Was nach dem Eurofighter kommt

Fix ist, dass das Bundesheer den Luftraum weiterhin überwachen wird. Wie das künftig passieren soll, dafür gibt es mehrere Varianten. Ein Überblick.

Die Eurofighter werden vielleicht bald nicht mehr durchstarten.
Die Eurofighter werden vielleicht bald nicht mehr durchstarten.
Die Eurofighter werden vielleicht bald nicht mehr durchstarten. – (c) APA

Wien. Bis Ende Juni soll eine Kommission im Verteidigungsministerium klären, wie künftig die Luftraumüberwachung durchgeführt wird. Die Ausgangslage: Die Eurofighter sind wegen der hohen Betriebskosten von derzeit 80 Millionen Euro im Jahr problematisch. Außerdem ist der zweite Flugzeugtyp, die langsamen Saab 105, nur noch bis 2020 einsetzbar. Minister Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat den Auftrag gegeben, auch für unkonventionelle Lösungen offen zu sein. Folgende Varianten stehen derzeit zur Debatte:


Eurofighter bleiben, für die Saab 105 wird ein Nachfolgemodell gesucht.
Das ist die Variante, von der bisher in der Planung ausgegangen wurde, und die immer noch ein Thema ist, wenn es nicht gelingt, die Eurofighter wieder los zu werden. Dagegen sprechen die hohen und ständig steigenden Betriebskosten, die den Spielraum für die Luftstreitkräfte und auch für das gesamte Bundesheer immer mehr einschränken. Diese Lösung wird daher nur möglich sein, wenn dem Verteidigungsministerium ein höheres Budget zugestanden wird (was wiederum unwahrscheinlich ist).


Die Eurofighter bleiben, die Saab 105 werden nicht ersetzt.
Das wäre theoretisch möglich, allerdings extrem teuer. Denn dann müsste die gesamte Luftraumüberwachung mit den Eurofightern abgewickelt werden, was zu deutlich höheren Betriebskosten führen würde: Es wäre mehr Treibstoff notwendig, und auch die Wartungskosten würden sich aufgrund der höheren Anzahl an Flugstunden deutlich erhöhen. Außerdem brauchte man dafür vermutlich mehr Eurofighter.


Der Eurofighter kommt in die Garage, es gibt eine völlig neue Lösung.
Im Bundesheer gibt es Überlegungen, die Eurofighter gar nicht mehr einzusetzen, auch dann nicht, wenn eine Rückabwicklung des Kaufes nicht gelingen sollte. Politisch wäre das bei fast zwei Milliarden Euro Kaufpreis zwar schwer argumentierbar, wirtschaftlich könnte es aber durchaus sinnvoll sein, Flugzeuge mit deutlich niedrigeren Betriebskosten anzuschaffen. Auch da stellt sich die Frage, ob ein oder zwei Typen angeschafft werden.

Ein Flugzeugtyp als Nachfolger für Eurofighter und Saab 105.
Diese Variante wird im Bundesheer bevorzugt. Der Vorteil: Geringere Kosten für Anschaffung und Wartung. Nachteile hätte das in der Ausbildung, weil die Piloten von einer Propellermaschine sofort auf die Kampfjets umsteigen müssten. Eine Lösung dafür wäre, mit anderen Armeen zu kooperieren und einen Teil der Ausbildung dorthin auszulagern. Offen ist auch, welcher Flugzeugtyp Eurofighter und Saab 105 ersetzen könnte. Eine Variante wäre der Saab Gripen, der schon 2003 knapp gegen den Eurofighter verloren hat. Eine andere wären die M-346 von Leonardo aus Italien. Auch die amerikanische F-16 käme infrage, ist aber schon älteren Baujahrs. Kein Thema dagegen sind amerikanische Jets von Lockheed und Boeing, oder der französische Dassault Rafale. Diese Flugzeuge haben zwei Triebwerke und damit ähnliche Betriebskosten wie die Eurofighter.

Von einer Armee kaufen, statt direkt vom Hersteller.
Sehr wahrscheinlich ist, dass Österreich versuchen wird, einer anderen Armee Flugzeuge abzukaufen. Denn damit spart man sich das Ausschreibungsverfahren und die politische Debatte über den Ankauf von Fliegern mitten im nächsten Nationalratswahlkampf. Auch Korruptionsvorwürfe könnte man damit ausschließen.


Den Luftraum von anderen Ländern überwachen lassen.
Slowenien und die baltischen Staaten lassen ihren Luftraum von Nato-Partnern überwachen, was aber für Österreich kein Thema sein dürfte. Denn erstens kommt das vermutlich auch nicht billiger, als eigene Flugzeuge anzuschaffen, zweitens wäre das mit der Neutralität schwer vereinbar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2017)

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