Mathematiker Taschner tritt für ÖVP an

Parteichef Kurz hat einen weiteren Quereinsteiger präsentiert. Taschner soll ÖVP-Sprecher für Bildung und Wissenschaft im Nationalrat werden.

Sebastian Kurz; Rudolf Taschner
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Sebastian Kurz; Rudolf Taschner
Sebastian Kurz; Rudolf Taschner – APA/HERBERT NEUBAUER

Der Mathematiker Rudolf Taschner tritt bei der Nationalratswahl für die ÖVP an. Parteichef Sebastian Kurz kündigte am Dienstag an, dass Taschner auf Platz sieben der Bundesliste kandidieren wird und ÖVP-Sprecher für Bildung und Wissenschaft im Nationalrat werden soll. Karlheinz Töchterle, bisheriger Abgeordneter für diesen Bereich und früherer Minister, kandidiert nicht mehr.

"Mathematik ist keine Wissenschaft für Nerds, sondern eine kulturelle Errungenschaft", erklärte Taschner. Er versuche darzustellen, wie wichtig Mathematik ist. Erfahrung habe er auch im Schulunterricht: "Ich weiß, was es bedeutet, Lehrer sein zu können." Diese müssten die Persönlichkeit jedes Kindes ernst nehmen, das Fach von Grund auf verstehen und sich der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst sein. Den Lesern der "Presse" ist der 64-Jährige auch als "Quergeschrieben"-Kolumnist vertraut. "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak meint, mit Taschner nicht immer einer Meinung gewesen zu sein. Jedenfalls beendet der Mathematiker diese Tätigkeit nun mit seiner politischen Kandidatur.

Kurz bezeichnete Taschner als Experten und Kenner des Bildungssystems, der sich vor allem mit dem lebenslangen Lernen auseinandersetze. Er sei ein Angebot an alle Generationen, vor allem aber für die ältere, so Kurz. Er wisse, was in der Bildung gut läuft und was verändert, verbessert werden sollte. Der ÖVP-Chef zeigte sich "beeindruckt, dass er jemand ist, der Lust auf Mathematik und Technik macht".

Differenziertes Schulsystem "in gewisser Hinsicht außerordentlich bewährt"

Inhaltlich betonte Taschner, dass es darauf ankommt, dass Kinder in der Schule nicht nur ihre Zeit absitzen, sondern mit zehn Jahren lesen, rechnen und schreiben können. Im Alter von 14 Jahren soll eben dies auf einem höheren Niveau möglich sein. Bei der Lehrerausbildung gebe es noch Luft nach oben, so der Universitätsprofessor: "Da kann man viel bewirken, insbesondere die Begeisterung steigern." Danach gefragt, was er vom Konzept der Gesamtschule halte, meinte Taschner, wenn es auf das Lehrpersonal ankommt, gehe es weniger um die Strukturfrage. Eine gute Gesamtschule könne man nicht ohne Geld aufbauen. Auch meinte er, dass sich das differenzierte System "in gewisser Hinsicht außerordentlich bewährt" habe. Aus dem ÖVP-Presseteam hieß es im Anschluss, dass es sich bei dieser Aussage um ein klares Bekenntnis zum Gymnasium handle.

Der Anruf von Kurz ist für Taschner überraschend gekommen und habe ihn überzeugt: "Wann wenn nicht jetzt. Ich weiß genau, wenn ich nicht Ja gesagt hätte, hätte ich es fünf Minuten später sicherlich bereut." Die Zeit sei jetzt genau richtig, zumal die Gesellschaft einen Umbruch erlebt. In Kurz sieht Taschner nun jemanden mit den Eigenschaften, die er sich von einem Politiker erwartet: "Verantwortungsbewusstsein, Mut und Weitblick".

Taschner ist Gründer des "math.space" und außerordentliche Professor an der Technischen Universität (TU) Wien.

Jungunternehmerin Ess Nummer eins in Vorarlberg

Die Vorarlberger Landespartei wird von zwei Newcomern in die Wahl geführt: Die frühere Lehrerin und jetzige Jungunternehmerin Martina Ess (32) ist Listenerste. Auf Platz 2 nominierte der Landesparteivorstand Montagabend den JVP-Obmann Raphael Wichtl (24). Der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf ist auf der Landesliste nicht abgesichert, er kämpft im Wahlkreis um das 2013 verlorene Direktmandat.

2013 zog Kopf über die Landesliste in den Nationalrat ein, denn er konnte das Mandat im Wahlkreis Süd nicht verteidigen. 2008 gab es dort eines für die ÖVP und eines im Wahlkreis Nord - dafür aber kein Landesmandat. Listenerster im Wahlkreis Nord ist auch heuer wieder der - schon 2013 dort erfolgreiche - zweite Vorarlberger im Nationalrat, der Bauernbündler Norbert Sieber.

Auf der Landesliste findet sich - im Reißverschlussprinzip - ein laut Aussendung "junges, neues, engagiertes Team, das Vorarlberg in seiner Vielfalt widerspiegelt". Ess, eine zweifache Mutter aus Feldkirch, ist als Jungunternehmerin im Bereich Moderation und Konzeptionsentwicklung tätig. Der Vorarlberger JVP-Chef Wichtl ist ein Fußacher; er studiert an der Uni Innsbruck Rechtswissenschaften.

(Red./APA)

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