Blaue und Schwarze Facebook-Fans bleiben am ehesten unter sich

Bei Kleinparteien aktive User auch bei anderen Spitzenkandidaten unterwegs - Überschneidungen zwischen Kurz, Strache, Kern - Experten zweifeln an "Echokammer"-Effekt -

Diese drei Herren führen das Facebook-Fan-Ranking in Österreichs Politik an: Strache (li.) führt knapp vor Kurz (re.), deutlich vor Kern.
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Diese drei Herren führen das Facebook-Fan-Ranking in Österreichs Politik an: Strache (li.) führt knapp vor Kurz (re.), deutlich vor Kern.
Diese drei Herren führen das Facebook-Fan-Ranking in Österreichs Politik an: Strache (li.) führt knapp vor Kurz (re.), deutlich vor Kern. – APA/AFP/ALEX HALADA

Die viel zitierte "Filterblase" war im Wahlkampf rissig. Von den auf den Facebook-Seiten der Spitzenkandidaten aktiven Usern haben nämlich zumindest 17 Prozent auf Postings mehrerer Parteichefs reagiert. Am ehesten unter sich bleiben Fans von Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz Christian Strache (FPÖ), wie eine Analyse der Austria Presseagentur (APA) von 4,2 Millionen "Likes" und Kommentaren auf den Seiten der Spitzenkandidaten zeigt.

In Summe haben die Spitzenkandidaten der Parlamentsparteien inklusive Liste Pilz 1,8 Millionen Fans auf Facebook. Wobei Strache (760.000) und Kurz (712.000) die mit Abstand größte Fanbasis haben. Abgeschlagen folgt SP-Chef Christian Kern (235.000). Die Spitzenkandidaten der drei Kleinparteien liegen allesamt unter 100.000 Fans.

Wie stark sich die Fans der einzelnen Kandidaten überlappen, ist nicht zweifelsfrei feststellbar. Überprüft werden kann allerdings, wie viele Facebook-Nutzer auf Beiträge mehrerer Kandidaten reagiert haben. Dazu hat die APA über die Facebook-Programmierschnittstelle (Graph API) 4,2 Millionen Kommentare, "Likes" und andere Reaktionen ausgewertet, die User im Wahlkampf auf den Seiten der Spitzenkandidaten hinterlassen haben.

Nur 712.000 User haben auch interagiert

Ins Auge stechen dabei zwei Ergebnisse: erstens sind bei weitem nicht alle "Fans" der Politiker auch wirklich aktiv. Nur 712.000 User haben im Wahlkampf (von 12. Mai bis 15. Oktober) auf zumindest ein Posting eines der sechs Spitzenkandidaten reagiert. Sie haben also ein oder mehrere Postings "gelikt", oder Kommentare geschrieben. Und zweitens haben zumindest 17 Prozent dieser aktiven User auf Beiträge von zwei oder mehr verschiedenen Kandidaten reagiert.

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APA

Am wenigsten Berührungsängste zeigen dabei die (mutmaßlichen) Anhänger der kleineren Parteien: Bei der Grünen Ulrike Lunacek haben im Wahlkampf 58 Prozent der aktiven Facebook-User auch auf Postings anderer Spitzenkandidaten reagiert. Bei NEOS-Chef Matthias Strolz waren es 59 und bei Peter Pilz 64 Prozent. Die meisten Überschneidungen gab es jeweils mit der Seite von Noch-Kanzler Kern. Und umgekehrt war mehr als ein Drittel der bei Kern aktiven User auch auf den Seiten anderer Politiker aktiv (37 Prozent) - besonders häufig bei Kurz (19 Prozent) sowie Strache und Pilz mit je über elf Prozent.

Am ehesten unter sich bleiben die Fans von FPÖ und ÖVP: Nur etwas mehr als ein Viertel der bei Kurz aktiven User hat auch auf Postings anderer Kandidaten reagiert (29 Prozent), bei Strache waren es noch weniger (22 Prozent). Wobei Kurz die meisten Überschneidungen mit Strache hat - und umgekehrt: Fast jeder fünfte bei Kurz aktive User hat auch Postings von Strache "gelikt" oder kommentiert.

ÖVP und FPÖ auf Facebook "relativ geschlossenes System"

Ähnliche Ergebnisse hat auch Roland Trnik von der Wiener Social Media Agentur Spinnwerk gemessen. "FPÖ- und ÖVP-Fans bilden ein relativ geschlossenes System", erklärt Trnik gegenüber der APA. Bei ihnen treffe das Bild von der Filterblase noch am ehesten zu. Weniger dagegen bei SPÖ und Grünen. Und die NEOS hätten überhaupt die stärksten Überschneidungen mit anderen Parteien. "Das spricht komplett gegen die Filterblasen-Theorie", so Trink. Wobei Trnik ohnehin davor warnt, diesen Effekt zu überschätzen und meint, "dass ein 70-Jähriger, der als einzige Informationsquelle die Kronenzeitung hat, auch in einer Filterblase lebt."

Auch Jakob-Moritz Eberl von der Universität Wien geht davon aus, dass die Furcht vor der "Echokammer" auf Facebook möglicherweise übertrieben ist. "Es gibt neuere Studien, die eigentlich zeigen, dass Facebook dabei hilft, mit unterschiedlichen Meinungen in Verbindung zu kommen." Verglichen mit einer Person, die "offline" ein bis zwei Zeitungen lese, werde man online eher mit Inhalten konfrontiert, die nicht der eigenen Meinung entsprechen.

(APA)

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