Ebensee: Eklat bei KZ-Gedenkfeier

7000 Personen aus 42 Ländern nahmen an der Gedenkfeier im Konzentrationslager Mauthausen teil, darunter viele ehemalige Häftlinge. Bei einer Veranstaltung in Ebensee waren "Sieg Heil"-Rufe zu hören.

Gedenken im Mauthausen
Gedenken im Mauthausen
(c) AP (RUBRA)

Linz (APA/red.). Zu einem Eklat kam es am Samstag bei einer Gedenkfeier im ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslager Ebensee (ein Nebenlager von Mauthausen): Eine Gruppe schwarz gekleideter und vermummter Personen sei aufgetaucht und habe mit Hitlergruß und „Sieg Heil“-Rufen provoziert, berichtet der Vorsitzende des Mauthausen Komitees, Willi Mernyi. Außerdem habe die Gruppe ein Maschinengewehr oder die Attrappe eines Maschinengewehrs bei sich gehabt. Der oberösterreichische Sicherheitsdirektor Alois Lißl bestätigte den Zwischenfall. Es werde ermittelt.

 

Religiöser Widerstand

Ruhig verlief dagegen am Sonntag die Gedenkfeier im Konzentrationslager Mauthausen. 7000 Personen aus 42 Ländern nahmen daran teil, darunter viele ehemalige Häftlinge. Die diesjährige Gedenkfeier zur Befreiung des Lagers stand im Zeichen des religiös motivierten Widerstandes gegen das Naziregime. Repräsentanten von Kirchen und Religionsgemeinschaften haben zusammen mit Vertretern der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen und des Mauthausen Komitees Österreich einen gemeinsamen Appell mit der Aufforderung veröffentlicht, vehement gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Intoleranz und Diskriminierung aufzutreten.

Weiters appellierten sie an die Sozialpartner, verstärkt für Gleichberechtigung und Antidiskriminierung einzutreten, um eine Arbeitswelt des Miteinanders zu gestalten, und an die Kirchen und Religionsgemeinschaften, um für ein Klima des Verständnisses und der Toleranz zu sorgen. Zuletzt wandten sie sich an alle „Menschen mit Zivilcourage, ewig gestrigen Stammtischparolen und demagogischen Hetzern mutig entgegenzutreten“. Unter den Besuchern der Feier war auch Bundespräsident Heinz Fischer.

AUF EINEN BLICK

Mauthausen war in der NS-Zeit das größte Konzentrationslager auf österreichischem Gebiet. 200.000 Menschen wurden aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen oder als Kriegsgefangene dorthin deportiert. Die Hälfte der Häftlinge starb in Folge der unmenschlichen Bedingungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2009)

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