Linz: Dauerleiden um Medizin-Uni

Frühestens 2013 könnte neue Fakultät entstehen, es krankt wieder am Geld, die Kosten für die neue Fakultät würden 300 Millionen Euro betragen. Auch der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch will das Projekt reanimieren.

(c) JKU Linz.

Linz. Das Siechtum dauert nun schon lange an. Genau 110 Jahre ist es her, dass Oberösterreich in Person des damaligen Linzer Bürgermeisters Franz Poche in Wien anklopfte, um eine medizinische Fakultät bewilligt zu bekommen. Poche stellte einen Betrag von 25.000 Gulden als „Kaiser-Jubiläums-Spende“ für die Errichtung in Aussicht – und blitzte ab: 25.000 Gulden seien eine Bagatelle, Linz habe keine Ahnung, hieß es.

Viel hat sich seither nicht geändert, Oberösterreich klopft noch immer. Nach der Abfuhr durch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) zu Jahresbeginn scheint die Möglichkeit einer Medizin-Uni in Linz neuerlich in weite Ferne gerückt: Es krankt wieder am Geld, die Kosten für die neue Fakultät würden 300 Millionen Euro betragen.

„Ich kenne die Grundlagen dieser Berechnung nicht“, erklärt Franz Aichner von der Medizinischen Gesellschaft Oberösterreich der „Presse“: „Unsere Kalkulationen gehen von vergleichbaren Universitäten in Europa und einer Größe von 100 bis 300 Studenten pro Jahr aus. Wir glauben, dass das etwa 40 Millionen Euro kosten würde.“

Den großen Unterschied erklärt Aichner damit, dass an den Standorten Wien, Innsbruck und Graz auch die Patientenversorgung durch die Unis mitfinanziert werde. „Dieser klinische Mehraufwand würde hier ausbleiben; es geht uns in Linz nur um Forschung und Lehre.“

In Oberösterreich verschärft man nun die Gangart: Mit einer Machbarkeitsstudie, die bis Ende Juni die Streitfragen klären soll, möchte eine Lobby aus regionaler Politik und Ärztekammer Druck machen. Mit der „Proponentengruppe“, die Lobbying betreiben soll, hat sich die geschlossene Front aus Land Oberösterreich, Stadt Linz, Ärztekammer und der Medizinischen Gesellschaft neu formiert. Während der ersten öffentlichen Präsentation der Lobbying-Gesellschaft verwies Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) auf das im Regierungsprogramm verankerte Ziel, bis zum Studienjahr 2015 österreichweit die Zahl von insgesamt 2000 Studienanfängern zu erreichen, was ohne vierten Standort (neben Wien, Graz und Innsbruck) nicht möglich sei.

Auch der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) will das Projekt seines Amtsvorgängers von 1899, Franz Poche, trotz ungewisser Erfolgsaussichten reanimieren. Ein mögliches zukünftiges Areal gäbe es schon in Linz: Die alte, denkmalgeschützte Tabakfabrik hat die Stadt bereits angekauft. Mindestens noch vier bis fünf Jahre werde es dauern, schätzt Aichner, bis Altbürgermeister Poches erstes Klopfen vielleicht doch auf Gehör stoßen könnte: „Am Ende bleibt es doch eine höchst politische Entscheidung.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2009)

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