Neos: Was bringt eine Doppelspitze mit Strolz und Griss?

Irmgard Griss ist interessiert, hält sich jedoch bedeckt. Auch Sebastian Kurz buhlt um sie. Und hat sich bereits Josef Moser geangelt.

NEOS MITGLIEDERVERSAMMLUNG: GRISS / STROLZ
NEOS MITGLIEDERVERSAMMLUNG: GRISS / STROLZ
(c) APA/HANS PUNZ

Wien. Irmgard Giss wird derzeit heftig umworben. Der Plan der Neos ist es – „Die Presse“ berichtete am Donnerstag –, mit einer Spitzenkandidaten-Doppelspitze aus Matthias Strolz und Irmgard Griss in allfällige Neuwahlen zu gehen.

„Ich rede mit vielen Leuten, ich bin interessiert, ich will, dass etwas weitergeht. Aber fix ist nichts“, sagt Irmgard Griss selbst.

Denn Griss wird auch von Sebastian Kurz umworben. Dieser hätte die Präsidentschaftskandidatin gern in seinem „Schatten-Team“ – ebenfalls für allfällige Neuwahlen. Neulich hatte Kurz Unternehmer zu sich ins Ministerium geladen, um deren Sorgen und Wünsche anzuhören. Viele von diesen hatten im Präsidentschaftswahlkampf Irmgard Griss unterstützt.

Bezeichnendes Detail am Rande: Die PR-Unternehmerin Gabi Spiegelfeld, die für Griss das Personenkomitee bei der Präsidentschaftswahl mitorganisiert hat, ist nun für Sebastian Kurz tätig. Unentgeltlich. Aus Sympathie. Sie organisierte auch die Griss-nahe-Unternehmerrunde für Kurz.

Aus heutiger Sicht wahrscheinlicher ist allerdings, dass Irmgard Griss das Neos-Angebot annimmt. Die Neos liegen derzeit in diversen Umfragen zwar konstant über der Vier-Prozent-Hürde. Sollte allerdings Sebastian Kurz die ÖVP übernehmen, dann könnte das anders aussehen. Nicht zuletzt aus diesem Grund wäre ein Engagement von Griss für die Neos von Vorteil, da sie bürgerliche Wähler, von liberal bis gemäßigt konservativ, mitziehen könnte.

Dass Kurz den ÖVP-Spitzenkandidaten machen wird, gilt als ziemlich sicher. Dazu streckt er bereits die Fühler nach allen Seiten aus. Auch Rechnungshofpräsident a. D. Josef Moser hat er nun gewissermaßen auf seine Seite gezogen: Dieser wird ab 10. Oktober für das Außenministerium tätig sein. Und dort ein Projekt zur Kontrolle der Entwicklungshilfe leiten.

 

Silberstein: Von Neos zur SPÖ

Für Neuwahlen gerüstet scheint auch die SPÖ. Wie ebenfalls Donnerstag im Großteil der „Presse“-Ausgabe berichtet, wurde auf Vermittlung Alfred Gusenbauers der israelische Kampagnen-Profi Tal Silberstein engagiert. Was wiederum bei den Neos für einiges Aufsehen sorgte. Denn Silberstein hatte zuletzt, im Wiener Wahlkampf, die Neos-Kampagne betreut. Und so hofften manche bei den Neos, mit Silberstein auch für die Nationalratswahl ein Arrangement finden zu können. Obwohl er nicht ganz billig ist. Doch das hat sich nun ohnehin zerschlagen. Silberstein hat sich für die SPÖ entschieden. Vielleicht auch, weil man sich zu wenig aktiv um ihn bemüht habe, moniert so mancher Neos-Funktionär.

Es gibt aber auch andere, die der Meinung sind, dass ein aggressiver Silberstein-Wahlkampf wie in Wien – zugespitzt, auf die Gegnerschaft zur FPÖ fokussiert – den Neos bei kommenden Nationalratswahlen wenig bringen würde. Die Anti-FPÖ-Stimmung ist nach dem langen Bundespräsidentschaftswahlkampf wahrscheinlich zu einem guten Teil durchgespielt und aufgebraucht. Und mit einem flüchtlingsfreundlichen Wahlkampf wie 2015 in Wien gibt es heutzutage auch nicht mehr viel zu gewinnen. Dies kann zwar in der Abgrenzung zu Sebastian Kurz eine Rolle spielen, ob das aufgeht, weiß man allerdings nicht.

Für die Neos eine schwierige Ausgangslage – mit der Gefahr zwischen Kern, Kurz und Strache zerrieben zu werden. Aber vielleicht kann ja Irmgard Griss hier helfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2016)

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