NS-Lieder: Landbauer wird von Staatsanwaltschaft einvernommen

Der zurückgetretene FPÖ-Politiker, Udo Landbauer, wird zu der Affäre um das umstrittene Liederbuch mit NS-Textpassagen befragt. Die Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt wurde noch nicht offiziell über Auflösung informiert.

Udo Landbauer
Udo Landbauer
Udo Landbauer – (c) Clemens Fabry (Presse)

Die Affäre um das Liederbuch mit einschlägigen Texten, das in der Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt" aufgetaucht ist - und den Rücktritt von Udo Landbauer (FPÖ) aus all seinen politischen Posten zur Folge hatte, geht weiter. Am Montag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft, die wegen des Verdachts auf Wiederbetätigung gegen vier Personen ermittelt, schon zahlreiche Zeugen einvernommen hat. Unter ihnen soll sich auch der frühere freiheitliche Spitzenkandidat für die niederösterreichische Landtagswahl, Landbauer, befinden.

Das Vereinsauflösungsverfahren, das das Innenministerium angekündigt hat, hat bei der Burschenschaft indes noch nicht angeschlagen.

Chemische Untersuchung der Liedertexte

Die Einvernahmen der vier Verdächtigen, die für das Liederbuch verantwortlich zeichnen, sind laut Staatsanwaltschaft weitgehend abgeschlossen. Das Verfahren dürfte aber noch eine Zeit lang dauern, denn die Staatsanwaltschaft lässt chemisch untersuchen, wann die inkriminierenden Passagen, in denen der Judenmord durch die Nazis besungen wird, genau geschwärzt wurden. Die Germania behauptet ja, dass dies schon vor vielen Jahren geschehen sei.

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Germania-Vizeobmann Philip Wenninger wurde bereits zwei Mal von der Staatsanwaltschaft als Zeuge befragt, wie er am Montag bestätigte. Er erklärte weiters, dass die Germania neben Landbauer und dem Wiener FPÖ-Landtagsabgeordneten Stefan Berger keine weiteren Politiker in ihren Reihen habe. Landbauer und Berger haben nach dem Bekanntwerden des rassistischen und antisemitischen Liedtextes die Burschenschaft verlassen.

Die Causa Landbauer

Wegen des einschlägigen Liederbuchs der Verbindung "Germania zu Wiener Neustadt", der auch der niederösterreichische FPÖ-Spitzenkandidat, Udo Landbauer, angehört, hat nun die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen vier Personen aufgenommen. Im Raum steht der Vorwurf der Wiederbetätigung.

In dem 300 Seiten starken Liederbuch, das die Burschenschaft aufgelegt hat, sind unter anderem diese Zeilen abgedruckt: "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.'" Und an anderer Stelle: "Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines': 'Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.'"

Landbauer streitet ab, von dem Lied gewusst zu haben. Seine Mitgliedschaft bei der Burschenschaft stellte er ruhend. Mittlerweile legte er auch all seine politischen Funktionen zurück.

Die Bundesregierung hat mittlerweile ein Auflösungsverfahren der umstrittenen Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt eingeleitet.

 

(APA/Red.)

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