Türkis-Blau will Sonderregeln bei Pensionen abschaffen

Personen, die mindestens 40 Jahre gearbeitet haben, sollen eine höhere Mindestpension erhalten. Geprüft werden nun auch Änderungen für jene ab 30 Beitragsjahren. Die SPÖ warnt vor einem "Mama-Malus", auch die Neos üben Kritik.

(c) REUTERS (Denis Balibouse)

Die Bundesregierung hat am Mittwoch im Ministerrat weitere Schritte zur Erhöhung der Mindestpension sowie zur Bekämpfung von Sonderpensionsprivilegien beschlossen. Personen mit 40 Beitragsjahren sollen demnach eine Mindestpension von 1200 Euro bekommen. Geprüft werden nun auch Änderungen für jene ab 30 Beitragsjahren, kündigte Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) im Pressefoyer an.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von einem Schritt, um mehr Gerechtigkeit zu schaffen, denn neben der Erhöhung sollen Pensionsprivilegien etwa bei der Arbeiterkammer, der Nationalbank, den Sozialversicherungen oder der Stadt Wien beendet werden. Details dazu gab es am Mittwoch noch nicht. Laut Kurz wurden Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) und Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) beauftragt, die Sonderpensionsregelungen zu "durchforsten" und dann einen Vorschlag zu unterbreiten.

Strache: Weniger als 1200 Euro/Monat eine "Schande"

Auch Strache sprach von "sozialer Gerechtigkeit". Der "Pensionsbonus" soll jenen zugutekommen, die mehr als 40 Jahre gearbeitet und ins System eingezahlt haben. Es sei eine "Schande", wenn diese weniger als 1200 Euro monatlich Pension bekommen. Geprüft werden soll nun, ob auch Personen mit mehr als 30 Beitragsjahren eine Erhöhung des derzeitigen Betrags von 1022 Euro bekommen können. Eine Erhöhung von möglicherweise 50 Euro pro Monat würde vor allem Frauen betreffen, so der FPÖ-Chef. Die Leistbarkeit müsse jetzt geprüft werden. Die SPÖ hatte in den vergangenen Tagen auf einen einfacheren Zugang zur Mindestpension von 1200 Euro gedrängt, vor allem für Frauen mit langen Kindererziehungszeiten.

Von der aktuell geplanten Erhöhung für jene mit über 40 Beitragsjahren sind laut Strache mehr als 10.000 Individualfälle und über 30.000 verheiratete Personen betroffen. Ehepaare bekommen künftig 1500 Euro Mindestpension. Insgesamt wird hier mit Kosten über 50 Millionen Euro gerechnet. Der Personenkreis für die Maßnahme bei 30 Beitragsjahren könnte 22.000 umfassen. Die Zahl könnte aber auch weit darüber liegen, so Strache.

Eine Angleichung der ASVG- und der Beamtenpensionen ist für den Beamtenminister kein Thema. Im Öffentlichen Dienst gebe es eine "unglaubliche Flexibilität", verwies er etwa auf den 12-Stunden-Tag. So lange es hier keine Ähnlichkeit gebe, könne es keine Angleichung geben, so der FPÖ-Obmann auf eine Journalistenfrage.

SPÖ ortet "Mama-Malus"

Die türkis-blauen Pläne stoßen bei SPÖ, Pensionistenverband und den Neos auf Kritik. SPÖ-Chef Christian Kern ortet in der Regelung einen "kräftigen Mama-Malus" und ist über den Zeitplan und die FPÖ enttäuscht. So bedauerte er am Mittwoch, dass Vizekanzler Heinz-Christian Strache sich nicht gegen die ÖVP durchgesetzt habe: "Nach Straches angekündigtem Einlenken haben viele ältere Menschen zurecht auf eine Erhöhung der Mindestpension bereits 2019 gehofft." Sie müssten nun ein Jahr lang "den Preis dafür zahlen, dass Strache sich nicht gegen die ÖVP durchsetzen konnte".

Der neue Präsident des Pensionistenverbandes, Peter Kostelka, forderte zusätzlich zu den Regierungsvorhaben eine generelle Erhöhung der Ausgleichszulage von derzeit 909,42 Euro auf 1000 Euro. Die heute vorgestellte Mindestpension von 1200 Euro soll erst nach 40 vollen Beitragsjahren gewährt werden - ein "Placebo", wie Kostelka moniert.

Kritik kommt auch von den Neos, sie weisen auf das EU-Recht hin. "Wer nur einen Teil seiner 40 Beitragsjahre in Österreich gearbeitet hat, kann diese 'Mindestpension' in sein EU-Land mitnehmen", gibt Sozialsprecher Gerald Loacker zu bedenken. Die Abschaffung aller Pensionsprivilegien wiederum sei ein längst notwendiger Schritt, so die Neos.

(APA)

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