Mitterlehner wirft Lopatka "Illoyalität" vor

Nach Lopatkas Eintreten für FPÖ-Präsidentschaftskandidat Hofer kündigt ÖVP-Chef Mitterlehner ein "Vier-Augen-Gespräch mit offenem Ausgang" an.

Mitterlehner (rechts) und Lopatka im Oktober im Parlament
Mitterlehner (rechts) und Lopatka im Oktober im Parlament
Mitterlehner (rechts) und Lopatka im Oktober im Parlament – APA/ROLAND SCHLAGER

In der ÖVP bahnt sich ein Machtkampf an. Parteichef Reinhold Mitterlehner wirft seinem Klubobmann Reinhold Lopatka "Illoyalität" vor. Anlass ist dessen Eintreten für den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer.

Lopatkas Wahlempfehlung sei "ein klarer Fall von Illoyalität", sagt Mitterlehner in der Montag-Ausgabe der "Oberösterreichischen Nachrichten". Mit diesem Verhalten "nützt Lopatka seiner Partei nicht". Mitterlehner kündigt "ein Vier-Augen-Gespräch mit offenen Ausgang" an. Denn der Klubobmann habe in der Vergangenheit mehrfach ohne Absprache die Parteilinie konterkariert.

Laut "Krone" soll Lopatka am Montag eine "letztmalige Verwarnung" erhalten.

Schittenhelm sieht "Irritationen"

ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm, sie ist auch eine Stellvertreterin Lopatkas als Klubchef, ortet "Irritationen" zwischen den beiden. Am wichtigsten sei es nun, dass Mitterlehner und Lopatka miteinander reden, diese Irritationen ausräumen und das Vertrauen wieder herstellen, sagte sie am Montag.

Dass es tatsächlich zu einem Abgang des Klubchefs kommen könnte, gilt in der ÖVP als äußerst unwahrscheinlich, umso mehr als dem Vernehmen nach eine Mehrheit der schwarzen Abgeordneten selbst eher pro-Hofer eingestellt ist. Noch dazu ist laut Geschäftsordnung der Klubchef für die gesamte Legislaturperiode gewählt und kann de facto nur freiwillig abtreten.

Nur wenige Schwarze unterstützen offen Hofer

Aktueller Anlass für den Ärger Mitterlehners ist Lopatkas Bekenntnis für Hofer. Der Klubobmann hatte Hofer als den "besseren Kandidaten" bezeichnet, weil er "als Dritter Nationalratspräsident gezeigt hat, dass er für ein hohes Amt geeignet ist".

Offizielle Parteilinie für den Präsidentschaftswahlkampf ist nach dem Ausscheiden des ÖVP-Kandidaten Andreas Khol in der ersten Runde, dass es keine Wahlempfehlung der Partei gebe. Mitterlehner selbst hatte aber zuletzt Sympathie für Alexander Van der Bellen anklingen lassen. Auch zahlreiche andere prominente aktive wie ehemalige ÖVP-Politiker deklarierten sich für den früheren Grünen-Chef. Der ÖVP-Delegationsleiter im Europaparlament, Othmar Karas, fungierte sogar als Redner bei Van der Bellens Wahlkampfauftakt.

Für Hofer sprachen sich neben Lopatka bisher nur Ex-Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch und der ÖVP-Nationalratsabgeordnete Johannes Schmuckenschlager aus.

>> OÖN-Artikel

>> "Krone"-Artikel

(APA)

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