Griss nicht die einzige Parteifreie

Von der „Millionenshow“-Gewinnerin bis zum Arzt, der keine Flüchtlinge behandeln will: Zehn weitere Bewerber sammeln Unterschriften für eine Kandidatur.

Griss
Griss
(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)

Wien. Elfriede El Awadalla, die einstige „Millionenshow“-Gewinnerin, gab gestern in einer Pressekonferenz und via Internetvideo ihre Kandidatur für die Hofburg bekannt. Die Autorin tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ein, außerdem „für Soziales, Neutralität und Frieden sowie gegen Waffenhandel und gegen rechts auf allen Ebenen“. Das Gegenkonzept zur aktuellen Entwicklung sieht sie in der Solidarität, dies müsse in einem reichen Land wie Österreich möglich sein. Als Bundespräsidentin, so Awadalla, wolle sie „auch einmal einen Poetry Slam oder die Ausstellung eines Hobbykünstlers eröffnen, nicht nur etwa die Salzburger Festspiele.“

Elfriede Awadalla ist nicht die Einzige, die von keiner Parlamentspartei unterstützt wird und dennoch in die Hofburg möchte. Die ehemalige OGH-Präsidentin Irmgard Griss hat hier zweifellos die besten Chancen – auch was das Sammeln der nötigen 6000 Unterstützungserklärungen betrifft, um überhaupt auf dem Stimmzettel zu stehen.

Am Donnerstag hat Robert Marschall seine Kandidatur verkündet. Der Herausgeber des Wiener Stadtmagazins wien-konkret.at ist seit 2011 Chef der EU-Austrittspartei. Die von ihm angeführte Liste EU-Stop holte bei der EU-Wahl 2014 mit 2,76 Prozent das beste Ergebnis unter den Kleinparteien. Bei der Nationalratswahl 2013 bekam EU-Aus nur in Vorarlberg genug Unterschriften für eine Kandidatur zusammen. Bei der Wien-Wahl im vorigen Oktober kandidierte EU-Aus fast überall für die Bezirksvertretungen und erhielt 0,38 Prozent.

Ebenfalls Erfahrung mit dem Unterschriftensammeln hat der pensionierte Richter Martin Wabl. Heuer nimmt er einen vierten Anlauf, gemeinsam mit den Mutbürgern.

Weiters versuchen es laut Onlineportal neuwal.com: der in Wien lebende Autor, Wirtschaftswissenschaftler, Journalist und Künstler Adrien Luxemburg, der frühere Hochseekapitän, Unternehmensberater und Menschenrechtsaktivist Gustav Jobstmann aus Niederösterreich, der laut eigener Homepage arbeits- und parteilose Steirer Gernot Pointner, Georg Zakrajsek, der Generalsekretär der Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich, der umstrittene Wiener Arzt Thomas Unden, der sich weigert, Flüchtlinge zu behandeln, die steirische Energetikerin und Kosmologin Karin Kolland sowie Thomas Reitmayer vom Österreich-Ableger der deutschen Satiretruppe Die Partei.

Die 6000 Unterstützungserklärungen müssen bis Freitag, 18. März, eingereicht werden. Dazu müssen die Wahlberechtigten ab 23. Februar persönlich zum Gemeindeamt gehen, um zu bestätigen, dass sie in der Wählerevidenz stehen.

 

Bizarres Lugner-Video

Einen bizarren Auftritt im Internet legte gestern Richard Lugner hin. Der Baumeister bewarb sich gemeinsam mit Ehefrau Cathy für die Bundespräsidentenwahl, rechnete mit seinen – möglichen – Kontrahenten ab und richtete den Zusehern via YouTube aus: „Österreich braucht gerade jetzt einen Baumeister aus dem Volk und keinen pensionierten Doktor als Bundespräsidenten.“ Auf Nachfrage der Austria Presse Agentur meinte Lugner jedoch dann: Sein Antreten sei noch nicht fix. Er wolle das von den Umfragen abhängig machen. (red./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2016)

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