"Das ist eine Riesensauerei, was passiert ist"

Das Burgenland wählte am gestrigen Sonntag ihre Bürgermeister und Gemeinderäte: mit Österreichs jüngstem Ortschef, hundert Prozent für die SPÖ und einem zornigen Landeshauptmann Niessl.

Landeshauptmann Niessl
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Landeshauptmann Niessl
Landeshauptmann Niessl – (c) APA/ROBERT JAEGER

Eisenstadt/Wien. In Tschanigraben ist die Welt noch in Ordnung, zumindest für die SPÖ: In der Gemeinde im Bezirk Güssing hat die SPÖ bei der burgenländischen Gemeinderatswahl ganze 100 Prozent erreicht. Sie war aber auch die einzige Partei, die angetreten ist.

Insgesamt 261.963 Burgenländer konnten am Sonntag ihre Bürgermeister und Gemeinderäte wählen. Solche Urnengänge haben eigentlich mit bundesweiten Wahlen wenig zu tun – dieses Mal war es allerdings anders. Denn nicht nur, dass schon in zwei Wochen der Nationalrat gewählt wird. Dadurch ist die burgenländische Wahl zumindest ein kleiner Stimmungstest für die Parteien. Aber auch die Dirty-Campaigning-Affäre der SPÖ sorgte nicht unbedingt für eine entspannte Atmosphäre bei Landeshauptmann und Landesparteichef Hans Niessl.

„Das ist eine Riesensauerei, was passiert ist“, sagte er in Eisenstadt vor Journalisten. Er sprach sich für „harte Konsequenzen“ aus. „Also ich unterstelle zumindest der ÖVP, wenn sie es steuern können, dass sie es bewusst gesteuert haben. Würde mich wundern, wenn es anders wäre. Die ÖVP unternimmt alles, um der SPÖ auf Bundes- und auf Landesebene möglichst stark zu schaden. Das war schon immer so. Ich könnte jetzt viele Beispiele anführen“, sagte er.

 

Rot-schwarzer Bürgermeister-Tausch

SPÖ und ÖVP tauschten in vier Gemeinden die Ortschefs. Bocksdorf (Bezirk Güssing) und Neuhaus am Klausenbach (Bezirk Jennersdorf) gingen von der ÖVP an die SPÖ und Großmürbisch (Bezirk Güssing) und Tadten (Bezirk Neusiedl am See) von der SPÖ an die ÖVP.

Auch erste Stichwahlen zeichneten sich bereits am Nachmittag ab: Mangels einer absoluten Mehrheit für einen Kandidaten am Sonntag wird in zumindest fünf Kommunen erst in vier Wochen über den Bürgermeister entschieden. In Hannersdorf (Bezirk Oberwart), Kleinmürbisch (Bezirk Güssing), Königsdorf (Bezirk Jennersdorf) sowie in Lutzmannsburg und Ritzing (beide Bezirk Oberpullendorf) dürfen die Wähler am 29. Oktober noch einmal ihre Stimme abgeben.

Einen neuen Rekord stellten die Burgenländer am Sonntag auch noch auf: In Mühlgraben im Bezirk Jennersdorf amtiert bald der jüngste Ortschef Österreichs: Der 20-jährige Bankangestellte Fabio Halb, der für die SPÖ antrat, hat die Bürgermeisterwahl in der südburgenländischen Gemeinde am Sonntag mit 79,44 Prozent klar für sich entschieden. Der Kandidat der Bürgerliste Unser Mühlgraben, Armin Schweitzer, kam auf 20,56 Prozent.

 

Bürgermeister mit 20 und 24 Jahren

Halb kann sich bei seiner künftigen Tätigkeit auf eine solide Mehrheit im Gemeinderat stützen: Die SPÖ legte in Mühlgraben um 5,56 Prozentpunkte auf 63,87 Prozent zu und hält nun acht von elf Sitzen im Gemeinderat.

In Badersdorf (Bezirk Oberwart) ist mit Daniel Ziniel der jüngste ÖVP-Bürgermeister des Burgenlandes gewählt worden. Der 24-Jährige, der seit dem Vorjahr als Ortschef amtiert, erreichte im ersten Wahlgang 85,65 Prozent der Stimmen und konnte damit gegenüber seinem Vorgänger noch um über acht Prozentpunkte zulegen. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2017)

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