Sommergespräch: Felipe und Leitner auf der Suche nach den "grünen Aussagen“

Grünen-Chefin Felipe entschuldigte sich im ORF-Sommergespräch, wenn sie unterbrochen wurde, und blieb auch inhaltlich zurückhaltend.

 Ingrid Felipe beim ORF-"Sommergespräch"
 Ingrid Felipe beim ORF-"Sommergespräch"
Ingrid Felipe beim ORF-"Sommergespräch" – APA/HANS PUNZ

Derart skurrile Dialoge hört man nicht oft in politischen Interviews. Moderator: „Ich hätte gern ein paar richtig grüne Aussagen gehört.“ Grünen-Chefin: "Was verstehen Sie unter grünen Aussagen?“ Bundessprecherin Ingrid Felipe und ORF-Moderator Tarek Leitner hatten es beim „Sommergespräch“ am Montagabend wechselseitig nicht leicht miteinander. „Ich kann damit jetzt wenig anfangen“, kommentierte Leitner etwa eine Aussage Felipes, während diese auf die (vielleicht allzu) häufigen Unterbrechungen mit „Tschuldigung“ antwortete. Themen ins Gespräch einbringen konnte die Parteichefin so nicht.

Es blieb also bei altbekannten grünen Forderungen wie jener nach einer kilometerabhängigen Maut, einem österreichweiten Öffi-Ticket, der Bekämpfung von Fluchtursachen und der gemeinsamen Schule.

Die jüngste Parteikrise verharmloste Felipe zwar nicht („Mutig ist es schon, die Partei in dieser schwierigen Phase zu übernehmen“), übte sich aber in Zweckoptimismus ("Wir starten eine Aufholjagd"). An der basisdemokratischen Listenerstellung hält sie fest. Debakel wie jenes um den Abgang von Peter Pilz will sie lieber durch Gesprächskultur abmildern: Es brauche Räume und Möglichkeiten, damit die Abrechnung "enttäuschter Kandidaten" nicht in den sozialen Netzwerken stattfinde. Inwiefern das die Kandidatur von Pilz mit einer eigenen Liste verhindert hätte, ließ sie offen.

"Darf ich wieder das Beispiel meines Sohnes nennen?"

Auffällig oft bezog sich Felipe auf Persönliches ("Darf ich wieder das Beispiel meines Sohnes nennen?") und auf die Tiroler Landespolitik als Vorbild, ob in der Wohn- oder der Migrationspolitik. Ihr Gegenüber in der Landesregierung, Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), erntete Lob: Er habe es mit Diplomatie geschafft, den Brenner offen zu halten. Dazu passend auch Felipes gleich zu Beginn des Gesprächs eingeworfener Zukunftswunsch: "Ich will Schwarz-Grün in Tirol fortsetzen". Es sieht also eher nicht nach einem baldigen Wechsel nach Wien aus. Felipe schloss auch ausdrücklich nicht aus, dass die derzeitige Ämtertrennung (Spitzenkandidatin bei der Nationalratswahl ist Ulrike Lunacek) nach dem Urnengang überdacht wird. 

Am Ende des Interviews schienen dann beide Gesprächspartner erleichtert - wie Leitner es ausdrückte: "50 Minuten haben wir hinter uns gebracht."

Den Auftakt zur sommerlichen Interviewreihe des ORF hatte in der Vorwoche Neos-Chef Matthias Strolz gemacht. Nächste Woche ist FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache an der Reihe.  

Ingrid Felipe und ORF-Moderator Tarek Leitner
Ingrid Felipe und ORF-Moderator Tarek Leitner
Ingrid Felipe und ORF-Moderator Tarek Leitner – APA/HANS PUNZ

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