Hans-Henning Scharsach: „Burschenschafter kontrollieren FPÖ“

Ein rechtsextremer Kreis habe die Macht in der Partei übernommen und plane das auch für den Staat, so Autor Scharsach. Die FPÖ sieht ein „als Sachbuch getarntes Bashing“.

'TOTENGEDENKEN' DER BURSCHENSCHAFTER AM 8. MAI
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'TOTENGEDENKEN' DER BURSCHENSCHAFTER AM 8. MAI
'TOTENGEDENKEN' DER BURSCHENSCHAFTER AM 8. MAI (Archivbild) – APA/HERBERT P. OCZERET

Wien. „Ein rechtsextremer, demokratie- und verfassungsfeindlich agierender Akademikerklüngel hat die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) unterwandert, danach dominiert und zuletzt in Besitz genommen. Österreichs Burschenschaften, aus denen die schlimmsten Nazi-Verbrecher, die brutalsten politischen Gewaltverbrecher der Nachkriegszeit und zahlreiche rechtskräftig verurteilte Neonazis hervorgegangen sind, greifen nach der Macht.“

Zu diesem Schluss kommt der Autor Hans-Henning Scharsach in seinem neuen Buch „Stille Machtergreifung. Hofer, Strache und die Burschenschaften“. In den Augen von Scharsach, der sich etwa schon in den Büchern „Haiders Kampf“ oder „Strache. Im braunen Sumpf“ kritisch mit dem dritten Lager auseinandergesetzt hatte, geht es den deutschnationalen schlagenden Verbindungen nicht nur um die Macht in der FPÖ. „In Wirklichkeit sind sie auf dem Sprung, die Macht in Österreich zu übernehmen“, glaubt Scharsach, der als Journalist unter anderem für den „Kurier“ und „News“ tätig war.

Seiner Meinung nach könnte bereits der Wahlkampf von FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer im Vorjahr „den Weg bereitet haben für tiefgreifende Veränderungen mit unabsehbaren Folgen für die Gesellschaftsordnung, das politische System sowie die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs und der Europäischen Union“.

Die Burschenschaften bezeichnet Scharsach als „völkisch-deutschnationale Speerspitze der FPÖ“, die „Rassismus wieder zum Motor von Emotionalisierung und Radikalisierung“ gemacht habe. Mit Zahlen versucht er zu belegen, wie die Burschenschafter in der FPÖ das Szepter der Macht übernommen haben. Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache und vier seiner fünf Stellvertreter sowie 20 von 33 Mitgliedern des Parteivorstandes seien völkisch Korporierte. Sechs von neun FPÖ-Landesparteien seien von dieser Gruppierung dominiert. In Salzburg stehe zwar mit Marlene Svazek eine Frau an der Spitze: In Wirklichkeit spiele diese aber „eher die Rolle der Alibifrau für das Familienfoto nach den Treffen der Landesvorsitzenden“, so Scharsach. Die wichtigen Entscheidungen würden „die starken Männer“ fällen, auch wenn sie offiziell hinter der Landesparteichefin stehen.

Besonders streng geht der Autor mit Norbert Hofer ins Gericht. Dieser habe sich im Alter von 37 Jahren als Ehrenmitglied in eine Burschenschaft aufnehmen lassen. „Anders als die meisten anderen ist er nicht als Gymnasiast von Freunden oder Bekannten mitgenommen worden und war danach zu schwach, sich der national-völkischen Indoktrination zu widersetzen“, meint Scharsach. Der Dritte Nationalratspräsident sei vielmehr als gebildeter Mann beigetreten. „Wer sich in Hofers Alter einer Burschenschaft anschließt, weiß, was er tut.“

 

Kickl: Andere Netzwerke anschauen

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl ortet in dem neuen Buch von Scharsach „ein FPÖ-Bashing, als Sachbuch getarnt“. Kickl empfiehlt dem Autor, besser einmal „die roten und schwarzen Netzwerke der Republik“ aufzuarbeiten. „Wie sieht das Netzwerk aus, mit dem der Bund Sozialistischer Akademiker maßgebliche Institutionen des Landes durchzieht?“, fragt Kickl. „Wer ist im Geflecht des ÖVP-Kartellverbandes organisiert?“ Und „welche Promis aus Politik und Medien und Big Spendern sitzen mit wem in den verschiedenen Logen dieses Landes zusammen“, so der FPÖ-Generalsekretär in Richtung Scharsach.

Der Autor hingegen erklärt in seinem Buch, er würde nicht „gegen die FPÖ“ schreiben, sondern „für die Erhaltung der demokratischen Kultur“. „Schon gar nicht schreibe ich ,gegen FPÖ-Wähler‘. Im Gegenteil: Ich schreibe für sie, weil ich erkannt habe, wie sehr sie durch zu ,Fake News‘ verharmloste Lügen in die Irre geführt werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2017)

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