OECD empfiehlt größere Schulklassen

In das österreichische Schulsystem fließe genügend Geld – aber an die falschen Stellen. Kleine Klassen und Schulen seien nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein Qualitätsproblem.

OECD-RESSOURCENBERICHT: HAMMERSCHMID / SCHLEICHER
OECD-RESSOURCENBERICHT: HAMMERSCHMID / SCHLEICHER
(c) APA/HERBERT NEUBAUER

Wien. Es ist eine lange Liste an Verbesserungsvorschlägen für das heimische Schulsystem, die der neuen Bildungsministerin, Sonja Hammerschmid (SPÖ), nur rund drei Wochen nach ihrem Amtsantritt von der OECD vorgelegt wurde. Die Studie zur Bildungsfinanzierung räumt mit dem Vorwurf, dass Österreichs Bildungsressort unterdotiert ist, auf. Es gebe „keine Ressourcenknappheit“, sondern lediglich einen ineffizienten Einsatz des Geldes.

Österreich wendet 4,9 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung auf. Das ist etwas weniger als der OECD-Schnitt von 5,3 Prozent. Die Ausgaben pro Schüler liegen aber kaufkraftbereinigt um rund 30 Prozent über dem Schnitt. Ein teures System – bei dem es laut OECD vor allem an der Schulstruktur bzw. der Schulverwaltung hakt. Ein Überblick über die wichtigsten empfohlenen Reformen.

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Keine Bundes- und Landeslehrer. Die Kritik an der Trennung zwischen Bundes- und Landesschulen sowie zwischen Bundes- und Landeslehrern ist groß. Das System führe zu Doppelgleisigkeiten und Intransparenz. Wie viel Geld hier versickert, konnte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher nicht beziffern. Nur so viel: „Es ist offensichtlich teuer.“ Er plädiert für einen einheitlichen Arbeitgeber aller Lehrer. „Dabei ist zweitrangig, ob Bund oder Länder die Verantwortung übernehmen.“ Wichtig sei nämlich vor allem, dass Finanzierungs- und Ausgabenkompetenz nicht auseinanderklaffen.


Größere Schulen. Im internationalen Vergleich sind die Schulen in Österreich klein. Das liegt vor allem an den Kleinschulen im ländlichen Raum, die trotz hoher Kosten nicht geschlossen werden. Die OECD hält das für falsch. „Da geht es nicht nur um Kosteneinsparung, sondern auch um die Qualität“, sagt Schleicher. Schulen brauchten eine „kritische Masse“ – also eine bestimmte Mindestgröße. Denn an kleinen Schulen sei es schwer, ein Umfeld zu schaffen, in dem Lehrer voneinander lernen und sich austauschen können. Bildungsministerin Hammerschmid spricht zwar nicht von einer Schließung von Kleinstschulen, kann sich aber vorstellen, dass Schulen zunehmend in Verbünde zusammengeschlossen werden. Eine gemeinsame Verwaltung könnte die Effizienz steigern. „Da ist viel möglich“, so die Ministerin.


Größere Klassen. Auch die Klassen sind in Österreich vergleichsweise klein (siehe Grafik). Freilich hängt das mitunter mit den kleinen Schulen zusammen, in denen die Klassen nicht voll sind – aber nicht nur. Die für Pflichtschulen verankerte Klassenschülerhöchstzahl von 25 ist im internationalen Vergleich gering und spielt ebenso eine Rolle. „Was für die Schulgröße gilt, gilt auch für die Klassengröße“, heißt es im Bericht. Soll heißen, dass der Preis kleiner Klassen ein hoher ist und deren Vorteil aufwiegt. Man leiste sich kleine Klassen und müsse deswegen anderswo sparen – etwa beim Unterstützungspersonal. Deshalb würden Lehrer häufig für administrative Tätigkeiten eingesetzt. • Lehrberuf attraktivieren. Der Lehrerberuf müsse attraktiver werden. Dazu brauche es neue Karrieremodelle für Lehrer und ein neues Berufsverständnis. Soll heißen, dass Lehrer bei der Gestaltung und der Weiterentwicklung der eigenen Profession vermehrt miteinbezogen werden sollten und eine eigene Berufsorganisation für Lehrer gegründet werden sollte. Eine Rüge gibt es dabei für die Lehrergewerkschaft. Die habe sich darum bislang nämlich nicht gekümmert, sondern nur darauf geachtet, dass die Stundenzahlen nicht zu hoch werden und die Bezahlung stimmt.
Neue Lehrerarbeitszeit. Apropos Stundenzahl: Die OECD empfiehlt, von einer Bemessung nach Unterrichtsstunden abzugehen und ein Gesamtarbeitszeitmodell mit bis zu 40 Stunden inklusive Vor- und Nachbereitungszeit einzuführen.


Direktoren als Manager. Direktoren sollten Schulen managen und sich mehr um die pädagogischen Entwicklungen kümmern. Wichtig sei dabei mehr Autonomie.


Gesamt- und Ganztagsschule. Einmal mehr sprach sich die OECD – zur Freude der Bildungsministerin – für die Einführung einer Ganztags- sowie einer Gesamtschule aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2016)

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