"Es bleibt dabei": Pilz schlägt grünes Angebot aus

Der Bundesvorstand bietet dem Langzeitmandatar einen Vorzugstimmenwahlkampf an. Der 63-Jährige lehnt ab. Der frühere grüne EU-Abgeordnete Voggenhuber übt indes Kritik an seiner Partei: "Nun haben sie auch Pilz zur Strecke gebracht."

Peter Pilz
Peter Pilz
Peter Pilz – APA/HANS PUNZ

Nach 31 Jahren nimmt Peter Pilz, derzeit grüner Sicherheitssprecher und Fraktionsführer im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Causa Eurofighter, seinen politischen Hut. Der Grund: Er unterlag beim grünen Bundeskongress am Wochenende in der Stichwahl um Platz vier auf der Bundesliste für die Nationalratswahl seinem jungen Klubkollegen Julian Schmid. Eine Wahl, die für Aufregung und Unverständnis sorgt - auch bei (ehemaligen) Grünen. So sah sich der einstige grüne Europaparlamentarier Johannes Voggenhuber zu einer heftigen Kritik an seiner Partei veranlasst, die grüne Bundespartei versucht es indes mit einem Angebot an Pilz.

Die grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek wolle Pilz doch noch für eine Kandidatur gewinnen, betonte sie am Montag. So habe der grüne Bundesvorstand einstimmig beschlossen, den Langzeitmandatar mittels Vorzugsstimmenwahlkampf zu unterstützen. "Ich möchte ihn dabei haben", sagte Lunacek. Sie wolle mit dem 63-Jährigen sprechen, damit er vom 14. Platz auf der Bundesliste aus mit einem Vorzugsstimmenwahlkampf wieder ins Hohe Haus einzieht.

Daraus aber wird nichts. "Es bleibt dabei", ließ Pilz kurz darauf wissen. Auch einen Wechsel auf die Liste irgendeiner anderen Partei - sei es die SPÖ, die ÖVP oder die Neos - werde es nicht geben. "Ich bin nicht einmal bereit, für das Team Stronach zu kandidieren", scherzte er. Wie es nun für ihn weitergehe, wisse er noch nicht. Er werde all das mit seiner Frau besprechen. Die Arbeit im Eurofighter-Untersuchungsausschuss will er jedenfalls fortsetzen.

Voggenhuber: "Sie haben auch Pilz zur Strecke gebracht"

Voggenhuber bemühte unterdessen seine Facebook-Seite, um zur Causa Stellung zu beziehen: "Hüte Dich vor den Schwachen", schrieb er dort und setzte fort: "Nun haben sie es also geschafft und endlich auch Peter Pilz zur Strecke gebracht. Endlich sind sie ganz unter sich." Nun sei niemand mehr da, der an "irgendwelche ihrer längst begrabenen Gründungsideen erinnert", beanstandete der ehemalige Bundesgeschäftsführer und Klubobmann der Grünen im Parlament.

Mit Pilz gehe der letzte, "der von ihnen Politik statt Inszenierung, Erfolge statt Sprechblasen fordert". Doch Voggenhuber bedauerte auch weitere grüne Granden: "Mit Gabi Moser, Bruno Rossmann und Wolfgang Zingl mussten drei weitere profilierte, kritische Köpfe blassen Gefolgsleuten weichen." Der 67-Jährige ortete in diesem Vorgehen ein Absenken der "Messlatten auf die in Parteiapparaten übliche Sprunghöhe". Weiters missfiel Voggenhuber, dass der Vorgang als Verjüngung der Bundespartei ausgegeben werde - "wenige Wochen nachdem sie die 'Jungen Grünen' aus der Partei geworfen haben".

Dönmez: "Weitsicht bis zur Nasenspitze"

Auch der ehemalige grüne Bundesrat Efgani Dönmez äußerte harsche Kritik. Dass Pilz nach 31 Jahre abgewählt wurde, erinnere an die Vorgänge auf dem gesunkenen Luxusschiff Titanic: "Weitsicht bis zur Nasenspitze." Der gestrige Sonntag sei daher "ein schlechter Tag für Österreich" und ein "noch schlechterer für Grüne".

Der FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache äußerte sich ebenfalls via Facebook: "Bei allen inhaltlichen und ideologischen Unterschieden, sowie auch sehr harten und vielleicht sogar unfairen Auseinandersetzungen, welche wir beide geführt haben, möchte ich Ihnen sagen, dass ich sie als parlamentarischen Profi und auch als Menschen schätzen gelernt habe", hielt Strache dort fest - um auch einen Seitenhieb beizufügen: "Entzugserscheinungen werde ich sicher keine haben ;-) Aber ich freue mich auf einen gemeinsamen Kaffee - vielleicht bei der kommenden Sitzung!"

Ein Seitenwechsel von Pilz von Grün zu Rot wäre ein "verlockender Gedanke", kommentierte SPÖ-Klubchef Andreas Schieder am Montag. Falls Pilz Interesse hätte und ein entsprechendes Zeichen gäbe, würde er sofort ernsthaft darüber nachdenken, so Schieder.

Mit Überraschung und einem gewissen Bedauern reagierte die stellvertretende Neos-Vorsitzende und Wiener Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger per Aussendung auf das Aus für die Arbeit von Pilz im Nationalrat. "Er wird als Stachel im Fleisch des politischen Systems in Österreich fehlen", resümiert Meinl-Reisinger.

 

Das Facebook-Posting von Voggenhuber:

Tweets von Dönmez:

 

Facebook-Posting von Strache:

(ett/hell/APA)

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