Ja, er geht – aber noch nicht ganz

Vom Aufdecker zum Aufgedeckten: Aufstieg und Fall des Peter Pilz. Ein Porträt.

Peter Pilz
Peter Pilz
Peter Pilz – (c) Reuters

Es wird nicht wenige gegeben haben in dieser Republik, die den gestrigen Tag mit einer gewissen Genugtuung verfolgten. Unter anderem jene, in die sich Peter Pilz, der Aufdecker, verbissen hatte – mitunter über Jahre. Und das war ja auch eine seiner Stärken: Hatte er sich einmal in jemanden oder in einen Fall verbissen, dann ließ er nicht mehr los. Von Karl-Heinz-Grasser bis Hans Peter Haselsteiner, von Noricum bis Eurofighter.

Und Skandale aller Art – der anderen nämlich – hatte Peter Pilz ständig zu bieten. Nicht alles erwies sich immer als hieb- und stichfest. Aber doch vieles. Er hatte sich Meriten in den Causen Lucona und Noricum erworben, deckte ein Baukartell auf, recherchierte hartnäckig im Fall der Kurdenmorde im Wien der späten 1980er und trieb die Fälle Buwog und Eurofighter zeitweilig im Alleingang voran. Stets mit dem Gestus großer Aufregung verbunden. Immer knapp vor der Auffindung der Smoking Gun.

Unbestritten ist Peter Pilz ein immens fleißiger und akribischer Rechercheur. Und ein guter Verkäufer in eigener Sache, nicht selten auch ein Übertreiber. Robespierre wurde Peter Pilz in dieser Zeitung einmal genannt. Der Unbestechliche. Bei ihm waren die Wesenszüge des unerbittlichen Anklägers aber gemildert durch Selbstironie und Humor, seinen Lebenswandel zwischen Rock-Band und Rapid-Fantum. Und er ist durchaus auch kompromissfähig: Eine schwarz-grüne Koalition unter Wolfgang Schüssel hätte er 2003 mitgetragen.

Auch Peter Pilz war das Kind einer Revolution – jener von 1968. In seiner Studentenzeit war er Mitglied der Gruppe Revolutionärer Marxisten. Und als „Alt-68er-Macho“ galt er bei den Grünen schon lang, bevor die nunmehrigen Vorwürfe publik wurden. Bei den Grünen war er lange Zeit ein Einzelkämpfer gewesen. Wenn nötig auch gegen die eigene Parteiführung. Dabei war Peter Pilz selbst einmal Grünen-Chef gewesen – von 1992 bis 1994. Nicht gerade seine beste Rolle, wie er später einmal eingestand. Umso erstaunlicher, dass Peter Pilz dann doch noch einmal Chef einer Partei wurde, diesmal seiner eigenen – der Liste Pilz. Slogan: Ja, es geht.

Nun geht Peter Pilz. Aber noch nicht ganz. Das Parlament, in dem er seit 1986 saß – mit einer Unterbrechung von sechs Jahren, die er im Wiener Gemeinderat verbrachte – verlässt er. Seine neue Partei (noch) nicht. Er bleibt deren Spiritus Rector. Um sich vielleicht doch noch einmal in seine angestammte Rolle des Jägers – nun von Schwarz-Blau – hinüberzuretten. Derzeit steht er aber einmal selbst mit dem Silberrücken zur Wand.

Steckbrief

Peter Pilz. Geboren am 22. 1. 1954 in Kapfenberg. Studium der Volkswirtschaft. Promotion zum Dr. rer. soc. oec. 1986 zog er für die Grünen ins Parlament ein. Von 1992 bis 1994 war er deren Parteichef. Damals holte er Alexander Van der Bellen, einst sein Professor an der Uni, zu den Grünen. Auf dem Bundeskongress 2017 bekam er kein Fixmandat mehr und gründete seine eigene Partei. Pilz ist seit Mitte der 80er-Jahre verheiratet.

("Presse am Sonntag", Print-Ausgabe, 05.11.2017)

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