Muna Duzdar: Faymann-Kritikerin sitzt nun im Kanzleramt

Mit Muna Duzdar wird eine linke Rechtsanwältin Staatssekretärin. Und der Nahostkonflikt ist Thema in der Innenpolitik.

Muna Duzdar
Muna Duzdar
Muna Duzdar – APA/PARLAMENTSDIREKTION/WILKE

Die französische Parti socialiste (PS), erinnerte sich Muna Duzdar vor Jahren in einem „Presse“-Gespräch an ihre Zeit in Frankreich, ticke mentalitätsmäßig so ganz anders als die SPÖ: Sie sei keine Partei der Arbeiterschaft, sondern eine des Mittelstands, der Lehrer, der Beamten, der Intellektuellen. Und wesentlich elitärer als die SPÖ.

Mittlerweile hat sich die SPÖ der französischen Schwesterpartei deutlich angenähert. Das war nicht zuletzt nach der Wien-Wahl im Herbst augenscheinlich: Die Arbeiterschaft feierte im FPÖ-Zelt. Im SPÖ-Zelt feierte die Mittelschicht, Lehrer, Beamte, Intellektuelle.

Das ist heute auch die Welt der Muna Duzdar: Rechtsanwältin, Politikerin, Flüchtlingsaktivistin, Präsidentin der Palästinensisch-Österreichischen Gesellschaft. Aufgrund letzterer Funktion wird ihr wohl noch ein rauerer Wind entgegenwehen.

Als die palästinensische Ex-Terroristin Leila Khaled vor einigen Wochen in Österreich war, war die Aufregung groß. In der Tageszeitung „Österreich“ sagte Khaled, sie sei zu diesem Besuch von der Palästinensisch-Österreichischen Gesellschaft eingeladen worden. Präsidentin: Muna Duzdar. Diese dementiert allerdings, die frühere Terroristin eingeladen zu haben. Der Zeitung sei ein Übersetzungsfehler unterlaufen, sie und ihre Freundschaftsgesellschaft hätten damit nichts zu tun.

 

Faymann-treue Donaustadt

Muna Duzdar gehört – wiewohl aus dem bis zuletzt Faymann-treuen Bezirk Donaustadt stammend – zum linken Flügel der Wiener SPÖ. Und sie leistete auch ihren Beitrag zum Sturz des SPÖ-Kanzlers – vor und hinter den Kulissen. Auf Facebook rechnete sie noch vor dem 1. Mai mit dem SPÖ-Vorsitzenden ab: „Also, die jahrzehntelange Inseratenpolitik von Werner Faymann hat sich wirklich bezahlt gemacht, die gekaufte ,Österreich‘ und ,Kronen Zeitung‘ verdrehen alles so, dass einem richtig übel wird.“ Und weiter: „Nur die wenigsten möchten weiterhin Werner Faymann als Parteivorsitzenden [. . .]. Und im Übrigen könnt ihr mein Posting speichern, scannen, in irgendeine Liste des Bösen aufnehmen.“ Letzteres war auf die bisherige SPÖ-Führung gemünzt.

Muna Duzdar wuchs als Kind palästinensischer Eltern in Wien auf. Zuhause wurde Arabisch gesprochen. Duzdar ist nicht religiöse Muslima. Politisch dockte sie bei der SPÖ an. Zum einen wegen Bruno Kreisky, der in der palästinensischen Community nach wie vor hohes Ansehen genießt. Zum anderen, weil sie sich als „Ausländerkind“ in der SPÖ am ehesten akzeptiert fühlte.

 

In Brüssel und Paris

Muna Duzdar (37) war dann Internationale Sekretärin der Sozialistischen Jugend und Vizepräsidentin der Sozialistischen Jugendinternationale. Sie engagierte sich in der Mietervereinigung und arbeitete in Brüssel für den damaligen EU-Mandatar Herbert Bösch. In Paris studierte sie an der Sorbonne Rechtswissenschaften und unterrichtete nebenher in einer Schule in Clichy-sous-Bois, der eher übel beleumundeten Banlieue. Und war eben auch in der PS aktiv.

In Österreich war Duzdar zuerst Bezirksrätin in der Donaustadt, dann Bundesrätin, zum Schluss Abgeordnete zum Wiener Landtag. Nun wird die Migrantin zweiter Generation Staatssekretärin im Kanzleramt. Und in dieser Funktion wohl auch bewusst gegen Sebastian Kurz, den Integrationsminister, positioniert, der Christian Kern früher oder später als ÖVP-Chef gegenüberstehen könnte.

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