er. Dass Nichtraucher bei Rauchfreiheit in Lokalen ungewollt (etwa, weil sie in einer Gruppe unterwegs sind, in der sich auch Raucher befinden) dem Dunst ausgesetzt werden, glaubt Kunze nicht. „Die Leute können selbst entscheiden, wo sie hingehen. Das ist wie bei der Frage, ob man zum Italiener oder Asiaten geht.“ Und auch der gesundheitliche Schutz des Personals ist für Kunze kein Grund für ein Rauchverbot. „Meine Kellner sind zu 90 Prozent Raucher“, sagt der Lokalbesitzer. Und wer nicht in einem Raucherlokal arbeiten wolle, könne ja in einem Nichtraucherlokal nach einer Stelle suchen.

 

Gegen Anlassgesetzgebung

Überhaupt dürfe es keine Anlassgesetzgebung für ein Rauchverbot geben, weil nun ein Journalist an Lungenkrebs gestorben sei, meint der Gastronom. Der Krebstod des Aufdeckerjournalisten und langjährigen Rauchers Kurt Kuch hatte die Debatte um den Nichtraucherschutz neu entfacht. Der im Alter von 42 Jahren verstorbene Journalist hatte in seinen letzten Lebensmonaten öffentlichkeitswirksam vor den Folgen des blauen Dunsts gewarnt.

Kunze selbst ist „Gelegenheitsraucher“, führt aber ein Nichtraucherlokal. Umsatzeinbußen habe er dadurch keine gehabt, sagt er. Trotzdem müsse man das Rauchen in der Gastronomie erlauben. Ein Lokal sei ja keine öffentliche Einrichtung wie ein Krankenhaus, argumentiert Kunze.
Neben dem Raucherthema will sich Kunze dafür einsetzen, dass Schanigärten längere Zeit im Jahr offen sein dürfen. Einige Wiener Bezirke seien da zu restriktiv. (aich)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2015)

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