Rätselraten um Wanze

Laut Vizekanzleramt und Verteidigungsressort wurde die Wanze in Straches Büro in der zweiten Jännerwoche gefunden.

Heinz-Christian Stache.
Heinz-Christian Stache.
Heinz-Christian Stache. – (c) Stanislav Jenis

Wien. Dass der Wanzenfund im Vizekanzleramt kommuniziert wurde, als es der FPÖ angesichts der Causa Landbauer gelegen kam, wie manche spekulieren, wird im Vizekanzleramt aufs Schärfste zurückgewiesen: Der Zeitpunkt habe mit dem Einbruch im Büro von Heinz-Christian Strache (FPÖ) am Mittwoch zu tun. Und diesen habe man sicher nicht aus wahltaktischen Gründen bestellt.

Möglicherweise habe der Einbruch damit zu tun, dass das Abhörgerät unschädlich gemacht wurde, meint man. Denn gefunden wurde die Wanze schon früher, laut Vizekanzleramt und FPÖ-Verteidigungsressort in der zweiten Jännerwoche. Damals habe das Abwehramt die Büros kontrolliert, wie es zur „Presse“ heißt. Dass die Wanze schon am 19. Dezember – am Tag nachdem SPÖ-Kanzleramtsminister Thomas Drozda aus dem Büro ausgezogen ist – aufgetaucht sei, sei falsch, so Vizekanzleramt und Verteidigungsressort. Von dem früheren Fund ist in einem internen E-Mail des Bundesamts für Verfassungsschutz die Rede, das „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk veröffentlicht hat. Laut Verteidigungsressort habe am 19. Dezember lediglich eine Begehung der Räume stattgefunden, die „Lauschabwehr“ erst im Jänner.

Wann bzw. ob der zuständige Verfassungsschutz eingeschaltet wurde, ist unklar. Laut dem E-Mail soll der Leiter des Wiener Landesamts für Verfassungsschutz erst am Donnerstag nach den Medienberichten von dem Fund erfahren haben. Laut Wiener Polizei wird „seit wenigen Tagen“ ermittelt, wie es zur „Presse“ heißt. Zuständig für die Anzeige war aus Sicht des Verteidigungsressorts das Vizekanzleramt, das den Zeitpunkt der Anzeige gestern nicht nannte.

 

Drozda nie offiziell informiert

Drozda wurde laut SPÖ offiziell nie über den Fund in seinem Exbüro informiert. Wie lang die Wanze installiert war, ist nicht klar – offen ist daher die Frage, ob eventuell Drozda das Ziel war. Bei dem Objekt, das hinter der Spiegelwand gefunden wurde, handelt es sich übrigens nicht um einen kleinen Knopf, sondern um „ein Kastl“, wie es aus dem Vizekanzleramt heißt. Zudem um ein offenbar relativ altes Gerät. Die Verkabelung sei indes neu gewesen. (beba/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2018)

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