"Integrationspessimismus macht sich breit"

Die Zuwanderung ist laut dem aktuellen Integrationsbericht im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen, bleibt aber auf einem hohen Niveau. 22 Prozent der Menschen in Österreich haben einen Migrationshintergrund.

(v.l.n.r.) Heinz Faßmann, Vorsitzender des Expertenrats für Integration, Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und Stephan Marik-Lebeck (Statistik Austria)
(v.l.n.r.) Heinz Faßmann, Vorsitzender des Expertenrats für Integration, Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und Stephan Marik-Lebeck (Statistik Austria)
(v.l.n.r.) Heinz Faßmann, Vorsitzender des Expertenrats für Integration, Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und Stephan Marik-Lebeck (Statistik Austria) – (c) APA/HANS KLAUS TECHT

Die Zahl der nach Österreich kommenden Menschen ist im Vorjahr deutlich zurückgegangen. Dennoch müsse man von einer "sehr beachtlichen" Zuwanderung sprechen, betonte der Vorsitzende des Expertenrats für Integration, Heinz Faßmann, am Montag bei der Präsentation des Integrationsberichts 2017. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) nannte eine "massive Reduktion" von Migration sein Ziel.

(c) APA
Das Zahlenmaterial für den Integrationsbericht hat die Statistik Austria aufbereitet. Im Schnitt des Vorjahres lebten knapp 1,9 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Österreich, was gut 22 Prozent entspricht. Das sind um rund 23 Prozent mehr als im Jahr 2011.

64.676 Zuzüge im Jahr 2016

Was die Zuzüge aus dem Ausland angeht, war ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2015 zu verzeichnen. Das so genannte Wanderungssaldo ergab im Jahr 2016 ein Plus von 64.676 Zuzügen. Im Jahr davor, dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, lag es bei 113.067 Personen.

Gesamt machte die Netto-Zuwanderung in den beiden vergangenen Jahren 178.000 Personen aus. Dieser Trend wird sich von alleine nicht abschwächen, vermutet Faßmann. Österreich als Hochlohnland mit sozialer Sicherheit und einem leistbaren starken Bildungssystem werde ein attraktives Ziel bleiben. Das gelte sowohl für Flüchtlinge als auch für gut qualifizierte Arbeitskräfte aus anderen EU-Staaten und für Studenten.

"Integrationspessimismus macht sich leider wieder breit", heißt es in dem Bericht: Die Zustimmung zur Frage, ob Integration in Österreich eher oder sehr gut funktioniert, ist gegenüber dem Vorjahr um fast 12 Prozentpunkte gesunken. 48 Prozent der befragten Österreicher beurteilen die Integration als "eher schlecht" und 16 Prozent als "sehr schlecht". Gleichzeitig habe speziell bei der türkisch-stämmigen Bevölkerungsgruppe auch ein Entfremdungsprozess stattgefunden, erklärte Faßmann.

Integration der Flüchtlinge "noch ein langer Weg"

Klar ist für den Experten, dass die Integration der in den vergangenen zwei Jahren nach Österreich gekommenen Flüchtlinge noch "ein langer Weg sein wird". Die Integration wird im Report als alternativlos geschildert. Denn erst mit der Aufnahme in den Arbeitsmarkt könne es auch positive ökonomische Effekte geben.

Vorerst ist die Flüchtlingswelle teuer. Kurz verwies auf Studien, die bis 2019 acht bis zwölf Milliarden an Kosten errechnet haben. Wolle man einen Wohlfahrtsstaat europäische Prägung aufrecht erhalten, sei eine Zuwanderung wie in den vergangenen beiden Jahren höchst problematisch.

Ziel müsse daher sein, sowohl national als auch international den Flüchtlingsströmen entgegenzutreten: "Nachhaltig hilft man vor Ort." Österreich müsse in die Position kommen selbst zu entscheiden, wer zuwandert und wer nicht: "Das kann nicht die Entscheidung der Schlepper sein." Untätig sei sein Ressort im Bereich Integration jedenfalls nicht gewesen, verwies Kurz auf den Beschluss des Islamgesetzes sowie auf den Ausbau von Sprach- und Wertekursen sowie von Zuwendungen für die Entwicklungszusammenarbeit.

>> Integrationsbericht 2017

(APA/Red.)

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