Universität Graz erkennt steirischem Landesrat Doktortitel ab

Nach Plagiatsvorwürfen wird dem steirischen Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (ÖVP) der Doktortitel aberkannt. Zurücktreten will er deshalb nicht.

Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann auf Archivbildern aus dem Jahr 2008
Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann auf Archivbildern aus dem Jahr 2008
Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann auf Archivbildern aus dem Jahr 2008 – APA

Die Universität Graz hat sich nach dem Plagiatsvorwurf gegen den steirischen Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (ÖVP) für die Aberkennung seines Doktortitels entschieden. Buchmann hat am Mittwoch dazu persönlich Stellung genommen. Er werde gegen den Bescheid nicht berufen. Ihm wurde angelastet, dass er Teile seiner Dissertation aus anderen Quellen übernommen hat, ohne korrekt zu zitieren.

Ins Rollen brachte den Fall der Plagiatsspezialist Stefan Weber. Nach seinem kritischen Gutachten zur Dissertation des steirischen ÖVP-Landesrats ist die Uni Graz tätig geworden. Der Landesrat selbst hat zu den Vorwürfen heute bereits Stellung genommen. "Ich musste einsehen, dass ich vor 17 Jahren nicht genug gearbeitet habe", hielt Landesrat Christian Buchmann am Mittwoch im Gespräch vor ausgewählten steirischen Journalisten fest. Er gestand handwerkliche Fehler. Getrickst habe er aber nie. „Ich habe es damals nicht besser gewusst“, wird er auf "orf.at" zitiert. Als Wirtschaftslandesrat zurücktreten will er daher nicht. Unterstützung erhält er dabei von seinem Parteifreund und Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Die Aberkennung sei zur Kenntnis zu nehmen, sagte dieser. Buchmanns Wissen und Einsatz für die steirische Wirtschaft seien aber unbestritten, daher solle er "eine tragende Säule unserer Arbeit für die Steiermark bleiben", teilte der Landeshauptmann mit.

Es tue ihm "persönlich sehr, sehr leid"

 

Der am Mittwoch in der Früh von der Universität zugestellte Bescheid halte fest, er habe es "in Teilen der Arbeit unterlassen, die vollständige und umfängliche Zitierung von Werken anderer Autoren entsprechend zu kennzeichnen", wie Buchmann darlegte. Das tue ihm "persönlich sehr, sehr leid. Dafür möchte ich mich auch entschuldigen", sagte der Landesrat. Dementsprechend habe er auch entschieden, nicht gegen den Bescheid zu berufen".

Die Entscheidung sei "nach sorgfältiger Abwägung sämtlicher Unterlagen und eingehender Beurteilung aller Argumente" von der studienrechtlichen Instanz getroffen worden: Es würden "gravierende Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis" vorliegen, hieß es am Mittwoch vonseiten der Universität Graz.

Der am 27. September 1962 in Graz geborene Buchmann hat das Masterstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität seiner Heimatstadt sowie an der University of California Los Angeles (UCLA) absolviert und 1998 mit einem Magister-Titel abgeschlossen. Zwei Jahre später wurde er zum Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften promoviert.

Politisch tätig war der aktuelle Landesrat für Wirtschaft, Tourismus, Europa und Kultur schon früh, nämlich in der Schülervertretung. Er war ab 1982 Landessekretär der Jungen ÖVP Steiermark und später Gremialgeschäftsführer, Gewerbe - und Umweltreferent der Sektion Handel der Wirtschaftskammer Steiermark. Von 2004 bis 2008 war er der Obmann des Grazer Wirtschaftsbundes. Bevor Buchmann 2005 als Wirtschafts-, Innovations- und Finanzlandesrat in die Landespolitik ging, war er in der Kommunalpolitik tätig: Von 2003 bis 2005 war der gelernte Ökonom in Graz als Stadtrat für Wirtschaft und Kultur zuständig. Buchmann ist verheiratet. 2008 wurde er zum Landesgruppenobmann des steirischen Wirtschaftsbundes gewählt und 2015 wiedergewählt.

(APA)

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