Stürmischer Applaus für FPÖ-Kritik Michael Köhlmeiers

Standing Ovations gab es für die Anti-FPÖ-Rede des Autors beim Gedenktag des Parlaments. Köhlmeier warf der Partei Heuchelei im Umgang mit den Juden vor. Die FPÖ reagiert erbost.

GEDENKVERANSTELTUNG GEGEN GEWALT UND RASSISMUS: TODT/KOeHLMEIER
GEDENKVERANSTELTUNG GEGEN GEWALT UND RASSISMUS: TODT/KOeHLMEIER
Michael Köhlmeier (l) und Bundesratspräsident Reinhard Todt beim Gedenktag in der Hofburg – APA/HERBERT PFARRHOFER

Für stürmischen Applaus und Standing Ovations hat die Rede des Schriftstellers Michael Köhlmeier beim Gedenkakt des Parlaments Freitagmittag gesorgt. Köhlmeier schenkte dabei der FPÖ ordentlich ein und warf ihr Heuchelei im Umgang mit den Juden vor.

Er fühle sich von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), der in seiner Rede gemeint hatte, dass man Dinge beim Namen nennen müsse, ermutigt und werde genau das tun, eröffnete Köhlmeier seine Rede: "Erwarten Sie nicht von mir, dass ich mich dumm stelle."

Er höre die NS-Opfer, deren Geschichte im Parlament von Jugendlichen erzählt worden war, fragen: "Was wirst du jenen sagen, die einer Partei angehören, deren Mitglieder den Nationalsozialismus verharmlosen oder antisemitische Meldungen abgeben. (...) Wirst du so tun, als wüsstest du nicht, was gemeint ist, wenn sie ihre Codes aussprechen und von gewissen Kreise an der Ostküste sprechen" und Verschwörungstheorien verbreiteten.

"Begriff des 'stichhaltigen Gerüchts' wird ins Wörterbuch der Niedertracht kommen"

"Der Begriff des 'stichhaltigen Gerüchts' wird ins Wörterbuch der Niedertracht und Verleumdung kommen", sagte Köhlmeier in Anspielung auf die Aussagen des FPÖ-Klubobmanns Johann Gudenus in der "Presse", wonach es "stichhaltige Gerüchte" gebe, dass der ungarischstämmige US-Milliardär George Soros daran beteiligt sei, "Migrantenströme nach Europa zu unterstützen". Gudenus selbst nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil.

"Gehörst du zu jenen, die abgestumpft sind", höre er die Toten fragen: "Zum großen Bösen kamen die Menschen nie in einem Schritt, sondern in vielen kleinen. Zuerst wird gesagt, dann wird getan. (...) Wirst du es dir gefallen lassen, wenn ein Innenminister davon spricht, dass Menschen konzentriert gehalten werden sollen?" Es sei unglaubwürdig von der FPÖ, wenn sie sich als Beschützerin und Verteidigerin der Juden aufspielt und gleichzeitig die rechtsextreme "Aula" unterstützt, in der befreite Häftlinge des Konzentrationslagers als "Landplage" bezeichnet wurden. "Wer das glaub, ist ein Idiot oder er tut so als ob, dann ist er ein Zyniker", sagte Köhlmeier.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wurde ebenfalls von Köhlmeier angegriffen. "Es hat auch damals schon Menschen gegeben, die sich damit brüsteten, Fluchtrouten geschlossen zu haben", sagte der Autor in Anspielung darauf, dass Kurz immer wieder gerne betont, die Balkan-Route geschlossen zu haben.

Er möchte sich und den Jugendlichen, die sich eindringlich mit den Schicksalen der Opfer beschäftigt haben, in die Augen sehen können. "Mehr habe ich nicht zu sagen", schloss Köhlmeier und erntete stürmischen Applaus von den Festgästen.

"Pauschal verunglimpft"

Die FPÖ reagierte erbost auf die Abrechnung Köhlmeiers. Klubobmann Walter Rosenkranz und der Abgeordnete David Lasar bezeichneten Köhlmeier in einer Aussendung als selbstgerecht und warfen ihm vor, die Gedenkveranstaltung desavouiert zu haben: "Köhlmeier ist seit Jahren dafür bekannt, dass er seine persönlichen und politischen Aversionen gegen die FPÖ bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit von sich gibt. Daher darf es auch nicht verwundern, dass er diese heutige Bühne hochmütig missbraucht hat. Dass er dabei die Ungeheuerlichkeit des Holocaust verharmlost und gleichzeitig eine Million österreichische Wählerinnen und Wähler pauschal verunglimpft, ist ein entbehrlicher Beitrag zur weiteren Spaltung der Gesellschaft in Österreich, die er selbst kritisiert."

"Dem heutigen Gedenktag hat Köhlmeier einen Bärendienst erwiesen, auch wenn ihn seine Claqueure dafür abfeiern. Vielen Ehrengästen war die Empörung sichtlich anzusehen und sie applaudierten demonstrativ nicht", meinten die FPÖ-Politiker.

(APA)

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