Vertrauen in Politik: "Schlimmer kann es nicht mehr werden"

43 Prozent der Österreicher haben laut einer aktuellen Umfrage gar kein Vertrauen in Politiker, weitere 50 Prozent wenig.

Strache; Kern; Kurz
Strache; Kern; Kurz
Strache; Kern; Kurz – APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK

Das Vertrauen in die österreichische Politik ist auf einen neuen Tiefststand gesunken - für Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer "kein Wunder", wie er am Montag bei einer Pressekonferenz der Initiative Mehrheitswahlrecht sagte, wurde die Umfrage doch mitten im Wahlkampf während der Silberstein-Affäre durchgeführt. Der Obmann der Initiative, Heinrich Neisser (ÖVP), forderte eine Demokratiereform.

Der Vertrauensverlust betrifft sowohl die Politik allgemein, als auch Politiker. 43 Prozent der 426 Befragten haben gar kein Vertrauen in Politiker, weitere 50 Prozent wenig. 85 Prozent sagen, das Vertrauen in die Politik sei in den letzten fünf Jahren gesunken, für 14 Prozent ist es zumindest gleich geblieben. OGM-Chef Bachmayer sprach bei der Präsentation von einem "All-Time-Low": "Schlimmer kann es nicht mehr werden."

Grund zu Optimismus gibt für Bachmayer allerdings die abschließende Frage. 28 Prozent glauben, dass die Regierung nächstes Jahr mehr Probleme erfolgreich lösen wird. Das ist eine optimistischere Annahme als noch 2016 und 2015. Gleichzeitig sind es in der heurigen Umfrage deutlich weniger, die glauben, dass die Regierung nächstes Jahr weniger Probleme löst.

Neisser sagte: "Es gibt natürlich nicht ein Medikament, das das Vertrauen wiederherstellt." Dazu gehöre jedenfalls die Vermittlung von Kompetenz, Glaubwürdigkeit, Serösität und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Problemen. Die Frage sei auch, ob die neue Regierung auch das macht, was sie verkündet hat und ob tatsächlich ein neuer Stil Einzug hält.

Parlament soll selbstbewusster werden

Neisser sagte, die Demokratieprogramme der Parteien hätten im Wahlkampf praktisch keine Rolle gespielt. Er plädierte für mehr Selbstbewusstsein des Parlaments, dieses sei als Gesetzgeber eine eigenständige Größe und nicht der verlängerte Arm der Exekutive. Die Forderung nach einer Wahlrechtsreform bleibe auf der Tagesordnung der Initiative, so Neisser.

Generalsekretär Herwig Hösele erklärte, es sei schwer erträglich für eine reife Demokratie, dass man am Wahlabend auf eine Hochrechnung angewiesen ist. In Deutschland gebe es trotz eine höheren Anzahl an Briefwahlstimmen schon am Wahlabend ein Ergebnis.

Universitätsprofessor Christoph Bezemek sprach eine "neue Herausforderung" an: Der Trend Selfies in der Wahlkabine zu machen und seinen Wahlzettel zu fotografieren, müsse ernst genommen werden, stehe er doch in einem Spannungsverhältnis zum Wahlgeheimnis. David Campbell sagte, angesichts dessen, dass höchstwahrscheinlich ein 31-Jähriger Kanzler wird, müsse man auch über eine Beschränkung der Amtszeit diskutieren.

(APA)

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