Bruna Sudetia: Obmann lässt sich vorerst beurlauben

Während Vizekanzler Strache der Burschenschaft Rückendeckung gibt, leitet die Justiz Ermittlungen wegen des Verdachts auf NS-Wiederbetätigung ein. Minister Hofer drängte auf Aufklärung, sein Pressereferent auf sofortige Beurlaubung.

Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ)
Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ)
Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) – APA/HERBERT NEUBAUER

Der Vorsitzende der Burschenschaft "Bruna Sudetia", Herwig Götschober, lässt sich als Pressereferent im Büro von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) nach den Vorwürfen gegen seine Burschenschaft vorerst beurlauben. Er habe nach Auftauchen eines Liederbuches mit antisemitischen Texten und der Einleitung von Ermittlungen um die sofortige Beurlaubung angesucht, hieß es in einer Aussendung des Ressorts. Die Beurlaubung des Kabinettmitarbeiters soll demnach so lange dauern, bis die Vorwürfe "restlos aufgeklärt" sind.

Das der "Bruna Sudeti" zugeordnete Liederbuch mit antisemitischen Texten beschäftigt mittlerweile auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Wien hat von Amts wegen ein Verfahren eingeleitet, wie ein Sprecher am Mittwoch mitteilte. Ermittelt wird gegen unbekannte Täter wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung gemäß Verbotsgesetz. Zuvor hatte die schlagenden Burschenschaft Rückendeckung von Vizekanzler Heinz-Christian Strache erhalten. Der FPÖ-Bundesparteiobmann verwies am Mittwoch vor dem Ministerrat auf die von der Burschenschaft eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen die Wochenzeitung "Falter".

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Außerdem betonte Strache, dass Mitglieder der Burschenschaft bereits betont hätten, mit den Liedtexten nichts zu tun zu haben. Konkret meinte er den Obmann der "Bruna Sudetia", seinen Parteikollegen Herwig Götschober, der am Dienstagabend sämtliche Vorwürfe vehement abgestritten hatte.

Hofer: "Es gibt kein Impressum"

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) meldete sich am Mittwoch im Ö1-"Morgenjournal" zu seinem Mitarbeiter Herwig Götschober und der Causa zu Wort. Er fordere rasche Aufklärung der Angelegenheit, betonte Hofer. Wie Strache fügte er hinzu, dass noch nicht klar sei, "woher dieses Buch kommt". Denn: "Es gibt kein Impressum."

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Im Liederbuch, das sein Pressereferent verwende, gebe es die vom "Falter" aufgedeckten antisemitischen Lieder jedenfalls nicht. "Mein Mitarbeiter hat mir sofort sein Liederbuch gezeigt, in dem sind diese Passagen nicht drinnen", sagte Hofer. "Ich dränge auf Aufklärung." Er wolle wissen, wo dieses Buch herkomme und wer dieses veröffentlicht habe. Hofer kündigte auch "rechtliche Schritte" an, ohne jedoch ins Detail zu gehen, wie diese aussehen könnten. 

Die Burschenschaft selbst hat den Bericht des "Falter" zurückgewiesen. Das von der Zeitung zitierte Liederbuch sei in der "Bruna Sudetia" nicht in Verwendung. Das Wochenmagazin hatte berichtet, dass sich in dem ihm vorliegenden Exemplar - wie schon im Liederbuch der "Germania zu Wiener Neustadt" - die Liedzeile "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'", befinden solle, die auf den Massenmord an den Juden in der NS-Zeit Bezug nahm.

FPÖ: Die Burschenschafter im Nationalrat

>>> Hofer im Ö1-"Morgenjournal"

(Red./APA)

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