Rabmer-Koller: „Es herrscht wenig Wille zur Umsetzung“

Hauptverbandschefin Ulrike Rabmer-Koller geht es bei Reformen und Effizienzsteigerungen – auch im eigenen Haus – zu langsam.

Ulrike Rabmer-Koller
Ulrike Rabmer-Koller
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Alpbach. Neun Monate ist es her, dass Ulrike Rabmer-Koller an der Spitze des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger Peter McDonald nachfolgte. Ihr „erster“ Eindruck? „Mir war bewusst, dass es viele Player, also viele verschiedene Interessenslagen gibt“, sagt sie. „Und mir war auch bewusst, dass gewisse Änderungen längere Zeit in Anspruch nehmen.“ Trotzdem folgte rasch die Ernüchterung und Rabmer-Koller musste erkennen: „Es herrscht wenig gemeinsamer Umsetzungswille.“

Rabmer-Koller urgiert also die Umsetzung der Gesundheitsreform. Wohlgemerkt: einer Reform, die bereits 2013 beschlossen wurde. „Es muss allen bewusst werden“, sagt sie, „dass wir mehr Effizienz im Gesundheitssystem brauchen.“ Doch es gebe „keine einheitliche Richtung“. Ist das auch als Kritik an der streitbaren Ärztekammer zu verstehen? „Es gibt viele Player, die sich nicht bewegen wollen“, sagt sie, „auch die Ärztekammer. Da befinden sich einige handelnde Personen im Wahlkampf. Dabei bräuchten wir bei allen Entscheidungen nur die Patienten in den Mittelpunkt zu stellen.“ Bei der dringend erforderlichen Digitalisierung des Gesundheitswesens gebe es immer wieder eine „enorme Blockadehaltung“. Rabmer-Koller: „Wir können Digitalisierung nicht aufhalten und müssen e-Health im Sinne von mehr Patientensicherheit viel schneller vorantreiben.“

 

Bei Effizienz einen Zahn zulegen

Rabmer-Koller fordert allerdings auch Reformen quasi im eigenen Haus: Sie macht sich für mehr Effizienz im System der Sozialversicherungen stark. Anfang Juli hat der Ministerrat beschlossen, dass dazu eine Effizienzstudie in Auftrag gegeben werden soll. Nächste Woche soll es endlich so weit sein: Das Sozialministerium, das bereits Angebote eingeholt hat, wird den Zuschlag erteilen. „Wir brauchen ein modernes und effizientes System“, sagt Rabmer-Koller, und das müsse auch „ideologiefrei“ erarbeitet werden. Nur: Die Studie soll bis Ende des ersten Quartals 2017 fertiggestellt sein. „Ich hätte mir gewünscht, dass es schon im Herbst Ergebnisse gibt“, sagt die Hauptverbandschefin. Und: „Ich habe mir da schon mehr Engagement von der Regierung erhofft.“

Rabmer-Koller: „Ich sehe es als meine Verpflichtung, dass wir mit dem zur Verfügung stehenden Geld sorgsam und effizient umgehen.“ Für das österreichische Gesundheitswesen werden pro Jahr rund 36 Milliarden Euro aufgewendet – das sind elf Prozent des Bruttoinlandsproduktes. „Im internationalen Vergleich liegen wir hier ganz vorne“, sagt sie. Es müssten also Effizienzpotenziale gehoben und die Gesundheitsversorgung zukunftsfit gemacht werden, „dann wird es auch mehr Patientenzufriedenheit geben“.

 

Harmonisierung als „Mammutaufgabe“

Priorität für die Hauptverbandschefin hat die Harmonisierung der Leistungen diverser Krankenversicherungen. Das sei freilich eine „Mammutaufgabe, weil es sich um ein über Jahrzehnte gewachsenes System handelt“. Auch bei den Mehrfachversicherungen „brauchen wir Lösungen“, sagt sie. Immer wieder wird eine Reduktion der Zahl der Krankenkassen gefordert. Mit wie vielen könnte man das Auslangen finden? „Ich will, dass unser System zukunftsfit ist“, antwortet sie vage. Auf dem Tisch liegende Varianten müssten analysiert werden. Denn: „Wenn wir nicht rasch handeln, dann wird das System immer teurer werden. Und das kann nicht unser Interesse sein. Wenn wir einsparen, gibt es mehr Geld für Innovationen.“ Nachsatz: „Es müssen halt alle wollen.“

ZUR PERSON

Ulrike Rabmer-Koller wurde Mitte Dezember 2015 zur Chefin des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger gewählt. Die Linzerin führt das im Bau- und Umwelttechnologiebereich tätige Familienunternehmen Rabmer in zweiter Generation. Von 2003 bis 2015 war sie Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich. 2015 wurde sie Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer. Im Hauptverband steht sie vor der Herausforderung hoher Medikamentenkosten und der damit steigenden Schulden der Krankenkassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2016)

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