Armutskonferenz will Bewusstsein für starken Sozialstaat aufbauen

"Wir gemeinsam" heißt die neue Initiative, die darauf aufmerksam machen will, dass Armut "wirklich absolut jeden treffen" kann. Mit Verweis auf Studien wurde die wirtschaftliche Stärke eines Sozialstaats betont.

Beduerftige warten am Freitag 23 02 18 vor der Essener Tafel auf die Ausgabe von Lebensmitteln Di
Beduerftige warten am Freitag 23 02 18 vor der Essener Tafel auf die Ausgabe von Lebensmitteln Di
Symbolbild – imago/epd

Die Armutskonferenz will mit einer neuen Initiative das Bewusstsein für die Bedeutung eines starken Sozialstaates schärfen. Mit der Aktion "Wir gemeinsam" sollen auch jene Menschen erreicht werden, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bisher nicht oder nur wenig betroffen sind. Man wolle damit einen Impuls zur Diskussion geben, sagte Sozialexperte Martin Schenk am Dienstag bei der Präsentation.

Mit Plakaten, Free Cards und über soziale Netzwerke (abrufbar unter www.wirgemeinsam.at) soll die Botschaft unter die Leute gebracht werden. Die Slogans der Kampagne rücken die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt - unabhängig von deren finanziellem Background: "I brauch' an Doktor - Du brauchst an Doktor. Wir lassen niemanden krepieren", heißt es etwa auf einem der Sujets, das die gleiche Person in zwei verschiedenen (finanziellen) Lebensumständen abbildet.

"Habe auch nicht daran gedacht, dass es mich einmal treffen könnte"

Auch die Themen Arbeit, Bildung, Wohnen, Hygiene oder Lebensmittel werden thematisiert. Gleichzeitig geht es der Armutskonferenz auch um den Kampf gegen durch Armut verursachte soziale Ausgrenzung ("I will tanzen - Du willst tanzen. Wir dreh'n niemandem die Musik ab").

Man wolle Bewusstsein schaffen - für alle jene, die das Thema "jetzt gerade nicht betrifft", sagte Judith Pühringer von "Arbeit plus - Soziale Unternehmen Österreich". Dieses Anliegen sprach auch der ebenfalls am Podium sitzende Mindestpensionist und Klient sowie ehrenamtlicher Mitarbeiter der Hilfsorganisation Pro Mente (für Menschen mit psychisch-sozialen Erkrankungen), Karl Frank, an: Er verwies auf seine eigene Krankheit, die ihn schließlich arbeitsunfähig gemacht hat: "Ich habe vor 30 Jahren auch nicht gedacht, dass mich das einmal betreffen könnte. Es kann wirklich absolut jeden treffen. Dieser Gefahr muss man sich bewusst sein."

Regierungsvorhaben nicht der Grund für die Kampagne

Die aktuell beschlossenen beziehungsweise debattierten Einsparungen im Sozialbereich werden von den Initiatoren zwar kritisch gesehen, Grund für die Kampagne sind die Vorhaben der ÖVP-FPÖ-Regierung aber nicht: Die Planungen für "Wir gemeinsam" hätten schon vor einem Jahr begonnen - also noch vor der Bildung der schwarz-blauen Koalition, betonte Schenk. Pühringer erklärte, es gehe darum, dass sich die sozialen Schichten nicht gegeneinander ausspielen lassen. Sie sieht "viele aktuelle Beispiele" - etwa das "Rütteln an der Notstandshilfe".

Schenk verwies auch auf empirische Daten: Diese würden belegen, dass Länder mit starkem Sozialstaat wettbewerbsfähig seien und eine hohe Arbeitsproduktivität sowie ein hohes Bruttoinlandsprodukt aufweisen würden. Soziale Absicherung sei notwendig, da die "untere Mitte" kein Vermögen habe, um Einschnitte wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit aufzufangen. Diese Schicht lebe solange in Wohlstand, "solange die Systeme des soziales Ausgleichs existieren", betonte Schenk.

(APA)

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