Stichwahl Van der Bellen vs. Hofer?

Umfrage. Käme Irmgard Griss in die Stichwahl, könnte sie dort alle Konkurrenten besiegen. Für Andreas Khol sieht es eher düster aus. Die ÖVP verweist aber auf eigene – bessere – Umfragedaten.

APA/Grafik: Gregor Käfer

Seit gestern ist die Liste fix. Drei Doctores, zwei Ingenieure und ein Titelloser werden auf dem Stimmzettel zur Bundespräsidentenwahl 2016 stehen – und zwar in dieser alphabetischen Reihenfolge: Dr. Irmgard Griss, Ing. Norbert Hofer, Rudolf Hundstorfer, Dr. Andreas Khol, Ing. Richard Lugner, Dr. Alexander Van der Bellen.

Und wie es derzeit aussieht, deutet einiges auf eine Stichwahl Alexander Van der Bellen gegen Norbert Hofer hin. In einer der „Presse“ vorliegenden OGM-Umfrage im Auftrag des Teams von Irmgard Griss, liegt der ehemalige Grünen-Chef mit 26 Prozent in Führung, gefolgt vom Kandidaten der Freiheitlichen mit 22 Prozent.
Eine Links-rechts-Polarisierung ohne die traditionellen Großparteien. Eine sanfte freilich: Denn die Freiheitlichen und Grünen haben ihre beiden moderatesten Exponenten aufgestellt, um Wähler der politischen Mitte zu erreichen und so mehrheitsfähig zu werden.
Die Unabhängige Irmgard Griss käme laut dieser Umfrage auf 20 Prozent, SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer auf 19 Prozent. Der von der ÖVP nominierte Andreas Khol liegt mit zehn Prozent abgeschlagen zurück. Drei Prozent entfielen auf andere. Richard Lugner wurde noch nicht abgefragt.

Das Sample dieser Umfrage ist mit 1019 repräsentativ ausgewählten Bürgern aussagekräftiger als andere bisher veröffentlichte Umfragen. Die Schwankungsbreite liegt bei 3,1 Prozentpunkten.

66 Prozent der von den Meinungsforschern Befragten sind sich sicher, dass sie zur Bundespräsidentenwahl gehen werden. Und zieht man nur diese Gruppe der sicheren Wähler heran, dann liegt Alexander Van der Bellen noch deutlicher voran: Er kommt hierbei auf 29 Prozent. Norbert Hofer auf 21, Irmgard Griss auf 19, Rudolf Hundstorfer auf 17, Andreas Khol auf elf, andere auf drei Prozent.

Khol beliebteste zweite Wahl

Für den ÖVP-Kandidaten, Andreas Khol, sind diese Werte verheerend. Es gibt allerdings einen Hoffnungsschimmer – neben dem Umstand, dass die ÖVP mit über 40.000 die meisten Unterstützungserklärungen aller Kandidaten gesammelt hat: Nach ihrer „zweiten Wahl“ gefragt, geben 20 Prozent der Teilnehmer der OGM-Umfrage an, dies wäre für sie Andreas Khol. Irmgard Griss kommt hier auf 18 Prozent, Norbert Hofer auf 17 Prozent, Rudolf Hundstorfer auf 13 Prozent. Auf dem letzten Platz liegt Alexander Van der Bellen mit zwölf. Man wählt „den Professor“ sozusagen ganz oder gar nicht.
Ebenfalls ein bemerkenswerter Teilaspekt: Würde es Irmgard Griss, die heute ihre Plakatkampagne präsentiert, in die Stichwahl schaffen, dann würde sie dort alle anderen Kontrahenten besiegen. Griss gegen Hofer würde die ehemalige OGH-Präsidentin mit 52 zu 26 Prozent für sich entscheiden – der Rest ist noch unentschlossen. Griss gegen Hundstorfer würde 48 zu 30 ausgehen. Griss gegen Khol 52 zu 20. Und selbst gegen Van der Bellen würde Griss mit 45 zu 33 Prozent gewinnen. Die Unentschlossenen, wie gesagt, noch nicht miteingerechnet.

ÖVP: Khol bei 20 Prozent

ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald zweifelt die OGM-Umfrage – vor allem die schlechten Werte für Andreas Khol – an. Und legt eine aktuelle Umfrage von GfK Austria im Auftrag der ÖVP – Sample 1800 – vor: Dieser zufolge liegt ebenfalls Van der Bellen deutlich voran – mit 25 Prozent. Es folgen Andreas Khol und Rudolf Hundstorfer mit je 20 Prozent. Griss kommt auf 19 Prozent, Hofer auf 17.


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( Print-Ausgabe, 24.03.2016)

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