Petzner leuchtet die populistischen „Monster“ aus

Der frühere Jörg-Haider-Vertraute Stefan Petzner beschreibt in seinem neuen Buch, „Trump to go“, die Methoden der Rechtspopulisten und gibt Hinweise, wie man sie stoppen könnte.

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Stefan Petzner – (c) Clemens Fabry

Man kennt Stefan Petzner: Als engen Vertrauten Jörg Haiders, als Strategen der BZÖ-Wahlkämpfe, als mitunter schrillen Politiker. Mit dem Untergang des BZÖ war auch dessen politische Karriere schlagartig beendet. Jetzt hat Stefan Petzner das Geschäftsmodell gewechselt: Er tritt als Analytiker auf – und zwar in dem Bereich, in dem er sich besonders gut auskennen muss: bei den rechtspopulistischen Parteien.

„Trump to go“ heißt das für den deutschsprachigen Markt konzipierte Buch, in dem Petzner rechtspopulistische Politiker und Parteien von Trump bis Haider, von der AfD bis zum BZÖ ins Visier nimmt. Er liefert dabei durchaus treffende Analysen, warum diese Bewegungen Erfolg haben können und wie sie arbeiten, und er zeigt auch Ansätze auf, wie man ihnen erfolgreich begegnen könnte.

Es sei so, wie bei kleinen Kindern, die sich vor einem Monster unter ihrem Bett fürchten, schreibt Petzner. Vernünftige Eltern reagieren darauf, indem sie mit der Taschenlampe kommen und den Raum unter dem Bett ausleuchten, um zu zeigen: Da ist gar kein Monster. Populisten machen das genaue Gegenteil. Sie sagen: „Das Monster unter deinem Bett gibt es wirklich, es ist noch schrecklicher und gefährlicher, als du dir das vorstellen kannst. Nur ich kann dich davor retten.“

Monster unter dem Bett

Die Monster der modernen Gesellschaft: Sie entstehen durch Abstiegsängste, ausgelöst durch den ökonomischen Wandel oder durch eine immer komplexer werdende elektronische Welt, in der auch Jüngere oft nicht mehr den Durchblick haben.

Sechs Merkmale macht Petzner aus, die die Arbeitsweise der Populisten definieren. Dazu gehöre die Spaltung der Gesellschaft in ein gutes „Wir“ und das böse „andere“ – soziale Randgruppen, Zuwanderer, Intellektuelle oder „das System“ –, das aggressiv bekämpft werde. Der Aufbau eines „politischen Superman“ mit narzisstischen Zügen, der die eigene Bewegung anführe, sprachlicher Terror gegen politische Gegner, bewusster Tabubruch, wie ihn Jörg Haider etwa mit Anspielungen an die NS-Zeit gemacht habe. Und schließlich ziele Populismus auf Emotionen ab, er spreche die Gefühle an, nicht den Kopf.

Kann man derartige Bewegungen überhaupt stoppen? Für Petzner ist die Rückholung der Bürger eine „mission: possible“, also durchaus möglich. Man dürfe die Populisten nicht nachmachen, müsse aber ihre Themen aufgreifen und Lösungen anbieten. Und man müsse sie auf die inhaltliche Sachebene zurückzwingen. Denn da seien sie angreifbar.

Purer Zynismus?

Das Buch liefert, wie gesagt, eine gute Analyse populistischer Bewegungen, es hat aber eine entscheidende Schwäche, die an der Person des Autors liegt. Wenn Petzner wirklich so denkt, wie er das in dem Buch zum Ausdruck bringt, warum war er dann jahrelang an der Schaltstelle einer populistischen Bewegung tätig? War es purer Zynismus, wider besseres Wissen mit verwerflichen Methoden den Machterhalt sicherzustellen? Wie viel Zynismus steckt dann aber in dem Buch? Oder Petzner hat seine Grundansicht um 180 Grad gedreht, vielleicht auch unter dem Eindruck seiner strafrechtlichen Verurteilung? Dann wäre es aber notwendig, diesen Gesinnungswandel auch zu beschreiben und offenzulegen.


[NHNYM]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2017)

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