Salzburg: Ein grüner Polarisierer, der es noch einmal wissen will

Johann Padutsch, Urgestein der Bürgerliste, rechnet sich bei der Bürgermeister-Direktwahl am 26. November gute Chancen aus.

Salzburger Immergrün: Johann Padutsch.
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Salzburger Immergrün: Johann Padutsch.
Salzburger Immergrün: Johann Padutsch. – (c) Stadt Salzburg

Salzburg. Als er das erste Mal für die Bürgerliste in den Salzburger Gemeinderat einzog, waren viele seiner potenziellen Wähler von heute noch gar nicht geboren: 1982, nachdem die Bürgerliste bei der Gemeinderatswahl 17,7 Prozent der Stimmen bekommen hatte, übernahm der gelernte Elektrotechniker Johann Padutsch erstmals ein Mandat im Stadtparlament. Seit mittlerweile 35 Jahren ist er eine – wenn auch nicht unumstrittene – Konstante in der Salzburger Kommunalpolitik, der längst dienende Stadtpolitiker in Salzburg. Und wohl einer der am längsten dienenden Österreichs.

Seit 25 Jahren – genau so lange wie der nun scheidende Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) – ist er Mitglied der Stadtregierung. Von der Aufbruchstimmung, die die Pioniere der Grünbewegung rund um Herbert Fux oder Johannes Voggenhuber in den 1980er-Jahren in Salzburg versprüht haben, ist bei dem politischen Marathonläufer wenig geblieben.

Er wirkt längst mehr als pragmatischer Verwalter dessen, was er in den vergangenen Jahrzehnten in seinen Ressorts Planung und Verkehr erreicht hat, denn als visionärer Gestalter. Trotzdem will es „der Johann“, wie den 63-Jährigen in Salzburg alle nennen, am 26. November, der gestern, Dienstag, als Wahltermin fixiert wurde, noch einmal wissen.

 

Zwischen Liebe und Hass

Bei den nach dem angekündigten Rückzug des nicht rechtskräftig wegen Untreue verurteilten Bürgermeisters Heinz Schaden (SPÖ) notwendigen Bürgermeister-Direktwahlen wird er Kandidat der Bürgerliste sein. „In einer schwierigen Situation braucht es Erfahrung und Kompetenz“, lautet die Begründung für den einstimmigen Beschluss. Der Frontmann der Salzburger Grünen bewirbt sich zum fünften Mal um das Amt. Dieses Mal könnte Padutsch als alter Hase in der Stadtpolitik in der Endrunde mitmischen.

Entweder man mag ihn, oder man hasst ihn: Für Padutsch gibt es kaum etwas dazwischen. Er polarisiert wie kein Zweiter in der Stadt. Die einen sehen ihn als verantwortlich für das gute Radwegenetz und die verkehrsberuhigte Innenstadt, die anderen lehnen ihn wegen seiner autofeindlichen Politik ab. Er gilt als einer der Väter der Grünlanddeklaration ebenso wie als Betonierer, der unter dem Stichwort „Verdichtung“ jede Baulücke in der Stadt nützen will. Seine Bekanntheit und die Themen, die er besetzt, sichern der Bürgerliste aber ein recht stabiles Wählerpotenzial quer durch alle Altersgruppen.

Padutsch wurde im Kampf gegen die Atomwiederaufbereitungsanlage im bayerischen Wackersdorf und gegen die von Schauspieler Herbert Fux kritisierte Zerstörung der Salzburger Altstadt politisch sozialisiert. In den Anfangsjahren stand er im recht biederen Salzburg für das Unkonventionelle, machte sich in den Jahren nach der bitteren Wahlniederlage 1989 – damals ging der Vizebürgermeister-Posten von Johannes Voggenhuber verloren – einen Namen als Oppositionspolitiker. Irgendwann kam es dann aber auch zum Bruch mit dem Gründervater Fux, die Jungen emanzipierten sich und gingen ihren eigenen Weg.

 

Junge müssen warten

Über lange Jahre hat die politische Achse zwischen SPÖ und Grünen gut funktioniert, Schaden und Padutsch sicherten sich mit ihren Fraktionen gegenseitig eine komfortable Mehrheit. Doch irgendwann wurde diese Allianz brüchig, die SPÖ und die Bürgerliste entfremdeten sich bei Themen wie dem Bau der Mönchsberggarage.

In der Partei ist es ein eingeschworener Kreis rund um Padutsch, den langjährigen Klubobmann Helmut Hüttinger und die ebenfalls langjährigen Gemeinderätinnen Ulrike Saghi und Inge Haller, der die Linie vorgibt. Neue Kräfte haben sich nie lang gehalten – und müssen auch jetzt warten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2017)

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