Strache: "Nicht Russland ist Aggressor der letzten Jahrzehnte"

Der FPÖ-Chef warnt vor einem "Dritten Weltkrieg". Die "Heilige Allianz" von 1815 könnte ein Vorbild für eine europäische Friedensarchitektur sein.

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FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache – APA/HERBERT PFARRHOFER

Bei einem „Jour fixe" der Österreich-Russischen-Freundschaftsgesellschaft am Montagabend in Wien Hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache scharfe Kritik an den Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland geübt. Es gäbe Berechnungen, „wonach unsere österreichische Wirtschaft im Jahr mindestens eine Milliarde Euro Schaden erleidet“. Nicht zu vergessen seien die Auswirkungen durch russische Gegensanktionen für Handel, Tourismus und Landwirtschaft. Durch das Mitgehen im „Sanktionseinklang" habe Österreich auch zu einem gewissen Grad das Vertrauen in die Neutralität verspielt.

Als eines der Grundprobleme der Europäische Union wertete der FPÖ-Obmann, dass eine überwiegende Anzahl der Mitgliedstaaten Teil der Nato seien und die Union daher geostrategisch nicht unabhängig von Nato- und US-Interessen geführt werde: „Nicht Russland ist der Aggressor der letzten Jahrzehnte, der seinen militärischen Einflussbereich in Richtung Grenze der Europäischen Union geführt hat", betonte Strache. Es sei eher umgekehrt, die Nato habe sich mit der EU in Richtung der russischen Grenze ausgedehnt.

Geheimdienste am Maidan

Während Strache jede explizite Kritik an Russlands Politik unterließ, hinsichtlich der Krim lediglich von einer „schwierigen Causa" sprach und historische Rechtfertigungen für die russische Annexion der Halbinsel referierte, wurde er in Bezug auf die Ukraine deutlicher: Am Maidan hätten Geheimdienste eine Rolle gespielt, in der Ukraine seien ausländische Nichtregierungsorganisationen finanziert worden, der Machtwechsel in Kiew sei verfassungswidrig gewesen und die neuen Machthaber hätten deutlich gemacht, die russische Minderheit in der Ost- und Südukraine nicht zu wünschen.

Deutliche Zweifel äußerte der Freiheitliche daran, dass Russland in den Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ostukraine im vergangenen Sommer involviert sein könnte: Denn „höchste CIA-Kreise" würden laut Strache bestätigen, dass es die Russen mit Sicherheit nicht gewesen wären.

Warnung vor „Drittem Weltkrieg“

„Wir wollen keinen Flächenbrand und auf gar keinen Fall einen Dritten Weltkrieg, der meines Erachtens leider Gottes möglich sein kann, wenn man sich ansieht wie bewusst Öl ins Feuer gegossen wird", warnte der FPÖ-Parteichef. Ohne Namen anzuführen sprach er von "Falken in der amerikanischen Regierung" und von „manchen Strategen", die derzeit sogar über Atomkriege und den Einsatz von Atomwaffenarsenalen nachdenken würden.

Als Vorbild für eine europäische Friedensarchitektur nannte Strache die "Heilige Allianz" (1815 geschlossenes Bündnis von Preußen, Österreich und Russland, Anm.), die seinerzeit zu einem nachhaltigen und längerem Frieden geführt habe: "Das war aber nicht im Interesse Englands und Amerikas und daher wurde auch eine Erstarkung Kontinentaleuropas immer wieder bewusst gestört."

Deutlich kämpferische Töne als Strache in Bezug auf die USA schlug am Montagabend Gastgeber Ludwig Scharinger an: "Wir müssen die Amerikaner wissen lassen, dass sie uns in Europa nicht auseinandertreiben können und sie uns nicht ständig gegen Russland aufhetzen sollen", sagte der ehemalige Vorstand der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und nunmehrige Präsident der Österreich-Russischen-Freundschaftsgesellschaft.

(APA)

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