Irmgard Griss: Polit-Spätzünderin will es noch einmal wissen

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Sie war die Überfliegerin bei der letzten Bundespräsidentenwahl, nun soll Irmgard Griss den Neos bei der Nationalratwahl im Herbst einen Turbo bringen: Die frühere OGH-Präsidentin hat sich am Donnerstag letztlich nach monatelangen Spekulationen darauf festgelegt, dass sie es noch einmal in der Politik versuchen will - mit den Neos.

(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)
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Immerhin 18,9 Prozent erreichte Griss als parteifreie Kandidatin im Rennen um die Hofburg 2016 - dabei kannte die 70-jährige Juristin davor außerhalb der Fachwelt kaum jemand. Die Luft der breiteren medialen Öffentlichkeit schnupperte sie zunächst als Leiterin der vom damaligen ÖVP-Obmann Michael Spindelegger eingesetzten Hypo-Untersuchungskommission, die die politische Debatte über die Skandalbank beruhigen sollte. Jene, die einen Beschwichtigungsreport befürchteten, wurden von der ehemaligen Höchstrichterin eines besseren belehrt: Der harte Bericht ihrer Kommission schlug wesentlich höhere Wellen, als es später der schleppende parlamentarische Untersuchungsausschuss tat.

(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)
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Beflügelt vom darauf folgenden öffentlichen Lob trat Griss schließlich als unabhängige Kandidatin in das Rennen um die Hofburg. Dabei profitierte die gebürtige Steirerin, die aus einer bäuerlichen Familie stammt, nicht nur von der allgemeinen Parteien-Verdrossenheit - sie fuhr eine mit vergleichsweise geringen Mitteln finanzierte, dafür smarte Medien-Kampagne, deren Ass sie selbst war. Denn für eine den Parteien-Zank ungewohnte Fach-Expertin zeigte sie sich im Wahlkampf erstaunlich sicher im Umschlängeln von Fettnäpfen. Trat sie dann einmal doch hinein wie bei der Verteidigung ihrer hohen Beamten-Pension oder bei ungeschickten Aussagen zu den Anfängen des Nationalsozialismus, wurde es von Griss schnell wieder freundlich-sachlich weggeplaudert.

APA/AFP/DIETER NAGL
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In den TV-Diskussionen überraschte Griss, die verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen ist, als Medien-Talent und ließ mit Klartext und souveränen Auftritten den Großteil der arrivierten Konkurrenz alt aussehen. Dass Griss beim Publikum so gut ankam, überrascht insofern, als man es bei ihr nicht gerade mit einer Volkstribunin zu tun hat. Gerade im Direkt-Kontakt mit dem Bürger wirkte die unter anderem an der US-Elite-Uni Harvard ausgebildete Juristin manchmal recht unbeholfen. Was Griss zugutekam, war aber, dass sie auch in ihrer Sprödheit authentisch blieb. So achtbar das Ergebnis bei der Wahl schließlich war, für den Einzug in die Stichwahl reichte es dann doch nicht.

APA/HELMUT FOHRINGER
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Dennoch wollten viele Unterstützer nicht wahrhaben, dass es das nun war mit Griss' politischen Ambitionen. Von mehreren Seiten gleich wurde die Bürgerliche umworben, so bestätigte sie etwa auch Gespräche mit Sebastian Kurz, mittlerweile ÖVP-Obmann auf der Suche nach Promis für seine Liste. Die medialen Spekulationen zogen sich dank der schwammigen Aussagen des Polit-Talents Griss über Monate - genährt etwa durch eine "Küchentisch"-Tour durchs Volk.

APA/HERBERT NEUBAUER
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Um im öffentlichen Bewusstsein zu bleiben, ließ sich Griss zwischenzeitlich sogar zu einer TV-Show hinreißen: Als "Richterin" in der Puls-4-Sendung "Im Namen des Volkes" nahm sie sich gesellschaftspolitischer Fragen wie der Kopftuchdebatte an. Die Quoten waren mäßig, die Sendung wird wohl nicht verlängert werden.

APA
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So hat Griss zumindest ausreichend Zeit für Wahlkampf, in den sie nun für die NEOS einsteigen will: "Gut Ding braucht Weile", entschuldigte sie ihr langes Zögern. Sie soll auf einem prominenten Listenplatz stehen und auch im Namen der Wahlallianz vorkommen - allerdings fehlt noch die Zustimmung der Gremien, die am Wochenende tagen.

REUTERS
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Zur Person: Irmgard Griss, geboren am 13. Oktober 1946 in Bösenbach in der Weststeiermark. Verheiratet, Mutter von zwei Söhnen. Jus-Studium in Graz und an der Havard Law School. Mitglied am Zivil- und Handelsrecht an der Uni Graz, OGH-Präsidentin 2007-2011, Leiterin der Hypo-Untersuchungskommission, Ersatzmitglied des Verfassungsgerichtshofs.

APA/ERWIN SCHERIAU