Politologe: "Österreich wird eine Politik weg von Merkel verfolgen"

FPÖ-Chef Strache betreibe eine "sehr unreflektierte Politik", sagt Reinhard Heinisch von der Uni Salzburg. ÖVP-Obmann Kurz müsse "als Kanzler liefern" - die Freiheitlichen hätten es da bequemer.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache
Schließen
ÖVP-Chef Sebastian Kurz und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache
ÖVP-Chef Sebastian Kurz und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache – APA/GEORG HOCHMUTH

Die Koalitionsverhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss, noch vor Weihnachten sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Entsprechend der Jahreszeit zeigen sich sowohl die Verhandler der Volkspartei, als auch jene aus den freiheitlichen Reihen harmonisch. Für den Politologen Reinhard Heinisch liegt dies daran, dass vor allem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache "auf deutliche Profilbildung" setze.

Dazu passe auch das Gerücht, wonach Strache in der künftigen Bundesregierung nicht nur Vizekanzler, sondern auch Minister für Heimatschutz sein solle - ein neu geschaffenes Ressort. Denn, so Heinisch im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung": "Heimat und Identität sind symbolträchtige Begriffe, mit denen er viele abholen kann."

Ministerposten: Das Neueste aus der Gerüchteküche

Doch hier würden auch Gefahren liegen, denn, so der Professor für österreichische Politik in vergleichender europäischer Perspektive an der Universität Salzburg: "Er (Strache, Anm.) betreibt eine sehr unreflektierte Politik, springt auf kurzfristig Populäres auf und baut ständig neue Feindbilder auf. Dass die deutsche Vergangenheit Österreichs auftaucht, fürchte ich weniger, als dass er die EU oder den Islam als Feindbilder für seine Zwecke instrumentalisiert."

Denn, die Freiheitlichen hätten mehrfach bewiesen, dass sie gut mobilisieren könnten - das sei auch ihre Stärke gegenüber der Volkspartei: "(Parteichef Sebastian, Anm.) Kurz muss sich in der Regierung beweisen, er muss als Kanzler liefern", so Heinisch. "Strache hingegen kann auch von einem Scheitern profitieren, wenn er dem Wähler glaubhaft vermitteln kann, dass man für Prinzipien aus der Regierung gegangen ist."

Nach der wahrscheinlichen Ausrichtung der neuen Bundesregierung gefragt, erinnerte der Professor an die letzten Wochen vor dem Urnengang am 15. Oktober. "Kurz und Strache haben sich ja bereits im Wahlkampf darum gestritten, wer denn nun näher an (Ungarns Ministerpräsidenten, Anm.) Viktor Orbán ist. Österreich wird künftig eine Politik weg von Angela Merkel verfolgen, weg von Deutschland als traditionellem Partner. Womöglich bleibt aber die Zusammenarbeit mit der CSU", so die Prognose von Heinisch.

>>> Bericht in der "Süddeutschen Zeitung"

(Red.)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Meistgekauft
      Kommentar zu Artikel:

      Politologe: "Österreich wird eine Politik weg von Merkel verfolgen"

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.