Kopftuch-Sager: Van der Bellen zog auch NS-Vergleich

Der Präsident reagiert auf die Kritik auf seine Äußerung über Kopftuchträgerinnen - er habe auf deren Stigmatisierung aufmerksam machen wollen. In seiner Rede wies er auch darauf hin, dass die Dänen während der deutschen Besatzung den David-Stern getragen hätten.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen
Bundespräsident Alexander Van der Bellen
Bundespräsident Alexander Van der Bellen – APA/AFP/JOE KLAMAR

Das Team von Alexander Van der Bellen rechtfertigte sich via Facebook: "Im Kern ging es dem Bundespräsidenten bei seinen Aussagen darum, der Stigmatisierung von Kopftuch tragenden Frauen entgegenzuwirken." Immer wieder seien diese Frauen in Österreich öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt. "Diesen inakzeptablen Umgang mit Frauen hat der Bundespräsident in zugespitzter Form kritisiert", wurde argumentiert. Kurz darauf ergänzte Van der Bellen bei seinem Besuch in Bratislava gegenüber Journalisten: "Ich bin kein großer Freund des Kopftuchs. Aber es gibt in Österreich Meinungsfreiheit, es gibt Meinungsäußerungsfreiheit und eine Art Bekleidungsfreiheit."

Hintergrund des Erklärungsversuchs ist ein Redebeitrag des Bundespräsidenten vom 24. März im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien, der am Dienstagabend in der ORF-Sendung "Report" in gekürzter Version ausgestrahlt worden ist.

Bei der Veranstaltung war Van der Bellen auf Islamfeindlichkeit angesprochen worden, speziell auf Übergriffe auf Kopftuch tragende Frauen. Dazu sagte das Staatsoberhaupt: "Und wenn das so weitergeht, bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun."

Damit aber nicht genug: Van der Bellen griff in dem Beitrag (im ORF war das nicht mehr zu sehen, das entsprechende Video liegt aber online vor - siehe unten) auch zum Vergleich mit Dänemark in der Zeit der Besatzung durch Nazi-Deutschland. Konkret: „Das ist nicht so weit hergeholt. Wenn ich mich richtig erinnere haben die Dänen während der deutschen Besatzung doch etwas Ähnliches gemacht: Und nicht-jüdische Dänen haben angefangen, den David-Stern zu tragen“. Als Geste des Widerstands gegen die Deportation der Juden.

Von einem „integrationspolitischen Amoklauf“, sprach daraufhin FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl. „Der Bundespräsident hat mit dieser Aussage das zarte Pflänzchen des Widerstandes gegen die Islamisierung des Landes, das nach dem Erdogan-Votum im rot-schwarzen Garten zu keimen begonnen hat, rüde zertreten.“ Statt die durch das Kopftuch unterdrückten Frauen in ihrem Kampf gegen die Bevormundung der muslimischen Männer zu unterstützen, mache Van der Bellen das genaue Gegenteil.

Video von der Diskussionsveranstaltung in voller Länge:

Reaktion von Van der Bellens Team auf Facebook:

(Red./APA)

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