1970/80er: Wer die Pensionslast schultern muss

Eine Studie zeigt die "gewaltige Schieflage" zwischen den Generationen. Frauen, die von 1972 bis 1986 geboren wurden, sind besonders betroffen. Die Industrie warnt vor einer neuen Bürde für Jüngere.

Wien. Sie kommen bereits in Form niedriger Pensionen zum Handkuss. Künftig könnten Frauen und Männer im mittleren und jüngeren Alter dann die prognostizierten höheren Pensionsausgaben schultern müssen. Für den Leiter des Eco-Austria-Instituts, Ulrich Schuh, gibt es bei der Aufteilung der Pensionslasten zwischen den Generationen eine „gewaltige Schieflage“. Konkret sind davon bei den Frauen besonders die Jahrgänge ab 1972 bis 1986 betroffen, bei den Männern die Jahrgänge von 1975 bis 1985. Denn bei diesen fällt die Pension als Folge bisheriger Reformen viel niedriger aus.

Es dürfe jetzt nicht so sein, dass statt einer „nachhaltigen, fairen Pensionsreform“ auch die Bewältigung der drohenden Finanzierungsprobleme „auf den Rücken der Jungen kommt“, betont die Vorsitzende der Jungen Industrie, Therese Niss.

Deutlich weniger Pension

Eine Studie von Eco Austria widmete sich der Frage, wie es mit der Fairness des Pensionssystems ausschaut. Die Ergebnisse sind besonders für Menschen, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts geboren wurden, ernüchternd. Berechnet wurde als Beispiel die Alterspension einer Frau mit 62 Jahren, einer Angestellten mit mittlerem Einkommen. Je nach Jahrgang ab 1952 fällt die Pension unterschiedlich aus. Sie sinkt aber von knapp 1400 Euro brutto im Monat auf 854 Euro – und damit sogar unter das Niveau der Mindestpension (Details siehe Grafik).

Besonders bei Frauen, die von 1972 bis 1986 geboren wurden, kommen zwei Änderungen zum Tragen: die schrittweise Ausweitung des Berechnungszeitraums auf 40 Jahre, was die Pension senkt, und das höhere Frauenpensionsalter ab 2024. Anders ist es bei den notwendigen Zuschüssen zur Pension aus dem Budget. Dieser Betrag sinkt im Beispiel von insgesamt 190.000 Euro auf 73.500 Euro für eine 1974 geborene Frau.

Bei den Männer ergibt die Berechnung einer Alterspension mit 65 Jahren bei einem mittlerem Einkommen ebenfalls ein Sinken des Leistungsniveaus – von knapp 1800 auf 1300 Euro brutto im Monat. „Ein ganz schöner Brocken“, so Schuh. Seine generelle Schlussfolgerung lautet: „Die Gefahr ist, dass man die Belastung einzelner Jahrgänge überstrapaziert.“ Der Zuschussbedarf aus dem Budget würde von 145.000 auf 92.000 Euro sinken, am niedrigsten wäre er für bei Männer des Jahrgangs 1984.

„Alles im Blindflug“

Noch viel nachteiligere Folgen für Jüngere hätte die – von der ÖVP inzwischen rasch wieder schubladisierte – Idee von Finanzminister Hans Jörg Schelling, die seit 2014 auf dem Pensionskonto angesparten Beiträge nicht mehr mit der Beitragsgrundlage zur Pensionsversicherung, sondern mit der niedrigen Inflationsrate zu valorisieren. Damit würde die Pension langfristig de facto halbiert.

Für Wirtschaftsforscher Schuh sind die Studienergebnisse der Beleg, dass sich die Politik die Verteilungsfolgen der Pensionsreformen zwischen den Generationen anschauen sollte. Denn offensichtlich sei bisher diesbezüglich „alles im Blindflug“ geschehen. Bei Frauen wie Männern würde übrigens der Zuschuss zur Pension für Jahrgänge ab dem Ende der 1980er-Jahre dann wieder leicht steigen: Bei dieser Generation kommt zwar die Senkung durch frühere Pensionsreformen zum Tragen, die steigende Lebenserwartung erhöht aber die Kosten.

Als Alternative schlägt er ebenso wie die Chefin der Jungen Industrie die Umstellung auf ein beitragsorientiertes Pensionssystem (vereinfacht ohne Zuschüsse aus dem Budget) vor. Rein rechnerisch würde das im Schnitt eine zwar noch niedrigere Pensionen ergeben, allerdings wäre der Unterschied zwischen Älteren und Jüngeren geringer. Das würde umgekehrt bedeuten, dass Älter mehr zum Handkuss kämen. Niss räumt freilich ein, dass eine derartige Änderung kurzfristig „unrealistisch“ sei.

Sie ist ohnehin schon jetzt „desillusioniert“, weil auch andere Punkte wie ein früheres Anheben des Frauenpensionsalters vor 2024 oder ein Nachhaltigskeitsfaktor, mit dem das Pensionsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt wird, beim Pensionsgipfel am 29. Februar nicht umgesetzt werden dürften. Den Grund sieht sie im Wahlkampf um das Bundespräsidentenamt. Daher sei jetzt „nicht der richtige Zeitpunkt“ für eine nachhaltige Reform.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2016)

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